Archive for Januar, 2013


Zehn Prozent

Beim Vergleich der Umfrageergebnisse vor der Wahl mit dem Wahlergebnis drängt sich der heitere Verdacht auf, dass sich mindestens die Hälfte der FDP-Wähler mittlerweile dermaßen für ihre politische Präferenz schämt, dass sie diese nicht einmal mehr in einer anonymen Umfrage zugeben möchte.

Satirefähigkeit verloren

Früher konnte ich noch Satire machen, indem ich lächerliche Absurditäten in einer Weise ausdrückte, die vordergründig sachlich klingt. Diese Kommunikationform ist längst von der classe politique übernommen worden, und zwar so ernstgemeint, dass einem das Lachen dabei vergeht.

Der Vorübergehende sagte zu seiner Zeitgenossin: „Du erhitzt dich darüber, dass die männlichen Mitglieder der Piratenpartei einen oft so aufdringlichen und an die Grenze der Frauenverachtung streifenden Sexismus an den Tag legen, und du hältst das für ein Problem der Piratenpartei? Du täuschst dich so sehr. Bestell dir einfach drei bis vier Kataloge von Versendern, die diese gadgets versenden, die so hoch geschätzt werden, diese ganzen kleinen technischen Geräte! Blättere diese Kataloge durch und betrachte vor allem die überreichreichlich reingewürzten Zierfrauen in der Produktpräsentation genau! Schau sie dir an, diese mit Photoshop optimierten Frauen mit den gutgebildeten Brüsten und blondgeätzten Haaren, die das gadget so in der Hand halten, dass sie es unmöglich bedienen können und die dabei Gesten und Gesichtsausdrücke an den Tag legen, die du auch in erotisch gemeinten Druckwerken für Männer sehen kannst, um dort die Anbahnung eines Geschlechtsverkehrs zu symbolisieren! Wenn du das siehst, weißst du, welchen Platz du in dieser Kunstwelt der Reklame machen sollst: Den Platz der Hündin des Mannes. Das alles nur, um Dinge an verklemmte und sexuell unbefriedigte Männer zu verkaufen, indem sie mit sexuellem Mana aufgeladen werden. Wenn du das erstmal siehst, wird dir schnell klar, dass das Spiegelbild dieser Art der Werbung in einigen dummen Auftritten von Mitgliedern der Piratenpartei dein kleinstes Problem als Frau ist und dass der Kampf gegen ein Spiegelbild zwar viele Scherben und Wunden hinterlässt, aber nicht den Gegner besiegt. Da hilft es auch nicht, wenn eine bestimmte Sprache eingefordert wird, um das Spiegelbild etwas dumpfer und undeutlicher zu machen; da hilft nur Bewusstsein und die schrittweise, aber immer zielstrebige Vernichtung der nekrophilen Kälte, die einem aus jeder Reklame und jeder anderen ausschließlich an die Psyche gerichteten Kommunikation entgegenströmt“.

YouTube-Direklink — Elias Schwerdtfeger: Sex Blood Dung

Strahl straff die Haut!

Schmerzhafte Hautstraffung mut VITA-LASER

Alternativmedizin

Seltsam, dass es so viele Menschen gibt — einige von ihnen sogar in einflussreichen politischen Ämtern — die eine der Biologie, Physik und jedem Verstand widersprechende „Alternativmedizin“ ohne nachweisbare medizinische Wirksamkeit zum Standard für alle Menschen machen wollen, aber dass es keine Menschen gibt, die in gleicher Weise eine der Physik, Mathematik und jedem Verstand widersprechende „Alternativelektrotechnik“ ohne nachweisbare Funktionalität fördern wollen.

Luxus

Beim Wandeln zwischen den leuchtenden Kaufhäusern sagte der Vorübergehende zu seinem beinahe ebenso armen Zeitgenossen: „Aber immerhin, wir sind von Luxus umgeben“.

Ein Buch

Wissenschaftler und neugierige Menschen lesen im Verlaufe ihres Lebens unzählige Bücher, und mit jedem Buch wächst ihr Bewusstsein, dass sie noch eine Menge mehr zu lernen haben. Religiöse Menschen lesen ein einziges Buch, und dieses nicht einmal besonders gründlich, sondern in der Haltung eines Kalenderweisheiten-Rosinenpickers, und nach dieser „Lektüre“ glauben sie, alles Wichtige zu wissen.

