Archive for Juli, 2018


Artgerecht

Wenn nur halb so viele Menschen nach dem Anblick gewöhnlichen menschlichen Elends die „artgerechte Haltung“ von Menschen einforderten, wie sich stets bereit finden, nach dem Anblick gewöhnlichen tierischen Elends die „artgerechte Haltung“ von Tieren einzufordern, dann würde schon viel Unerträgliches in der gegenwärtigen Zivilisation zumindest geächtet und vielleicht bald reduziert. In der Liebe zum Tier spiegelt sich der Hass auf Menschen.

Werbeanzeigen

Dabeisein ist alles

Screenshot der Website der Justizvollzugsanstalt Hannover: Sei dabei! (Werbung um Bewerber für den Justizvollzugsdienst.) -- Dabeisein ist alles! Und nein: PR-Heinis fällt bei diesem Anblick nichts auf.

Quelle | Archivierte Version | via @robologo@twitter.com

Brutales Kindergesicht

Als der Vorübergehende einen martialischen Flyer der Autonomen Antifa in den beliebten antifaschistischen Farben schwarz, weiß und rot sah, schüttelte er beinahe unmerklich den Kopf. Darauf angesprochen, sagte er: „Die Radikalität ist zur bloßen Pose verkommen, aufgesetzt und leer, eingenommen für eine psychische Wirkung, die niemals politisch sein kann. Hart wie Kruppstahl ist die Maskerade, und um so deutlicher treten beim Hinschauen in das Spiegelbild dieses Mummenschanzes die Kindergesichter hervor“.

Zu spät

Für ein „Wehret den Anfängen“ ist es längst zu spät. Wehret dem Ende!

Der AfD dankbar sein…

So schwer diese Regung auch fällt: Man sollte der AfD dafür dankbar sein, dass sie der ja immer schon etwas verdächtigen CSU so gründlich die freundliche bürgerliche Maske vom Gesicht gezogen und die hässliche menschenverachtende Fratze darunter so öffentlich gemacht hat, dass es niemand mehr übersehen kann. Wenn dabei ebenso deutlich geworden ist, dass sowohl für die CDU als auch für die SPD Machterhalt einen höheren Stellenwert als irgendwelche Prinzipien wie das Bekenntnis zu den Menschenrechten aus der festlich-worttrunkenen Sonntagsrede hat, so dass die Koalition mit der CSU fortgesetzt wird, als wäre nichts geschehen, ist dies ebenfalls klärend, wenn auch für viele leichtgläubige Wähler dieser Parteien eher unerfreulich. Wer sich, wie CDU und SPD, aus Machtkalkül mit der gegenwärtigen CSU zusammentut und eine Koalition bildet, die Politiker der CSU in die Regierung bringt — nichts gegen Zusammenarbeit in einigen Sachfragen, die auch bei großen Differenzen immer möglich sein sollte, nein, möglich sein muss — würde auch aus Machtkalkül mit der AfD koalieren und hätte kein Problem damit, Politiker der AfD in die Regierung zu bringen.

Ab jetzt wirds hier wieder unpolitisch. Versprochen!

Vom Anzünden

„Seltsam“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „die angeblich politisch motivierten Menschen zünden so vieles an. Sie zünden Flüchtlingsheime an und teure Autos. Aber niemand zündet diese Zeitarbeitsfirmen an, die sich wie ein schrödersches Krebsgeschwür durch den wenig Geld verdienenden Teil der Gesellschaft fressen, bei den vom Jobcenter gezwungenen Menschen nichts als Armut, Armut und Armut hervorbringen und deren dreiste Unverschämtheit, Menschenverachtung und Versklavungsähnlichkeit von jedem Menschen mit einer Spur politischen Bewusstseins sofort erkannt werden müsste. Darin, welchen Feind sie offen bekämpfen und welcher eingebildeten Gewalt sie entgegentreten, um die Konfrontation mit der wahren und wirksamen Gewalt zu vermeiden, zeigen die kindischen Kämpfer, was zu bekämpfen sie nicht eine Sekunde ihres Daseins willens waren und sind. In der Verachtung des Geringen spiegelt sich die eingebildete Größe des eigenen Narzissmus, der in der Politisierung so praktisch heilig gesprochen wird“.

