Archive for Mai, 2010


Das Licht in der Nacht

Ein achtzig Jahre alter Mann geht zur jährlichen Untersuchung zum Arzt. Am Ende der Untersuchung sagt ihm der Arzt: „Herzlichen Glückwunsch, für ihr Alter sind sie in einer hervorragenden körperlichen Verfassung.“

Daraufhin erwidert der Achtzigjährige: „Ja, ich weiß. Das liegt an meinem reinen Herzen, denn ich weiß, dass ich ein gutes, heiliges, sprituelles Leben führe.“

Der Arzt fragt: „Wie kommen sie darauf?“

Und der Achtzigjährige antwortet: „Wenn ich kein gutes, heiliges Leben führte, dann würde mir der allmächtige Gott nicht jede Nacht das Licht anmachen, wenn ich mitten in der Nacht aufstehe und auf die Toilette gehe.“

Das verunsicherte den Arzt, und er fragte noch einmal nach: „Sie meinen wirklich, dass Gott ihnen persönlich jede Nacht auf der Toilette das Licht einschaltet?!“

„Ja“, sagte der alte Mann, „das ist es, was ich jedes Mal erlebe, wenn ich nachts auf die Toilette gehe. Der allmächtige Gott macht mir das Licht an.“

Der Arzt sagte daraufhin nichts mehr. Aber einige Wochen später kam die Frau des Achtzigjährigen ebenfalls zur jährlichen Untersuchung in seine Praxis, und da meinte der Arzt, dass er das der Frau besser mitteilen sollte. „Ich möchte ihnen nur mitteilen“, sagte der Arzt zur Frau, „dass ihr Mann zwar körperlich völlig gesund ist, aber ich mache mir ernsthafte Sorgen um seine geistige Verfassung. Er hat mir allen Ernstes erzählt, dass ihm jede Nacht, wenn er auf die Toilette geht, Gott persönlich das Licht anschaltet.“

Und die Frau sagte: „Aha, er ist es also, der immer in den Kühlschrank pisst.“

Weg mit der Sprache

Heise: Globale Bildersprache iConji soll Sprachbarrieren überwinden

Das US-Startup-Unternehmen Over the Sun hat die erste Version seiner globalen Bildersprache iConji veröffentlicht. In iConji werden Sätze aus einzelnen Pictogrammen gebildet, die sich in jede beliebige Sprache übersetzen lassen. Sie sollen so eine Kommunikation zwischen Menschen ermöglichen, die nicht die gleiche Sprache sprechen. Verfügbar sind derzeit eine kostenlose Web- und Facebook-Applikation, mit denen man die bunten Nachrichten verschicken und empfangen kann. Apps für iPhone, iPod touch und iPad sollen in Kürze folgen, weitere Apps für Android-Smartphones sind geplant

Jetzt kann ich in Ruhe sterben. Ich habe die Zukunft der Kommunikation gesehen. :mrgreen:

Aber einmal eine kleine Spur ernster. Es ist ja keineswegs so, dass die moderne Technik in ihrem Hang zur Entsprachlichung (und damit auch zum Stummmachen der Anwender) keine Bildsprache entworfen hätte, und wegen der rasanten Entwicklung dieser Technik ist diese Bildsprache schon jetzt eine abstrakte. Mit einem gewissen Kopfschütteln sehe ich, dass immer noch zum Speichern eines Dokumentes auf das Bild einer Diskette geklickt werden soll, während etliche jüngere Menschen dieses alte Medium nur noch vom Hörensagen kennen. Dieses Piktogramm wird nur wegen einer Tradition weiter gepflegt, damit niemand mehr seine erworbenen Reflexe bei der Bedienung eines Rechners umlernen muss; und dabei wird in Kauf genommen, dass aus einem einst unmittelbaren und sinnlich bedeutsamen Symbol für die Speicherung von Daten zur Archivierung und späteren Verwendung ein unsinnliches und fremdes geworden ist, dessen Bedeutung in ähnlicher Weise erlernt werden muss, in welcher ein Schüler in China den Zeichenvorrat eines bronzezeitlichen Schriftsystemes zu erlernen hat, wenn er an den Segnungen seiner Schriftkultur Teil haben will. Dass so etwas immer noch als „benutzerfreundlich“ empfunden und bezeichnet wird, ist ein Hohn — und das Diskettenbildchen ist keineswegs das einzige kryptische Abstraktum in der Benutzerschnittstelle einer heute gebräuchlichen Software. Wer sich einmal eine vergnügliche halbe Stunde bereiten will, starte seine Textverarbeitung, lasse darin alle Werkzeugleisten darstellen und versuche zu jedem der darin dargestellten Piktogramme ohne Lesen der Tooltipps und ohne blindes Probieren zu erraten, was es wohl bewirken könnte. Eine Trefferquote über fünfzig Prozent ist dabei wirklich gut…

