Archive for Mai, 2016


Blasse Erinnerung

Wer sich in einer Streitfrage auf die Autorität beruft, gebraucht nicht die Vernunft, sondern eher das Gedächnis

Leonardo da Vinci

Die heutigen parawissenschaftlichen Ideen des Feminismus, dass das Geschlecht nicht genetisch durch meiotische Auswürfelung im 23. Chromosomenpaar determiniert, sondern in erster Linie dem Individuum aufsozialisiert sei, nannte man zu meiner Zeit Lyssenkoismus — und dieser war zu seiner Zeit breit „belegt“ durch eine „Forschung“, die nicht in gezielten Experimenten die Wirklichkeit befragte, sondern die vorher feststehenden Antworten in die Wirklichkeit hineininterpretierte.

Intelligenz

Dass einige Menschen, deren Stimmen wegen der Reklameabhängigkeit des Presse- und Medienapparates von journalistischen Betrieb gern millionenlaut verstärkt werden, in ihren geäußerten Ansichten von der „künstlichen Intelligenz“ allerlei Weltveränderung erwarten, sagt im kecken Spiegelbild alles über die Auffassung dieser Menschen von der menschlichen und damit auch von ihrer eigenen Intelligenz. Man müsste schon sehr dumm sein, um jemanden mit einer solchen Selbsteinschätzung ernst zu nehmen.

Demokratie

Wenn die Herrschenden und Besitzenden sich hinstellen und dreist proklamieren, der Rest der Bevölkerung herrsche doch über sich selbst und er beute sich völlig freiwillig von allein aus, dann nennt man diese Lüge „Demokratie“.

Nebenwirkung

Well, we’d have to cut his higher brain functions without disturbing the purely automatic and regulatory systems

aus 2001, A Space Odyssey

Niemand ist depressiv, während er schläft. Die so genannte Depression ist wie eine Nebenwirkung des Erwachens und Wachseins; ein Zustand, der sich von allein einstellt, wenn Menschen nicht in ihren klebrigen, psychischen Traumwelten verweilen. Wer sich dazu entschlossen hat, unter dieser Nebenwirkung zu leiden, flieht in den Rausch und in den Schlaf und sucht an seiner Psyche erneut und immerfort trunken zu werden; wer sich aber entschlossen hat, wach zu sein, wandelt diese Nebenwirkung in eine Heiterkeit, die mehr Humor hervorbringt als das plumpe Witzeln der Medienclowns für Hypnotisierte und Schlafende.

Für C.

Erschöpfung

Es gibt Autoren und Autorinnen, die scheinen sich beim Schreiben zu sagen: „Wenn ich schon mein Thema nicht erschöpfen kann, dann will ich doch wenigstens die Leser erschöpfen“.

Buchbild

Solange Menschen in allerlei künstlerischer und propagandistischer Illustration das Lesen eines Buches oder ein Buch als Symbol der Bildung verwenden, solange sind sie noch nicht im Internet angekommen, solange sind sie noch so unreflektiert konservativ, dass sie sich im Vergangenen verwurzeln wollen und diese Wurzel am liebsten auch anderen aufzwängen… es ist schon von realsatirischem Reiz und lächerlich, dass jene, die für die Bildung in die Bresche zu springen vorgeben, dabei so offensichtlich und offen sichtbar den Fortschritt ablehnen. Von dieser Haltung zum Biblizismus religiöser Idioten ist es nur noch ein kleiner Weg.

Diebstahlschutz

Rollator, der im Treppenhaus eines Wohnhauses abgestellt ist und mit einem Fahrradschloss am Treppengeländer angeschlossen wurde, damit ihn niemand stehlen kann. Ein Sinnbild der hochgradig irrationalen Angst vor Kriminalität im Bürgertum

Richtung und Garheit

Wenn der Schwanz des Zaren schwillt, brennt jede Lippe, ihn aufzunehmen.

Russisches Sprichwort

Traum — Die gesamte gegenwärtige politische Gestaltung der „westlichen“, USA-orientierten Staaten ist gleichzeitig der Traum eines Krämers und der Albtraum eines Denkers.

Wertlüge — Wenn die Internet-Werbeblase (und damit auch: die Social-Media-Blase) in absehbarer Zeit endlich platzen wird, dann werden sich Menschen mit feinem Zwirn und gut einstudierter, besorgter Mine vor die Kamera stellen und sagen, dass Werte vernichtet wurden. Und das ist eine Lüge, denn diese „Werte“ waren niemals da, sie wurden nur beleglos behauptet und diesen beleglosen Behauptungen wurde wegen ihres „schönen“ Klanges geglaubt. Daten sind die Tulpen des 21. Jahrhunderts. Werte, die es verdienen, mit diesem Wort benannt zu werden, sind hingegen längst bei der Vermarktung alles Zwischenmenschlichen zerstört worden.

