Archive for Juli, 2010


Meine Klatsche

Eigentlich lernen wir nur aus Büchern, die wir nicht beurteilen können. Der Autor eines Buches, das wir beurteilen können, müßte von uns lernen.

Johann Wolfgang von Goethe

fliegen fliegen
klatscht die fliegenklatsche
fliegen an die wand —
dank der hand.

ohne hand
flögen fliegen
voller fleiße
flugs in scheiße
dann in mein gesicht —
ich mag das nicht.

die fliege flog,
die wand sie zog;
sie hat gedacht:
„genug gemacht, ich ruhe jetzt“ —
sie ward zerfetzt.

Ein wichtiger Nachtrag auf die Frage: „Schön, schön, und was möchte der Autor uns mit diesen erquicklichen Worten nun sagen?“

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Vom „alten Wissen“

Wir sollen glauben, weil unsere Urväter geglaubt haben. Aber diese unsere Ahnen waren weit unwissender als wir, sie haben an Dinge geglaubt, die wir heute unmöglich annehmen können. Die Möglichkeit regt sich, daß auch die religiösen Lehren von solcher Art sein könnten.

Sigmund Freud

Olymp der Heuchelei

Heute vor dreißig Jahren, am 19. Juli 1980, wurden in Moskau die „Olympischen“ Sommerspiele eröffnet. Diese Großveranstaltung für einen als Sport getarnten, unterhaltsam verlarvten Nationalismus und die Präsentation der Nebenwirkungen zerbrochener Jugend und jahrelangen Dopings wurde von etlichen Staaten der „westlichen Welt“ — der newsspeak tut ja gern so, als ob es mehr als eine Welt gäbe — boykottiert, weil die damalige Sowjetunion einen Krieg gegen Afghanistan führte. Die Veranstaltung wurde auf massiven politischen Druck hin von ungefähr den nationalen „olympischen“ Komitees derjenigen Staaten boykottiert, deren Streitkräfte heute in Afghanistan Krieg führen — diesmal freilich aus völlig „ehrenhaften“ Gründen, zum Beispiel zur „Sicherung der Grenzen der BRD“ und um das zarte Pflänzchen der „Demokratie“ dort auszusäen.

Der menschliche Geist

Der menschliche Geist ist schwach. Mehr als drei Viertel der Menschen sind für die Sklaverei des absurdesten Fanatismus geboren. Die Furcht vor dem Teufel und vor der Hölle macht sie blind, und sie verwünschen den Weisen, der sie aufklären will. Der große Haufe unseres Geschlechts ist dumm und boshaft. Vergebens suche ich in ihm jenes Ebenbild Gottes, von dem es nach der Versicherung der Theologen den Abdruck in sich tragen soll.

Friedrich II. der Große (an Voltaire)

Fisch im Schlamm

Ein toter Fisch im Schlamm

Gut, dass man Duft nicht fotografieren kann…

Gans

Gans mit einem Küken

Kaum etwas kann die populäre Vorstellung, das Leben sei nur ein endloser Kampf eines jeden gegen jeden so sehr annagen, wie ein Sitzplatz im Schatten des Baumes inmitten von drei Handvoll Graugänsen, die in unerschütterlicher, träger Ruhe das Gras kurzfressen.

(Aber nach den Küken sollte man besser doch nicht zu greifen versuchen…)

Ziel

Er sagte „Der Weg ist das Ziel“, und beflügelt von diesem Selbstbetrug konnte er die Erschöpfung und Blasen an seinen Füßen viel leichter ignorieren, während er sich im Kreise durch die Wüste schleppte.

Weltanschauung

Weltanschauung (die) — Bezeichnung für eine Auffassung von den Zusammenhängen und der Beschaffenheit der Welt, die in den Gedanken derjenigen Menschen entsteht, die sich die Welt niemals anschauen.

Intelligenz

Offenbar ist die Intelligenz sehr gerecht unter den Menschen verteilt, denn jeder Mensch ist mit seiner eigenen Intelligenz zufrieden.

Ganz sauber

Ich habe, vor Jahren schon, mal ein Plakat in einer Bahn gesehen.
Darauf hieß es sinngemäß: „Unsere Gäste wünschen saubere Busse und Bahnen. Darum: Kein Essen, kein Trinken, keine Musik.“
Es ist dieser Sauberkeitsbegriff, den ich kritisiere. Eine Sauberkeit, die auf zauberhafte Weise auch Lärm umfasst. Eine moralische Sauberkeit. Geradezu Hygiene.

Kommentar von Thomas R. im Lawblog

Das Publikum

Das Publikum beklagt sich lieber unaufhörlich, übel bedient worden zu sein, als dass es sich bemühte, besser bedient zu werden.

Goethe, Maximen und Reflektionen, Nr. 773

Wider den Ballmangel

So ein Fußballspiel wäre für alle beteiligten „Spieler“ und Zuschauer viel entspannter, ja, spielerischer, wenn man jedem Spieler seinen eigenen Ball gäbe.