Nun soll diese abstrakte graphische Krücke für verschwundene Sprache also auch die Kommunikation zwischen Menschen prägen, das Sich-Mitteilen einfach zu einem point and click auf bunte, abstrakte Darstellungen werden. Ich sage jetzt schon voraus, dass ein derartiges System keineswegs nur für den Austausch zwischen Menschen verwendet wird, die untereinander unverständliche Sprachen sprechen, sondern sich — sollte es sich wirklich etablieren — auch in die gewöhnliche Kommunikation einschleichen wird und darin seine eigene Sprachkultur entwickeln wird. Die scheinbare Mühelosigkeit eines solchen Systemes ist trügerisch und wird zu einem gewissen Preis erkauft. Entweder taugt ein solche Bildersprache nur zum Austausch banalster Nachrichten, oder aber sie wird ein Maß an Komplexität erreichen müssen, das dem der chinesischen Schriftsprache gleich kommt und ebenso schwierig wie diese zu erlernen ist. Dabei sollte nicht vergessen sein, dass auch die chinesische Schriftsprache einmal als ein „einfaches“ piktografisches System begonnen hat, das anfangs sehr wohl anschaulich und unmittelbar war. Das daraus im Laufe von Jahrtausenden entstandene und heute noch gebräuchliche System ist vielleicht auch nur deshalb noch gebräuchlich, weil die verschiedenen, gegenseitig unverständlichen chinesischen „Dialekte“ gewiss als unterschiedliche Sprachen betrachtet würden, wenn ihre Sprecher nicht von einer gemeinsamen Polizei, Armee und sonstigen Instrumenten der Staatsgewalt geknechtet wären — ein phonologisches System machte unmittelbar klar, dass das große China ein Staat vieler und sehr verschiedener Sprachen ist. Die Probleme, die mit einem solchen Schriftsystem einher gehen, sind groß. Wir haben von den alten Römern ein System von drei Handvoll phonetischen Zeichen übernommen, die wir in einer willkürlichen, ebenfalls schon in Rom gebräuchlichen Reihenfolge anordnen können. Dieses einfache System ermöglicht uns eine Anordnung aller Wörter in einer festgelegten Reihenfolge, die eine Benutzung von Nachschlagewerken, Wörterbüchern und vergleichbaren Wortlisten erst möglich macht. Ich bin mir sicher, dass es auch für die Anordnung chinesischer Zeichen ein ordnendes System gibt, aber dieses System zu erlernen und zu beherrschen wird ungleich schwieriger sein und sehr langes Training erfordern. Und wie lange jemand dort braucht, bis er auf einer Tastatur tippen kann, mag ich mir gar nicht vorstellen.

Kurz gesagt: Eine künstliche Bildsprache als Vehikel der Kommunikation hat, wenn sie leistungsstark genug ist, nur Nachteile und ist keineswegs leicht erlernbar. Wenn sich ein derartiges System durchsetzen kann, ist es entweder ein Denkmal der Verflachung und Reduzierung der Kommunikation auf primitive Aussagen, oder aber es wird sehr unhandlich und schwierig in der Anwendung. Wie immer irgendwelche Marktschreier ein solches System — das es auch zeitgemäß als App für ein viel zu überschätztes Telefon aus dem Hause Apple gibt — anpreisen, es wird zu beinahe nichts taugen.

