Archive for November, 2012


Nostalgie

Ich benutze doch auch keine Brieftauben mehr. Warum sollte ich eine Zeitung lesen? Wenn ich Sehnsucht nach etwas Nostalgie habe, gehe ich lieber ins Museum.

Klarheit durch Ersetzung

Viele so genannte „grenzwissenschaftliche“ Texte werden beim Lesen klarer und verständlicher, wenn man das darin verwendete Wort „exotisch“ durch das Wort „esoterisch“ ersetzt und auf diese Weise die wissenschaftliche Mimikry aufhebt. Desgleichen ersetze man „Gesetz“ durch „Behauptung“, „feinstofflich“ durch „unsichtbar und nicht messbar“ und „Energie“ durch „Spukwirkung“.

Die billige Jeans

Herr Bundespräsident,

sie lesen hier gewiss nicht mit. Aber ich lese hin und wieder mit, was sie von sich geben und über den gewaltigen Verstärker einer sie unentwegt nachdruckenden Contentindustrie mit Nachdruck aufladen lassen. Zum Beispiel ihre Frage nach dem Einkaufsverhalten der von ihnen so lächerlich repräsentierten Menschen, die sie heute morgen stellten, und zwar vor Zuhörern, deren Bedürfnis nach billiger Kleidung nicht so ausgeprägt sein dürfte wie bei Menschen, die wirklich rechnen müssen:

[…] wie lange greifen Europäer noch zur Jeans für zehn Euro, obwohl sie wissen, dass die Allerärmsten in Asien oder Lateinamerika mit ihrer Gesundheit oder ihrer Menschenwürde den Preis dafür zahlen, dass wir so billig einkaufen können?

Gerne möchte ich ihnen, Herr Bundespräsident, bei allem *kicher* Respekt dazu verhelfen, selbst eine Antwort auf diese ihre Frage zu finden. Meine Hilfestellung für ihren Intellekt besteht in zwei Teilen, nämlich…

  1. …dem Hinweis, dass auch die Jeans für vierzig, neunzig, hundertdreißig oder hundertneunundneunzig Euro in aller Regel von den Allerärmsten in Asien und Lateinamerika unter Beschädigung ihrer Gesundheit und Menschenwürde hergestellt wird, weil es einfach billiger ist und damit den Profit erhöht; und
  2. …dem Hinweis, dass die Preisunterschiede für Kleidung in einem weiten Preisbereich nur noch im geringen Maße auf qualitativen Unterschieden beruhen, sondern vielmehr auf einen künstlich-psychologisch geschaffenen „Wertempfinden“, das an den mit allgegenwärtiger Reklame aufgerichteten, irrational-wahnhaften Fetisch der „Marke“ gekoppelt ist.

Wenn sich Menschen bei der Auswahl von Kleidung eines gewissen Preissegmentes — das übrigens nicht der freien Wahl unterliegt, sondern durch individuelle Beschränkung der verfügbaren Mittel und oft sogar Armut erzwungen wird — angesichts der im Unrecht ihrer Herstellung und in ihrer qualitativen Minderwertigkeit nahezu gleichwertiger „Alternativen“ für das preisgünstigste Produkt entscheiden, ohne sich darin von surrealen Sprechakten von fauler schleimig-pfäffischer Gewissenszauberei irrational manipulieren zu lassen, dann ist das ein Zeichen von… ja, ist es denn zu fassen… Intelligenz.

Immer wieder hilfsbereit, Herr Bundespräsident!

Ihr
Nachtwächter

Rastplatz (2)

Eine Sitzgruppe vor einer Sparkasse, mit drappiertem Kunstwerk davor

Was man in der Demokratur „Wahl“ nennt…

Zitat aus der 20-Uhr-Tagesschau vom 12. November 2012:

Claudia Roth hofft nun auf ein starkes Wahlergebnis beim Parteitag; im Gegensatz zur Urwahl gibt es dort bis jetzt keine Gegenkandidaten.

Wenn sich jetzt noch ein Gegenkandidat oder eine Gegenkandidatin mit ernsthaften Chancen aufstellen lässt, ist es für den journalistischen Betrieb ja auch keine Wahl mehr, sondern eine „Kampfabstimmung“.

Rastplatz (1)

Zwei Bänke vor einer Wand in der Ästhetik der frühen Sechziger Jahre, hässlich wie die Hölle

Der Schutz des „Geistigen Eigentums“

Der beste Schutz für das so genannte „Geistige Eigentum“ ist es immer noch, wenn man es in der krampfhaften Geste des unheilbaren Analsadisten für sich selbst behält und nur niemals niemals aus sich herauslässt. Die ganze Diskussion um den „Schutz“ diffundierender und ihren Weg suchender Ideen, Worte und Melodien wäre beendet, und fernab einiger Geisteskranker könnten Menschen wieder ganz gewöhnlich kommunizieren und sich gegenseitig ihre Lebensfreude mitteilen.

DoS

Journalismus, Propaganda und Werbung, diese drei Formen des bezahlten Schreibens, sie sind nichts weiter als eine mit Vorsatz ausgeführte DoS-Attacke auf den Verstand.

Geradeaus ins Licht!

Geradeaus ins Licht!

Der Journalismus

Journalisten und der Journalismus als solcher sind der Erzfeind von allem, was menschliche Würde, Ehre, Stolz und Anmut bedeuten. […] Der Journalismus wird weit überwiegend bevölkert von Barbaren, die ihren Lebensunterhalt mit Denunziantentum, Heuchelei, Doppelmoral, Gesinnungshurerei, infantilisierender Massenverblödung, Dreckschleuderei und dem Wühlen in anderer Leute Biographien verdienen, bis hin zum Wühlen in Kindheitsgeschichten.

Lion Edler: „Der Aufstieg zur ersten Gewalt. Warum ‚Bild‘ und ‚taz‘ Wulff und Trittin vorführen“, veröffentlicht in eigentümlich frei, Ausgabe April 2012, S. 12ff

Einigkeit

Am hitlerschen Nationalsozialismus in Deutschland konnte man erkennen, was in Deutschland geschehen kann, wenn „Einigkeit“ wichtiger als Recht und Freiheit wird.

Die Zahlentafeln

Als der Vorübergehende mit seinem Zeitgenossen vor einem Fernsehgerät beim Empfang einer Nachrichtensendung saß, sagte er am Ende dieser Darbietung: Wie verblüffend ähnlich in diesen Nachrichten die Ästhetik der Zahlentafel mit dem Wahlergebnis doch der Ästhetik der Zahlentafel mit den Lottozahlen ist!