Archive for Juni, 2016


Aus der Sicht der Angehörigen der Classe politique, der Journalisten und der Werber werden ausschließlich jene Bewegungen von Menschen und intellektuellen Trends für relevant und des „öffentlichen Diskurses“ würdig befunden, die sie selbst produziert oder nachträglich übernommen und dann gesteuert haben. Dieses „Relevanzkriterium“ führt zu kultureller Starre, geistiger Verödung, „alternativloser“ Politik und schließlich in den Faschismus.

Friedhof

Die Schule ist der Friedhof des Geistes. Das ist ihr Zweck. Dafür wird sie gebaut. Dafür wird sie betrieben.

Theodor W. Adorno zur Brüllball-Europameisterschaft

Wird eine Fußballweltmeisterschaft vom Radio übertragen, deren jeweiligen Stand die gesamte Bevölkerung aus allen Fenstern und durch die dünnen Wände der Neubauten hindurch zur Kenntnis zu nehmen gezwungen ist, so mögen selbst spektakulär verschlampte Gammler und wohl situierte Bürger in ihren Sakkos einträchtig um Kofferradios auf dem Bürgersteig sich scharen. Für zwei Stunden schweißt der große Anlass die gesteuerte und kommerzialisierte Solidarität der Fußballinteressenten zur Volksgemeinschaft zusammen. Der kaum verdeckte Nationalismus solcher scheinbar unpolitischen Anlässe von Integration verstärkt den Verdacht ihres destruktiven Wesens.

Theodor W. Adorno, im Jahr 1963

Zu Maaßens maßlosem FUD¹

Werter Herr Maaßen, sollte, wie von Ihnen angedeutet, Edward Snowden ein russischer Spion sein, so muss ich konstatieren, dass mir — als einem völlig zu Unrecht von der „Spionage“ betroffenen Privatmenschen ohne Geheimkenntnisse — die russischen Spione wesentlich lieber als die deutschen oder US-amerikanischen mit ihre kranken Idee der totalen Überwachung jeglicher Kommunikation zwischen Menschen sind.

Grüßen sie ihre Propagandaexperten!
Der Nachtwächter

¹FUD? Wikipedia weiß mehr.

Ausgewogen

Je weniger Wissen ein Mensch hat, desto mehr Meinung hat er.

Ich freue mich!

Zeitungsartikel: Stadt schließt Abriss nicht aus -- Ultimatum an Investor des Ihme-Zentrums: Bis Jahresende muss er ein Konzept für die Immobilie vorlegen

Vielleicht kann ich ja doch noch ein bisschen tanzen, wenn sie die lebensverachtende, im Stile des Brutalismus gebaute Betonburg zwischen Blumenauer Straße und Ihme endlich wegsprengen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht eine Ratsfrau der Scheißgrünen damit durchsetzt, das Ihmezentrum unter Denkmalschutz zu stellen und damit für lange, lange Zeit zu erhalten. *grusel!*

Wer nicht aus Hannover kommt: Hier gibt es einige unerfreuliche Fotos, die den dort in Beton gegossenen ästhetischen Begriff vortrefflich eingefangen haben. Die Bausubstanz sieht übrigens inzwischen teilweise so aus. Die damals sicherlich gut von Carlyle bezahlte Schleichwerbung von Qualitätsjournalisten im redaktionellen Teil für den Umbau des Ihmezentrums zum so genannten „Lindenpark“ (Shoppen auf 45.000m²) habe ich hier mal kurz kommentiert.