The Pirate Bay

Der Torrent-Tracker The Pirate Bay ist — ob es den Verwertern von Immaterialgüterrechten gefällt oder nicht — zurzeit die wohl beste Näherung an die antike Bibliothek zu Alexandria, die das Internet hervorgebracht hat; ein Tor zum gesamten Unsinn, zur Kunst, zur Stümperei, zum Wissen und zur Technik der gegenwärtigen Zeit¹. Dass die Bibliothek zu Alexandria in der Zeit des Ediktes von Theodosius I (im Jahr 391 u.Z.), alle nichtchristlichen Kultorte der Stadt zu zerstören, ebenfalls mit allem darin gesammelten Wissen verschwand, ist wohl eine der größten intellektuellen und kulturellen Katastrophen der Menschheit. Die Menschen, die als Vertreter einer Kopierindustrie — die gesamte Contentindustrie tat ja niemals etwas anderes, als ein gutes Geschäft aus einem Oligopol zur Anfertigung von Kopieren zu machen — das gesamte Internet in eine abgeschottete Trutzburg unter dem wehenden Banner des „Geistigen Eigentums“ verwandeln wollen, um ihre neureligiösen Interessen am totalitären Geldkulte durchzusetzen, sind keinen Deut besser als die staatsreligiös-christlichen Barbaren, die durch gezielte Zerstörung der antiken Kultur ihre Religion durchgesetzt haben und mit diesem Vorgehen das kommende Mittelalter eingeläutet haben, diese geistige Nacht Europas voller schriller Träume. Und. Sie werden keineswegs die Menschheit in eine hellere und erfreulichere Zeit als das Mittelalter führen, wenn man sie gewähren lässt. Leider fehlte damals der Mehrheit der Menschen ebenso das Bewusstsein für diesen Prozess, wie es auch heute der Mehrheit der Menschen fehlt, die sich in ihrem denkreduzierenden Bespaßungsstreben nahezu diesseitserlöst vorkommen, wenn sie über ihre unterhaltsamen Telefone und Inhaltsabspieltabletts streicheln und dabei genau so heute diesen auf die kalte Psyche zielenden Verheißungen von Streaminganbietern glauben, dass die URL das neue ubiquitäre MP3 sei, wie die Menschen damals jenen auf die kalte Psyche zielenden Verheißungen des Christentums glaubten, dass sie sich durch eine Taufe auf den Gekreuzigten und eine Handvoll auch von ungebildeten Frauen und Sklaven leicht erlernbare Formeln wirksam gegen den Tod impfen. Das Gadget ist das neue Kruzifix, sein ist die Macht der Wenigen und die Herrlichkeit der Benutzerfreundlichkeit in der gefühlten Ewigkeit der leeren leeren Langeweile; der Lichtschein seines Displays ist das Spiegelbild brennender Bibliotheken, eine Fackel am Abend der beginnenden intellektuellen Nacht, in deren Lodern die Ignoranz sich selbst veitstanzend darob feiert, dass sie den Schritt zurück wieder einmal so leichtfüßig vollbracht hat; dass sie — zumindest vorerst (und das bitte so lang wie möglich) — nichts Neues mehr erlernen muss.

¹Die Wikipedia, der Menschen unter der herrschenden Ideologie viel eher so einen Ort zusprechen würden, ist das nicht; sie ist das Spiegelbild des Lexikons, das gesichertes Wissen widergibt und darunter das versteht, was durch die Belege in den Medien der Herrschenden „Relevanz“ erhält. Sie könnte es sein, doch es ist von ihren Betreibern explizit nicht gewollt.

Krieg

Wenn der Krieg von Frankreich um die Vorherrschaft in einer ehemaligen Kolonie und gegen Religioten mit nichtchristlicher Religion geführt wird, ist dieser von Staats wegen betriebene Terrorismus für die Presse und die Stimmen im flackernden Volksempfänger kein Krieg mehr, sondern nur ein „militärisches Engagement“, das sich „gegen den islamischen Terrorismus“ richtet. Wie engagiert doch in diesem Neusprech die staatliche Gewaltdrohung und -anwendung klingt! Man könnte beim Klang dieses Wortes beinahe an eine Bürgerinitiative für einen Kinderspielplatz denken…

Frauenquote

„Natürlich bin ich genau wie Ursula von der Leyen für eine mit aller Härte gesetzlich durchgesetzte Frauenquote in Führungspositionen“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „und zwar vor allem in der röm.-kath. Kirche“.

Surreal

Die Werbung, die sonstigen Mitteilungen von Wirtschaftsunternehmen, die Politik… alles ist eine Scheinrealität — also genauer: eine Wahnhaftigkeit — geworden, die den Massen durch ständig wiederholte, surreale Sprechakte vermittelt und ins Bewusstsein gehämmert werden soll. Die Formen gleichen sich dabei aneinander an, indem sie übertünchen sollen, dass sich in dieser Verpackung kein Inhalt befindet. Kaum noch jemand würde es ohne Hinweis bemerken, wenn unter einem dieser gephotoshoppten Personenwahlkampfplakate der Claim „Ein ganzer Kerl dank Chappi“ stünde.

Neue Euro-Banknoten

Auch auf die kommenden neuen Euro-Banknoten werden Bauwerke, die es in Wirklichkeit nirgends gibt, als Symbol der Europäischen Union gedruckt. Wie passend dieses Spiegelbild doch ist!