Archive for August, 2015


Big Data

Amsterdam gilt seit jeher als Musterbeispiel gelungener Stadtplanung. Bereits 1851 begann die Stadt, systematisch Daten der Bevölkerung zu erheben, um optimal ihre Ressourcen zu verteilen. Fürs „Bevolkingsregister“ gaben die Einwohner bereitwillig Beziehungsstatus, Beruf und Religionszugehörigkeit an. 1936 stieg man sogar auf die Datenerfassung mit einem hochmodernen Lochkartensystem um. 1939 aktualisierte eine Volkszählung das Stadtregister nochmals.

Im Mai 1940 rissen die einmarschierten deutschen Besatzer das Register an sich und ermittelten anhand dieses Datenschatzes in wenigen Tagen fast alle jüdischen Einwohner. Ein Großteil der rund 100 000 Amsterdamer Juden wurde ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von einem Tag auf den anderen entschied ein Marker im Big-Data-Pool über Leben und Tod. Zuvor hatte 90 Jahre lang niemand etwas zu verbergen gehabt – schließlich diente die Erfassung ja dem Wohl aller.

Holger Bleich in der c’t 17/2015 — Editorial: Nichts zu verbergen?

Angewohnheit

Es gibt so viele Menschen, bei denen es mir nur noch wie eine schlechte Angewohnheit vorkommt, dass sie leben…

Licht

In lichten Momenten bekomme ich finstere Ahnungen.

„Soundcloud“

„Soundcloud“ ist das neue „YouTube“ für die Musikindustrie, fertig zum Stürmen und um Jurabetrollen, egal, was dabei alles verschwindet. Unterdessen ist es in der Bundesrepublik Deutschland immer noch das neue Westfernsehen, „YouTube“ über einen Proxyserver zu nutzen, um dort keine Musikindustrie-Zensurtafeln zu sehen.

Rastplatz (12)

Foto einer völlig verrotteten Sitzgruppe an der Wasserkunst in Hannover

Als der Vorübergehende sah, wie sein Zeitgenosse das Ladekabel in sein Wischofon¹ steckte, sagte er nur: „Wenn das der Erich Mielke noch erlebt hätte, dass die Menschen ihre Wanzen selbst aufladen und den Strom dafür selbst zahlen“…

¹Wischofon ist mein Wort für das Reklamewort „Smartphone“.

Liebe und Sex im Smartphone-Zeitalter

Man macht erstmal den Warenkorb voll und „liked“ alle Menschen und guckt dann, was bei rauskommt. Am Anfang fand ich das spannend, aber ich habe mich schnell gelangweilt, als ich täglich in den digitalen Menschenmassen fischte. Die Menschen dort werden völlig austauschbar, ja, das ist wie beim Onlineshopping

Nina Wagner

Das moralische Problem

Das größte Problem mit der bürgerlichen (gern auch als biblisch begründete) Moral ists, dass sie ausschließlich aus Verbotsschildern besteht, so dass die größte Tugend der davon Gehirnkastrierten eben ist, was sie nicht tun.

Zwanzig Jahre später

Der Vorübergehende sagte: „Inzwischen bin ich zu kraftlos, um noch etwas aufzubauen, zu wissend, um noch jemanden zu trösten und zu einsam, um noch etwas anderes als zynisch sein zu können“.

Kostenlosen Käse gibt es nur in der Mausefalle.

Denkspiegel

Als die Zeitgenossin zum Vorübergehenden von ganz normaler Angst erfüllt „Was sollen denn die Leute denken?“ sagte, antwortete der Vorübergehende mit einer einzigen Frage: „Und was ändert der Gedanke eines anderen Menschen daran, was du bist, träumst, denkst und möchtest?“, und er setzte fort: „Was dir Angst macht, ist niemals das für dich völlig bedeutungslose Denken anderer Menschen, sondern die Möglichkeit ihrer Gewalt, mit der sie dich behandeln könnten, wenn sie deine Lebendigkeit bemerkten. Deshalb verkriechst du dich lieber. Wer abweicht, wird bestraft. So ist das nun einmal in einer faschistoiden Gesellschaft“.

Babylonischer Vorhöllenhokuspokus

Die täglichen Börsenberichte in Presse und Glotze in ihrer Sammlung tagesaktuell erstellter, nichts-sagender und völlig faktenfreier Phrasen über Gefühl, Stimmung und Möglichkeiten sind nichts weiter als der babylonische Vollhöllenhokuspokus der Astrologie für Menschen, deren „Sterne“ längst die Scheine geworden sind.