Archive for Dezember, 2012


Abholen

Der Zeitgenosse sagte: „Wir müssen die Menschen da abholen, wo sie stehen“, und der Vorübergehende fragte nur: „Bist du Busfahrer“?

Tochter Zion, freue dich!

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Sternfassade

Kaufhausfassade mit weihnachtlicher Dekoration, dahinter der Markenfetisch

Das weihnachtliche Licht, dass in die Nacht hineinleuchtet, kommt von Osram, und es weist zum Heil 2.0, zu all dem käuflichen Markentand.

Die Parteienpolitik

Ein Wesensmerkmal der Parteienpolitik ist die Täuschung, andere Merkmale sind die hierarchischen Strukturen in Parteien und Fraktionen […] Die meisten Politiker sind mit dem politischen Apparat und dessen Vergünstigungen fest verwoben und entfernen sich dabei von den Erwartungen ihrer Wählerinnen und Wähler. Zu großer Form laufen Politiker meistens dann auf, wenn es darum geht, schlechte Politik durch wolkige Nullsätze schönzureden […] Politiker sollen die Interessen des Volkes vertreten. Wenn Parteitaktik und Machtstreben diesen Auftrag zur Makulatur werden lassen, wird Widerständigkeit zur Pflicht

Wolfgang Nešković, Abgeordeneter des Deutschen Bundestages, Richter am Bundesgerichtshof a.D.

Ehrenvoller Mitmensch Blutschlürf

Les habitants du soleil jettent sur nous un regard impassible:
Nous appartenons définitivement à la Terre
Et nous y pourrirons, mon amour impossible,
Jamais nos corps meurtris ne deviendront lumière

Michel Houellebecq

Wenn in der so genannten zivilisierten Welt ein so genannter „Amokläufer“ schwer bewaffnet in eine Schule geht und dort mit gezielten, gut geübten Schüssen Kinder — hach, so unschuldige Kinder! — und Lehrer abmetzelt, ist es eine sichere Wette, dass der gesamte mediale und politische Apparat die psychischen Knöpfchen drückt, die diese irrationale Mischung aus leicht instrumentalisierbarer Empörung und Angst hervorbringen. Dafür drückt sich dann sogar ein US-Politschauspieler eine Krokodilsträne aus seinem herzförmigen Gefrierschrank und bietet mit schwankender Stimme genau so „echte“ Emotion dar wie ein gut geübter Schnulzensänger der Contentindustrie. Unterdessen werden die Kriegswaffenhändler und die Profiteure eines „Marktes“, der auf der einen Seite Lebensmittel vernichtet, um Preise hoch zu halten und auf der anderen Seite jeden Tag 50.000 Menschen in irgendeiner unbeachteten Ecke der Welt an permanenten Hunger verrecken lässt mit allen nur denkbaren Ehren überhäuft und als Idole für die Massen hingestellt. Wie ehrenvoll und aufrecht im Vergleich zu diesen blutschlürfenden Habgiermördern doch jeder wirkt, der aus rein intrinsischen Motiven sein Leben in einem Massaker ausgehen lässt!

Der Volksvertreter

Der da kommt und nicht bleibt; Der da steht und nicht schweigt; Der für dich lauthals spricht — Was er sagt, ist er nicht: Ein Volksvertreter.

Er denkt nur an sich selbst.

Der Respekt

Die Menschen und Institutionen, denen er gebührt, fordern ihn niemals ein. Und. Den Menschen und Institutionen, die ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit einfordern, gebührt er niemals.

Wo ist eigentlich der Nietzsche des 21. Jahrhunderts, wenn man ihn so dringend gebrauchen könnte? Ach, wer den des 19. Jahrhunderts nicht gehört hat, wird den des 21. Jahrhunderts um so besser unterhalten in den Talkshows und Fäuletons der Journaille überhören? Deshalb spreche kurz das Original:

„Glaube“ heißt Nicht-wissen-wollen, was wahr ist.

Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, Kapitel 52

Wohlige Zuckungen

Weihnachten ist der Orgasmus des Kapitalismus

Lupe

Der Putz beginnt zu bröckeln

Europa-Haus

Von oben her beginnt der Putz zu bröckeln, das hausgeworden Europa macht auch kein Flicken mehr schön. Was da im oberen Bereich seine Spuren auf antiken Farbschichten hinterlassen hat, war übrigens eine Leuchtreklame für das Restaurant-Café „Alt Dubrovnik“, die schon lang nicht mehr am hannöverschen Europahaus in die Nächte leuchtet.

„Wirtschaftsraum Internet“

Jedes Mal, wenn ein Wirtschaftsunternehmen oder ein klandestin von Wirtschaftsunternehmen gekaufter Politiker über das Internet spricht, stirbt irgendwo unbemerkt ein bisschen freie, menschliche Kommunikation.

Weniger ist mehr

Er sagte „Weniger ist mehr“, der freundliche Sozialpädagoge vom Planeten der rasierten Affen direkt neben der Waldorfschule, und er sagte damit auch, dass wenigstens er selbst mehr als genug hat, aber den Verzicht doch lieber von anderen einfordert.