Wenn ein Mensch in einer ihm fremden Stadt die anderen Menschen fragte, wie er denn dort zum Bahnhof finde, denn würde ihm der Verhaltenstherapeut antworten: „Heben Sie ersteinmal den rechten Fuß. Nun bewegen Sie ihn ein wenig nach vorn. Und jetzt setzen sie ihn wieder auf. Das war schon sehr gut. Hier haben sie einen Keks.“ — warum sollte so ein Therapeut die drängenden Fragen, die auf der Straße an ihn herangetragen werden, auch anders beantworten als die drängenden Fragen, die in seiner Praxis an von den leidenden Menschen aufgeworfen werden.

Hölle ist, wo das Herz ist

Vertraue mir und sag mir
Warum die Wertlosen niemals sterben;
Und sag mir, Liebling,
Warum wir unsre Perlen vor die Schweine werfen;
Bitte komm zu mir und zeig mir
Warum die Toten sich zu bluten weigern;
Warum nichts für ewig bleibt
Und das Vergangene nicht zurückgeholt werden kann…

Ich bin das Alpha und ich bin das Omega,
Ich bin der Anfang und das Ende;
Ich bin die Antwort und ich bin das Rätsel,
Ich bin die Flamme, die niemals erlischt…

Keine Liebe rettet dich jemals,
Kein Kuss ist tief genug;
Kein Kreuz gibt dir Antworten
Oder befriedigt deine Bedürfnisse;
Kein Glaube gibt dir ein Behagen
Dass den Schmerz hinfortträgt;
Doch der Hass gibt dir Sinn
Und lässt dich wieder fühlen…

Ich bin das Alpha und ich bin das Omega,
Ich bin der Anfang und das Ende;
Ich bin die Antwort und ich bin das Rätsel,
Ich bin die Flamme, die niemals erlischt…

Leben wir nur zum Vergnügen
Oder aus noch unbekanntem Grund?
Lass uns unsere Geheimnisse wahrhaben
Wenn wir in meine Seele gelangen!
Lass an meine Träume erinnert werden
Wenn ich mich niederlege, nicht um zu schlafen!
Hölle ist, wo das Herz ist,
Es ist ein Ort für dich und mich…

Ich bin das Alpha und ich bin das Omega,
Ich bin der Anfang und das Ende;
Ich bin die Antwort und ich bin das Rätsel,
Ich bin die Flamme, die niemals erlischt…

Ordo Rosarius Equilibrio: Hell Is Where The Heart Is | YouTube-Direktlink
Übersetzung (und eventuelle, unwahrscheinliche Verhörer) von mir…

Romanze 2010

Sie: „So lange die sozialen Gene im Menschen so gestrickt sind, dass die Frau dienend und unterwürfig zu sein hat, so lange wird wohl eine starke Frau einsam bleiben.“

Er: „So lange die soziale Konditionierung einer Frau so ist, dass sie einen starken, bis zur Brutalität durchsetzungsfähigen Mann bevorzugt, wenn er nur Sicherheit und möglichst viel Geld zu bieten hat, so lange wird wohl ein Mann, der sich diesem sozialen Zwang verweigert, einsam bleiben.“

Sie gingen auseinander. In ihr Singleleben.

Gruß an M. und C.

Pokémon

Pokémon — ein japanisches Wort mit der ungefähren Bedeutung: „Den Kindern in Europa und Nordamerika die letzten Taschengeldgroschen dafür aus der Nase ziehen, dass man ihnen Berge von industriell gefertigten und lebenspraktisch nutzlosen Tinnef unter dem claim ‚Schnapp sie dir alle‘ und dem Vorwand einer bunten, interessanten Fantasiewelt verkauft“.

