Wie sehr das psychische Material der auf dem Rückzug befindlichen Religion weiterhin zur Festigung der allgemein viel anerkannteren Irrationalität des Staates wirksam ist, verrät sich nicht nur in der formellen Pseudofrömmigkeit aller staatlichen Rituale (bis hin zum in jeder Kaserne praktizierten, absurden, einer Anbetung nahekommenden Kult an farbigen Tüchern, die an Masten hochgezogen werden), sondern auch in der Sprache, die verwendet wird, um das Verhältnis zum Staate zu benennen: Wer seine Steuern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht abführt, wird nicht wie in jeder anderen Situation als ein Betrüger bezeichnet, sondern als ein „Steuersünder“.

Wie passend zu dieser von Politik und Journaille gepflegten gedankenpressenden Sprache, dass da immer wieder gern vom Staate Ablassangebote für „reuige Sünder“ geschaffen werden, wenn sie nur freiwillig „ihr Gewissen erleichtern“. Andere, in der Regel weniger vermögende Menschen können auf vergleichbare Gnade nicht hoffen — denn der neue Gott ist wie der alte Gott ein Gott der Reichen, er ist hart und lässt sich nur durch große Mengen Geldes erweichen.

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