Wie häufig ich doch zurzeit sowohl in der bürgerlichen Journaille als auch in den sonst so reflexhaft geifernden Blutblättern des Boulevards das Wort „Steuersünder“ lese! Wenn die Besitzenden betrügen, empfindet ihr Freund, der Presseverleger, es als unfein und allzu deutlich, den Betrug als „Betrug“ zu bezeichnen und lässt seine Lohnschreiber lieber ein unpassend Wörtchen aus der kraftlos gewordenen Religion verwenden; ein Wort, das in der postreligiösen Zeit ansonsten nur noch zur Brandmarkung von leckeren Tortenstückchen und schaufelweise genaschten Schokocremes Verwendung findet. Solche Genüsse passen ja auch besser zur niemals beendeten Rast in jener „Oase“, in der dieser Betrug stattfindet. Dass die egoistische Bereicherung Weniger das Leben Vieler zur Wüste macht, schwingt in der Metapher der „Oase“ wie eine freudsche Fehlleistung der Propaganda mit.

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