Eine gute Sache lässt sich über die christliche Religion, besonders über die christliche Religion in ihrer fruhen Zeit, sagen. Den Christen war anfangs, ganz im Gegensatz zur etablierten Kultur, der Begriff des Barbaren fremd — die angebotene Erlösung galt jedem Menschen auf der ganzen Welt; aber um an dieser Erlösung teilzuhaben, musste den Menschen eben die christliche Botschaft in verständlicher Weise verkündet werden. Es verbot sich, die Sprachen anderer Menschen als Kauderwelsch abzuwerten und zu verachten; es war geboten, in diesen Sprachen die christliche Botschaft weitergeben zu können. Schon in den ersten Tagen der christlichen Religion wurde Sprachbegabung sehr geschätzt und als wunderhafte Gabe Gottes aufgefasst. Es waren Christen, die die Sprachen der so genannten „Barbaren“ lernten, ihre Grammatik analysierten und eines der damaligen Alphabete benutzten, um diese Sprachen damit festzuhalten, die also aus einer rein verbalen Sprachkultur eine Schriftkultur machten. Damit gaben sie vielen Menschen das wichtigste Medium zur Überlieferung von Wissen mit, sogar zur Überlieferung des Wissens, das so hilfreich ist, damit die christliche Religion in ihrer bequemen Infantilität erkannt werden und wie eine überwundene Entwicklungsphase abgestreift werden kann.