Archive for Januar, 2015


Êtes-vous Charlie?

Die für die Kameras in Paris kurz posierenden Spitzenpolitiker mit hineinmontierten Transparent 'Je suis hypocrite', zu Deutsch: 'Ich bin Heuchler'.

[Bild via]

Gotteslästerung

„Ich sähe es ja noch ein, dass Gotteslästerung strafbar wäre“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „wenn nur dieser Herr Gott als der unmittelbar davon Geschädigte seine Anzeige selbst erstatten würde“.

Es ist möglich, die Sprache so lange zu verdrehen und die Formulierungen zu dermaßen lachhaft-graziösen Pirouetten zurechtzubiegen, dass die Wüste am Ende dieses seine Lügenhaftigkeit kaum verbergenden Prozesses zu einem Waldgebiet minderer Baumdichte wird. Die Herrschenden und Besitzenden und ihre Schergen sinds, die diese krampfdadaistische Kunst zur Perfektion bringen, die Journalisten sinds, die Gefallen daran finden und die restlichen Menschen sinds, denen man Bildungsferne, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Verbohrtheit, Derbheit oder Dummheit vorwirft, wenn sie trotz aller aufgewendeter Mühe in Schule, Presse und Glotze nicht damit aufhören, die Dinge beim Namen zu nennen.

Und das Schlimmste daran: Die gezielt aus ihrer Parallelwelt heraus so Vorgehenden finden sich gar noch bestätigt, wenn man ihnen mit ihrem dummen, entsinnlichten Geplapper entgegenhält, sie könnten einen mal am Arsche lecken.

Werte Journalisten in der BRD…

Werte Journalisten in der BRD, die Erhebung dieser „Imagewerte“ für verschiedene Berufe geschah, bevor Menschen auf die Straße gingen und angesichts eurer durch bloßes Hinschauen sichtbar werdenden, systematischen Propaganda und Lüge auf irgendwelchen Wahnmachen „Lügenpresse“ skandierten:

Grafische Darstellung der Imagewerte für verschiedene Berufsgruppen auf Grundlage einer Erhebung aus dem Herbst 2013

Um euch, werte Journalisten, die Orientierung zu erleichtern — ich bemerke ja häufiger beim „Genuss“ eurer Produkte, dass ein Hang zum gründlichen Hinschauen unter euch nicht so verbreitet ist — habe ich die für euch interessante Zeile mal hervorgehoben. Die kursive, schwarze Zahl ist übrigens der internationale Vergleichswert. Hier in der BRD arbeitsverweigert ihr jedenfalls weiter hart daran, werte Journalisten, auch noch das Ansehen von professionellen Lügnern (Werber), legalisierten Finanzbetrügern (Klinkenputzer) und niederträchtigen Korruptionsmagneten (Politiker) zu unterschreiten. Und in diesem Ansinnen seid ihr auf einem wirklich guten Weg. Eurer Geschäftsmodell, Akzeptanz für menschen- und intelligenzverachtende politische und wirtschaftliche Ideen durch mediale Penetranz herzustellen und diese ekle Niedertracht mit ein paar bunten Tittitainment-Meldungen „genießbar“ zu machen, kommt an ein Ende. Und das. Wird allerhöchste Zeit. Es hat nämlich in den letzten anderthalb Jahrhunderten mehr als genug Schaden angerichtet.

Satire kaum noch nötig…

Wenn sich ein Meer von Gesichtern humorloser, intelligenz- und menschenverachtender Technokraten in gut gespielter Betroffenheit übt und auf diese Weise medienöffentlich für die Satirefreiheit einsteht.

Wider die Vergiftung

In Russland steigen seit Monaten die Lebensmittelpreise. Wodka aber wird bald billiger, vom Staat verordnet. Präsident Putin will verhindern, dass sich die Menschen an illegalem Alkohol vergiften, wenn sie sich Wodka nicht mehr leisten können

So viel politische Einsicht wünsche ich mir (und allen anderen Menschen) mal in Bezug auf alle halbwegs populären Rauschmittel. Und zwar überall.

Tweet von Reuters Deutschland: Händler bunkern Öl auf See und warten auf höhere Preise

Ohne Worte.

„Je suis un menteur“

Wer dieses „Je sui CHARLIE“ wie ein Banner der Meinungsfreiheit in seine Zeitung, Fernsehsendung oder Website stempelt, muss auch für die Abschaffung des §166 StGB (und jedes anderen zu Gesetz gemachten Verbotes der bloßen Meinungsäußerung) eintreten, und zwar ganz genau so auffällig und lautstark — außer natürlich, er will sich selbst lächerlich machen und stört sich nicht weiter daran, wenn er sich einfach nur als ekliger Opportunist entlarvt, der eine Gelegenheit darin sieht, als Marktschreier auf einem Leichenberg Zeitungen, Zeitschriften, Sendeminuten — und vor allem: teure, attraktive Werbeplätze — zu verkaufen!

Kurz verlinkt

Tim Wolff: Es lebe der Witz

Es geht vorwärts

Jeder einzelne hoffend, dass er nicht bemerkt werde, marschieren sie leise, auf Zehenspitzen, im Gleichschritt. Dem Abgrund entgegen.

Der Systemveränderer

Längst vom Raubtier in einem Stück heruntergeschlungen, im Magen des Raubtieres nur vom Raubtier und seinem Fresschen umgeben, sagt sich der bourgeoise (und latent sozialdemokratische) Systemveränderer: „Dann werde ich das System eben von innen heraus verändern“.

Diskussion

Während der Qualitätsjournalist wie ein aufziehbarer Papagei unter völliger Umgehung der eigenen Reflexionsfähigkeiten nachplappert, was ihm der Politiker ins Ohr geflüstert hat und deshalb schreibt „Die Rente mit 70 wird diskutiert„, unterhalten sich die Menschen, für die er ja vorgeblich schreibt, vor allem darüber, wie sie nur diesen Monat schon wieder über die Runden kommen sollen.