Als dem Vorübergehenden ein Video gezeigt wurde, das brutalbraune Hetzjagden in Chemnitz belegen sollte, sagte er zu seinem Zeitgenossen: „Kennst du UFO-Videos, die beweisen sollen, dass es UFOs gibt? Die scheinen immer mit speziellen UFO-Kameras aufgenommen zu werden, so dass sie stets eine Bildqualität haben, in der man mehr errät als erkennt. Und öfter, als einem lieb sein kann, gibt es keine belastbaren Informationen über die Quelle des schlechten Videos. Ja, solche völlig unbrauchbaren Videos gibt es selbst dann noch, wenn ein ‚UFO‘ über eine Großstadt schwebt, obwohl heute jeder ein Smartphone mit wesentlich besserer Kamera in seiner Tasche trägt. Aber keines der Videos wird von dieser Faktenlage davon abgehalten, sich zu und unter jenen zu verbreiten, die schon längst entschieden haben, was sie sehen wollen. An ein solches Futter für die Psyche musste ich unwillkürlich denken, als ich dieses Video sah: In einer mittelgroßen Stadt gibt es im Zeitalter der selbst für arme Menschen erschwinglichen HD-Handykameras nicht mehr und kein besseres Material von den behaupteten ausgedehnten Menschenjagdszenen als ein nahezu unkenntliches Video ohne klaren Kontext“. Als der Zeitgenosse daraufhin unwirsch zum Vorübergehenden „Du klingst wie ein Nazi-Sympathisant“ sagte, antwortete der Vorübergehende: „Und du klingst wie ein tiefgläubiger UFOloge, der nur allzugern das klar zu sehen vermeint, was er glauben will“.

Der Vorübergehende hat jetzt einen Freund weniger, was schade ist — aber besser als der Schaden, den am Geiste nimmt, wer sich seine so leicht erheizbare Psyche zum Freund macht.

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