Träume

Was entsteht, wenn Träume Wirklichkeit werden, ist die Hölle.

Schrank und Becher

Ein metallischer Schrank und ein achtlos abgestellter Kaffeebecher aus Pappe in einer Nische in einer schmucklosen Wand in der Ruine des Ihmezentrums.

Aber immerhin, die Fassade der Ihmezentrum-Ruine wird jetzt ja gemacht, um wieder Einzelhandel ansiedeln zu können… die Läden will ich sehen, die sich dort einmieten wollen!

Immer daran denken, mit welch schönen Worten noch im letzten Jahr das Ihmezentrum umschrieben wurde: Gute Bausünden zeichnen sich durch Mut, Einfallsreichtum und einer beherzten Entschlossenheit [sic!] aus. Sie heben sich souverän aus dem unendlichen Meer der gesichtslosen, allgegenwärtigen Banalitäten ab

Achtung Verachtung

Wer dieser unter Menschen sehr beliebten Beschäftigung nachgeht, andere Menschen in Gruppen einzuteilen, befreit sich selbst damit von der „Last“ seiner letzten Empathieregungen, sie als Individuuen betrachten zu müssen. Doch um einen Menschen achten zu können, muss man ihn als Individuum kennenlernen. Die Betrachtung von Menschen als Gruppen ist eine auch dem nicht-psychopathischen Menschen gegebene Möglichkeit, psychopathische „Logik“ zu entwickeln, mit der er dann psychopathisches Handeln hervorbringt; und eben deshalb wird dieser bequeme psychische Mechanismus von Journalisten, Propagandisten und vergleichbaren gewerbsmäßigen Schreibtischtätern zur Absicherung ihrer jeweiligen individuellen Vorteile (oder ihrer lediglich erhofften Vorteile) gern und breit mit input bedient.

Besorgte Bürger

„Besorgte Bürger sind es nicht, dazu bedürfte es ja eines bewusstseinsfähigen Apparates, der sich sorgt“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „es sind verängstigte Bürger beim Versuch der Angstabwehr, genau so irrational wie der Versuch der Angstabwehr selbst. Wenn die Psyche die Politik übernimmt, wird die Barbarei zum Gesetz werden. Nur ein Ratgeber ist noch schlechter als die Angst, und das ist die passiv-wartende, nichts gestaltende Hoffnung, der BRD-Politikratgeber der CDUCSPDUAFDPGRÜNETC seit Jahrzehnten“.

Heute könnte niemand mehr im Internet zur Revolution aufrufen, weil die als Vorzensur zur Bekämpfung von „Hate Speech“ eingerichteten, „künstlich intelligenten“ Zensurfilter den Ruf erstickten, bevor er irgendwo vernehmbar würde. Was den Nutzern von social media bleibt, das ist die Reklame, die Unterhaltung und das Belanglose.

Obszön

„Diese Gesellschaft ist insofern obszön, als sie einen erstickenden Überfluss an Waren produziert und schamlos zur Schau stellt, während sie draußen ihre Opfer der Lebenschancen beraubt; obszön, weil sie sich und ihre Mülleimer vollstopft, während sie die kärglichen Lebensmittel in den Gebieten ihrer Aggression vergiftet und niederbrennt; obszön in den Worten und dem Lächeln der Politiker und Unterhalter; in ihren Gebeten, ihrer Ignoranz und in der Weisheit ihrer gehüteten Intellektuellen. […] Nicht das Bild einer nackten Frau, die ihre Schamhaare entblößt, ist obszön, sondern das eines Generals in vollem Wichs.

Herbert Marcuse