Verdacht — Dieser Verdacht, dass viele Deutsche, die jetzt die AfD wählen, weil sie eine „Alternative“ wollen, wohl vorher die SPD gewählt haben, weil sie wollten, dass sich in ihrem Land etwas verändert. Wer vor der Lüge flieht, fällt leicht auf die gleiche Lüge in neuer Verpackung herein.

re:publica — Wo Journalisten über technische Themen sprechen, die sie selbst nicht verstehen, freuen sich die ahnungslosen Zuhörer darüber, dass sie ahnungslos bleiben dürfen. Sie zahlen sogar Geld dafür. Die re:publica ist eine Vermittlung kostenpflichtiger Dummheit, und genau das macht ihre Beliebtheit unter Journalisten und bloggenden Parajournalisten aus.

Twitter — Menschen, die sich aufführen, als hätten sie Glückskekse geraucht.

Berlin — Eine Stadt, die aussieht wie das Pissoir der modernen Zivilisation.

Bezahlung — Apropos Journalisten… das sind die Menschen, die mir jedes Mal, wenn sie AfD schreiben, mit einem zusätzlichen Eigenschaftswort erklären, was ich von der AfD denken soll. Deshalb schreiben sie immer von der „rechtspopulistischen AfD“. Es wäre ihnen aber niemals in den Sinn gekommen, die programmatisch und weltanschaulich fast auf gleicher „Höhe“ stehende CSU gleichfalls bei jeder Nennung als „rechtspopulistisch“ zu bezeichnen, die SPD als „pseudosozial“, die FDP als „antisozial“, die Grünen als „rückwärtsgewandt“, die CDU als „vollständig korrumpiert“, die Linke als „sozialdemokratietümelnd“. So kann jeder Leser am Fehlen der nur in einem Falle für erforderlich gehaltenen Eigenschaftswörter bemerken, wer den Journalisten für sein Schreiben bezahlt, und das hilft sehr beim Verständnis des Geschriebenen.

Nachfolge — Als der Allheitsanspruch der Religion im Zuge der Aufklärung immer weniger haltbar wurde, haben die an Denkverbote so gewohnten Bürger und Lohnsklaven flugs aus dem gleichen psychischen Material ein Surrogat für die Religion gebaut, um ihren dummen, entmündigten, hirnbequemen Zustand zu erhalten: Die Ideologie. Und sie sind nur allzu bereit, zu ihrem alten, ungleich wirksameren Hirn- und Seelengift zurückzukehren, wenn es ihnen wieder durch persönliche Verdummung oder eine andere, modernere Verpackung von Neuem kommensurabel gemacht wird, wie dies auf dem vom Bürgertum mit Geld gemästeten Esoterik-Jahrmarkt der Fall ist. Sie können gar nicht länger darauf warten, alle Fenster aufzumachen und die lästigen Mücken rauszujagen.

Unglück — Das Unglück der anderen Menschen ist mir egal. Es ist ihre Haltung, ihr Tun, ihre Dummheit, ihre Kälte. Sie können sich allesamt gern in die lichtlose Kammer setzen und unglücklich sein, bis sie irgendwann enttäuscht und widerwillig sterben und keinerlei erhoffte Belohnung für ihre Entbehrungen erhalten. Es ist ihr Recht, unglücklich zu sein. Was am Unglück der anderen Menschen stört, ist, dass es in mein Leben hineinragt, dass es mit einer Gewalt daher kommt, die einzig dazu da ist, dieses Unglück auch an mir durchzusetzen. Diese Gewalt wird Staat genannt und kommt in tausend die Sinne täuschenden Gewändern.

Urbild — Der „Vater“, den die Christen gern so wortvoll-repetitiv anbeten, ist nur allzudeutlich nach dem Urbild des „Landesvaters“ gebaut und damit genau so übel, mörderisch, feindlich und satanisch wie dieser. Man tut den Götzendienst nicht ab, wenn man sich den Umweg über Holzschnitzen spart und sich seinen Abgott gleich aus der Psyche schnitzt.

Streichen — Aufforderung an die Zensoren: Zutreffendes bitte streichen.

Jesus aus Nazaret über TTIP

Es ist aber nichts verborgen, das nicht offenbar werde, noch heimlich, das man nicht wissen werde. Darum, was ihr in der Finsternis saget, das wird man im Licht hören; was ihr redet ins Ohr in den Kammern, das wird man auf den Dächern predigen

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Lk. 12, 2-3 | Unbiblischer Kontext

Mit Gruß an jene politischen Parteien, die sich selbst als die „christlichen“ bezeichnen…

Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…

Ich habe ja nichts gegen die Demokratie, aber diese AfD muss weg.

Gefährdet

„So so“, sagte der Vorübergehende zu seinem mediengläubigen Zeitgenossen, „der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika soll also der gefährdetste Mann der Welt sein, haben dir deine Journalisten erzählt, und du glaubst es, ohne einen Gedanken daran arbeiten zu lassen. Ich bin mir sicher, dass jeder der Soldaten, die auf seinen Befehl die mörderische Drecksarbeit in irgendeinem weit entfernten Land für ihn machen, wesentlich gefährdeter ist“.