Durchdringendes Fehlalarmfiepsen

Bei einem Wohnungsbrand zu sterben, ist ja eine zum Glück eher seltene Todesart, wenn man es mit dem Tod durch Ärztepfusch, Alkoholkonsum oder im Straßenverkehr vergleicht. Dies hat die Classe politique allerdings nicht davon abgehalten, es im mutmaßlich bezahlten Auftrag der Hersteller von Rauchmeldern zum Gesetz zu machen, dass in jede Wohnung ein Rauchmelder verbaut werden muss. Wie viele Verletzte — oder vielleicht sogar Tote — es seitdem gegeben hat, weil Menschen schnell eines dieser Geräte während eines schrill tönenden Fehlalarmes unter nicht unerheblichem Stress abschalten wollten, wird gar nicht erst weiter untersucht. Die Selbstfeier von Politikern und Beamten, wenn einige Menschen weniger bei einem Wohnungsbrand ums Leben kommen, ist hingegen gewiss. Dass immer noch einige sterben, weil sie das durchdringende Alarmfiepsen etwa wegen der gleichen Bewusstlosigkeit durch Alkoholkonsum nicht wahrnehmen, die auch die eigentliche Brandursache ist, ja, dass es gar nicht so wenige sein werden, die so sterben, wird dieser Selbstfeier der unverantwortlich Verantwortlichen keinen Abbruch tun. Ganz im Gegenteil: Sie werden sich zuprosten.

Ohrfeige

Egal, ob es ein religiös oder ideologisch verblendeter Mensch ist, der so redet; gleich, ob es ein Therapeut, Sozialarbeiter, Arzt, Werber, Journalist, Politiker oder Nachbar ist, der sich zu derartiger Unverschämtheit hinreißen lässt: So lange die Menschen es nicht gelernt haben, auf die Ansage „Ich weiß besser als du selbst, was für dich gut ist, und deshalb solltest/musst du…“ mit einer spontanen Ohrfeige oder doch wenigstens angemessen ätzender Ironie zu reagieren, so lange besteht keinerlei Aussicht auf ein Ende der Herrschaft von Verantwortungslosigkeit, Verblendung und Dummheit. Die kleine Geste der Kleingeistigkeit ist schon längst zur großen Menschenverachtung der Großkopferten herangewachsen, ohne dass sich jemand so sehr daran störte, dass die Obszönität untragbar zu werden drohte; niemand nimmt mehr deutlich fühlbar Anstoß daran, wenn korrupte Kurprinzen aus einer Parteienoligarchie, die mit einem monatlichen Einkommen von über 9.000 Euro versorgt sind (Abgeordnete des Deutschen Bundestages) sich darüber einig werden, dass anderen Menschen 404 Euro im Monat (Hartz IV) zum Leben ausreichen. Menschen. Die sich die Fremdbestimmung widerstandslos bieten lassen, haben die ihnen zum Schein angebotene Freiheit schon längst für eine Handvoll Bequemlichkeit, Angstabwehr und Sicherheit veräußert und sind, wenn sie nur ihre persönliche Verantwortung für die von ihnen geschaffenen Zustände gut genug verdrängen können, allzugern bereit, ganz ohne oder zu geringwertigem Lohn daran mitzuarbeiten, dass jeder immer noch unbeugsame Mensch zu dieser Selbstveräußerung gezwungen werde, und sei es mit grober, mit mörderischer Gewalt. Über der Pforte, die in die Freiheitsvernichtungslager des modernen Faschismus führt, stehen die gleichermaßen hehr tönenden wie leer seienden Worte „Sozial ist, was Fremdbestimmung schafft“ geschrieben, und. Wer durch diese Pforte eingeht, lasse alle Hoffnung fahren!

Gruß an N.

Ich hätte niemals geglaubt, dass ich auch nur die geringste Sehnsucht nach dem früheren Journalismus bekommen könnte, der vor allem Presseerklärungen von Parteien, Organisationen und Unternehmungen zunächst wiedergegeben und dann noch einmal mit eigenen Worten wiederholt hat, um diese Übung für schriftstellerisch Unbegabte mit Reklame und Reklame zu umstempeln, dem eigentlichen Daseinsgrund des Journalismus — aber inzwischen lesen die Journalisten immer häufiger „Twitter“ vor, ganz so, als hätten die Leser der journalistischen Elaborate noch gar kein Internet und könnten sich nicht selbst in diese Grube stürzen, wenn sie daran Interesse hätten.

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen […] Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen […], dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein

Immanuel Kant — Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?