Archive for März, 2015


Rastplatz (8)

Eine Rastgelegenheit am Ihmezentrum von unbeschreiblicher Tristesse, die durch eine dort abgestellte Grünpflanze nur noch ultimativer, lebensverneinender, kälter geworden ist.

Selbstmit-Leid-Medien

Hieran zeigt sich die vollständige Auflösung des einstigen Selbstverständnisses von Medien und dem daraus abgeleiteten Recht auf Meinungsfreiheit. Ursprünglich ging es bei dessen Verteidigung darum, sich selbst – und damit auch den Bürgern – die eigene Meinung durch herrschende Kräfte, also durch die weltliche oder religiöse Macht im Staat, nicht verbieten zu lassen. Heute hingegen verstehen sich Medien als Bestandteil des Herrschaftsapparates und meinen nun, sich gegen den etwaigen Leserzorn abschotten zu müssen. Die größte Gefahr für die Debattenkultur im Lande geht dieser Sichtweise folgend nicht mehr von „den Mächtigen“ aus, sondern von sogenannten „Trollen“ […] Wer sich nach oben anpasst und Beleidigungen von unten nicht aushält, ist schlicht nicht robust genug, um Meinungsfreiheit gegen ihre wirklichen Feinde nicht [sic!] verteidigen. Wer Leser und Leserbriefschreiber für die wirklichen Feinde der Pressefreiheit hält und entsprechend attackiert, sollte besser seinen Presseausweis abgeben und den Staatsdienst antreten

Zeitgeisterjagd — Von Charlie Hebdo bis Giovanni di Lorenzo: Vom Aufstieg der Selbstmit-Leid-Medien

Leckgeschlagen

Jedes Mal, wenn ein Journalist zurzeit irgendwo das Wort „geleakt“ schreibt, hat der Leser es in Wirklichkeit mit PR, Reklame, Manipulation und offenem Bullshit zu tun.

Gleicher Grund

Dass du Glaubens- und Wunderheiler mit ihren „großartigen Gaben“ nicht in Krankenhäusern und Arztpraxen arbeiten siehst, hat genau den gleichen Grund, aus dem du Hellseher und Spiritisten mit ihrem „wunderbaren Wissen“ nicht jede Woche im Lotto gewinnen siehst.

Das Leben als behandlungsbedürftige Krankheit

Was zur kindlichen Persönlichkeit dazu gehört − unfertig, verspielt, stürmisch und sprunghaft zu sein − würde heute in einem erschreckenden hohen Ausmaß für behandlungsbedürftig erklärt […] Vor allem Jungen werden Opfer dieser Entwicklung, so Beate Frenkel und Astrid Randerath und sprechen von der „Pathologisierung eines Geschlechts“

Susanne Billig bei Deutschlandradio Kultur — Psychologie: Kinder dürfen nicht mehr Kinder sein

Arbeitsteilung

„Das ist Arbeitsteilung“, sagte der Vorübergehende, „Für die Empathie sind in Deutschland die Hunde zuständig, das wollen die Menschen nicht auch noch leisten“.

Spiel und Spaß

Eine Tischtennisplatte. Im beginnenden Zerfall, am Metall rostig. Die Oberfläche grünlich schimmernd vom Algenbewuchs. Gesehen am Ihmezentrum in Hannover-Linden

Schöne Landschaft

Mitten im Zerfall des Ihmezentrums ein Bauzaun, der mit einem schönen Landschaftsbild bemalt ist. Dekorativ dazu drappiert ein paar Mülltonnen.

Die Kreativität der Werber

Nachdem das Medium so weit vergällt und damit ungenießbar gemacht wurde, dass kaum noch jemand auf die Pest der Reklame reagiert, sollen jetzt in einem Akt der typischen Reklame-Kreativität die Inhalte zersetzt werden, um deretwillen das Medium überhaupt existiert — und damit das nicht so schmerzt, heißen die Inhalte im Zustand der Verwurstbarkeit neudeutsch „Content“. Werbung ist ein Krebsgeschwür an allem, woran sie sich zum Zersetzen setzt; Werber sind nichts weniger als Menschenfeinde.

Und die Journalisten, die völlig vom Krebs der Reklame durchfressen sind, stehen nur noch im Dienst der Menschenfeindlichkeit der Werber.

Ausbaufähig

Graffito am Ihmezentrum: Ausbaufähig

Ich wünsche dem Investor, der jetzt am Ihmezentrum zu Hannover-Linden¹ sein Geld zu verbrennen trachtet, in diesem seinen Ansinnen viel Erfolg.

¹Für Nicht-Hannoverbewohner: Es sieht dort inzwischen sehr viel schlimmer aus als auf den meisten Fotos in der verlinkten Fotostrecke.

Nur noch eine Frage

Der Journalismus wäre viel erträglicher, wenn er in sich um die Fragen des „Wer“, „Wann“, „Wo“, „Wie“ und „Warum“ (letzteres liefert genug Raum für Spekulation und Meinung) der Ereignisse bemühen würde, aber er scheint in seinem Verlangen nach emotionaler Manipulation und Geistverneinung nur noch eine Frage zu kennen: „Wie fühlen sie sich?“