Werte Journalisten,

seit einigen Monaten beobachte ich mit einer Mischung aus Erheiterung und Kopfschütteln, wie ihr versucht, den gegenwärtigen Kanzlerkandidaten der SPD, Martin Schulz, „nach oben zu schreiben“ und was für lustige Wörter ihr euch dafür ausgedacht habt.

„Schulz-Effekt“. Das klingt schon ungesund. „Schulz-Zug“. Ist der etwa entgleist? Und der Schulz hier, und der Schulz dort… so manchen Bundesminister habt ihr deutlich seltener mit eurer Tintenkleckserei in „Erinnerung“ gebracht.

Was euch, werte Journalisten, mangels Einsichtsfähigkeit allerdings nicht klar zu sein scheint, ist eine an sich sehr simple Tatsache: Ihr habt schon einmal so gleichtönend und gleichtuend auf allen euren stinkenden Kanälen einen Kanzlerkandidaten der SPD nach oben schreiben wollen, und bei diesem Ansinnen wart ihr deutlich erfolgreicher. Gerhard Schröder — so etwas wie der Donald Trump der Bundesrepublik Deutschland, zwar eine etwas kleinere Ausgabe, aber dafür mit genau so großer narzisstischer Persönlichkeitsstörung¹ — ist tatsächlich Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland geworden. Und in dieser Position hat er in einer Mischung aus Machtwort, kriminellem Kumpelkreis, Bier her, Bild, BamS und Glotze den sozialen Frieden in der BRD zerstört, einen staatlich subventionierten Billigarbeitsstrich in der BRD eingeführt, die Ausdehnung der als „Zeitarbeit“ bezeichneten modernen Sklaverei vorangetrieben und begrüßt, die Hartz-IV-Armut und den erzwungenen Sklavenjob über viele Menschen in der BRD gebracht, die solidarische Rentenversicherung abgeschafft und jede Illusion, dass das Wort „Sozialdemokratie“ etwas mit „sozial“ oder „demokratisch“ zu tun haben könnte, nachhaltig und bis heute nachwirkend zerstört. All dies, werte Journalisten, mit eurer bemerkenswert verständnisvollen Unterstützung.

Jeder Mensch, der um die dreißig Jahre alt oder älter ist und nur einen Funken politischen Bewusstseins hat, weiß das noch. Und damit weiß er, was von SPD-Kanzlerkandidaten, die von euch, werte Journalisten, hochgejazzt werden, zu halten ist: Sie sind genau so Feinde, wie ihr, werte Journalisten, es seid. (Was für eine Regierung ein Kanzler Martin Schulz wohl eingesetzt hätte? Die Frage habt ihr niemals aufgeworfen, werte Journalisten, denn die Antworten sind zum Gruseln. Und dieses Gruseln wolltet ihr halt nicht. Das mit der Propaganda könnt ihr ganz gut, werte Journalisten.)

Ihr seid bedeutungslos geworden, werte Journalisten. Oder, um es mit einem bei euch sonst sehr beliebten Fremdwort zu sagen: irrelevant. Oder, um es genau so zu sagen, wie es mir auf der Zunge liegt: zum Glück für die Menschen in der BRD seid ihr irrelevant geworden.

Das Resultat eurer — als Aufforderungen zum Personenkult direkt an die dumme Psyche adressierten — Manipulationsversuche bleibt inzwischen unterhalb der Wirkungsschwelle. Der „Schulz-Effekt“ bei der heutigen Landtagswahl in Schleswig-Holstein klingt bei der ARD-Tagesschau etwa so: CDU siegt im Norden – Schlappe für SPD.

Eure Parallelgesellschaft wechselwirkt nicht mehr stark genug mit der richtigen Gesellschaft. Ihr habt euch endlich entkoppelt. Manchmal wundert ihr euch bestimmt, dass euch keiner eurer Leser mehr Geld für eure journalistische Tätig- und Tätlichkeit geben will. Auf die politische und lebenspraktische Irrelevanz (oder gar Gefährlichkeit) des Journalismus für die meisten Menschen folgt halt, dass diese Menschen euch die Irrelevanz gern zurückgeben. Ihr habt nichts mehr mit den Menschen zu tun. Und jeder Mensch kann das an eurem schmierigen Geschmiere bemerken, wenn er einfach nur hinschaut.

Hört ihr das Tappsen aus der Ferne, das da täglich näher kommt? Das ist der Insolvenzverwalter auf dem Weg zu euch. Werte Journalisten, das von euch aktiv und vorsätzlich herbeigeschriebene Hartz IV, das werdet ihr bald selbst „genießen“ dürfen. Vielleicht lernt ihr sogar mal unfreiwillig das Leben eines Bauhelfers für achtfuffzich kennen. Und wisst ihr was: Das freut mich für euch Schreibtischtäter.

Euer euer Treiben bald nicht mehr ertragen müssender
Nachtwächter

PS: Eure Versuche, das Internet zensieren zu lassen, werden fruchtlos bleiben, aber vielen Menschen zusätzlich die Augen öffnen, was für ein widerliches Geschmeiß ihr seid.

¹Er hat sogar ein Gerichtsverfahren wegen seiner Haarfarbe geführt.

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