Das unbekannte Land

Der gesamte Kosmos, den ein Mensch kennt, und alle fröhlichen Spekulationen über den Teil des Kosmos, den ein Mensch nicht kennt, befinden sich in einem sehr kleinen Raum. Dieser Raum. Wiegt etwas über zweieinhalb Pfund, besteht zu gut achtzig Prozent aus Wasser und ist selbst nur ein verschwindend kleiner Teil dieses Kosmos. Er ist. Das Gehirn des Menschen.

Soziale Zwitscherglotze

[…] Twitter wächst schnell. Junge Menschen nutzen Twitter eher selten, weil sie meist die direkte Kommunikation mit Menschen bevorzugen, die sie kennen. Auf Twitter geht es aber um größere Gemeinschaftten von Menschen, die an den Themen interessiert sind, für die ich mich auch interessiere. „Soziales Fernsehen“ ist zum Beispiel eine sehr interessante Anwendung, wenn Menschen auf Twitter über einen Film diskutieren, die sie gerade schauen. Twitter ist auch eine soziale Ebene, die sich über die Nachrichten legt. […]

Stowe Boyd in FAZ.NET

Es erfüllt mich mit einem unwiderstehlichen Lachzwang, wenn ein „Vordenker“ in diesem Web-2.0-Geschwafel in einem interview ein Beispiel für die Großartigkeit und besondere soziale Komponente von Twitter sucht und ihm dabei vor allem eine „interessante Anwendung“ einfällt: Wenn die Menschen von der Ödnis der unentwegt mitlaufenden Glotze so wenig ausgefüllt und gar gelangweilt sind, dass sie nebenher darüber twittern, statt diese öde Idiotenlaterne einfach auszuschalten und sich erfreulicheren Dingen zuzuwenden. Und wenn so eine Haltung als „Soziales Fernsehen“ bezeichnet wird, kann nichts mehr das hervorkommende, glucksende und gackernde Lachen über einen derartigen bullshit stoppen.

Nachdruck

Zeitgenosse: Ich habe dir letzte Woche einen „Wachtturm“ gegeben. Hast du darin ein bisschen gelesen?

Nachtwächter: Ja, sogar sehr gründlich.

Zeitgenosse: Und was hat dir daran am besten gefallen.

Nachtwächter: Dieser kleine Hinweis im Impressum, den ich fast übersehen hätte, dieses „Nachdruck verboten“.

Die Arbeit

Im Vorübergehen das Gespräch zweier Stundentinnen gehört, die mutmaßlich ein geisteswissenschaftliches Fach studieren. Und. Die eine sagte zur anderen: „Die Arbeit war ja doch ganz gut, es hat sich also gelohnt, die 48 Stunden durchzuziehen.“ In diesem kleinen Fetzen Gespräch spiegelte sich der gesamte Wahnsinn des Studiums an einer dieser „höheren Berufsschulen“, die zum Spott „Universität“ gerufen werden.

Wohin

Es hilft sehr, beim so genannten „Fortschritt“ nicht nur die Geschwindigkeit zu betrachten, sondern auch die Richtung.

Hauptsache das Gesicht ist bekannt

Es ist schon ein bisschen sonderbar, dass — ich sah es gerade im Vorübergehen — Boris Becker jetzt Werbung für einen Online-Pokeranbieter macht. Eine gewisse Kompetenz im Tennis hätte ich diesem Menschen ja abgekauft, denn darin hat er diese auf höchstem Niveau unter Beweis gestellt. Aber Poker? Ist der jemals als ein Pokerspieler in Erscheinung getreten? Sind diese seltsamen Internet-Klitschen, die allerhand fragwürdige Glücksspiele anbieten, bei den gekauften Sympathieträgern für ihre Reklame so wahllos geworden, dass sie jedes Gesicht nehmen, um ihre Angebote zu bewerben, hauptsache nur, das Gesicht ist irgendwie bekannt und wird für nicht allzuviel Geld in die Kamera gehalten?

Und? Für wie dumm müssen Unternehmen, die auf solche Weise werben, ihre „Zielgruppe“ halten?