Es gibt für mich kaum etwas Befreienderes und Erfreuenderes, als in einer sich sinnlos aufheizenden Diskussion ein wie eine Trumpfkarte auf den Tisch geklatschtes Schlagwort aus der medialen Berichterstattung aufzugreifen und ein prolles, nicht weiter begründetes „ist mir egal“ anzuhängen.

Während ich als politisch ungebildet, generell dumm und somit völlig unbeachtlich verachtet werde, kann ich mich zurücklehnen und mich in aller Stille daran erfreuen, wie die Menschen, die sich für überlegen halten (und in genau dieser Haltung ihren dummen und verdummenden Narzissmus füttern), ihre beschränkte Kraft in der psychologischen Mühle des von Milliardären bezahlten Nachrichtenbetriebes zu Staub zermahlen lassen, als ob sie eine Unendlichkeit davon zur Verfügung hätten — und sich von genau diesem industriellen Betrieb auch noch vorgeben lassen, in welchem Rahmen sie denken und argumentieren dürfen oder gar müssen und ausgerechnet diese Beschränkung als Rede- und Gedankenfreiheit sowie als „Bildung“ empfinden.

Die Themen, über die sie sich ereifern, haben sie schon in wenigen Wochen, spätestens in zwei bis drei Jahren, vergessen. Was ihnen verbleibt, ist das erstickende Unrecht, das in ihre Leben hineinragt und niemals Thema für den medial eingejagten Schrecken wird — und die Möglichkeit, einen der vielen Namen für den Aufrechterhalt und die Vergrößerung des erstickenden Unrechts auf einem Wahlschein anzukreuzen.