Zeitgenossin: Du solltest in der Zeitung wenigstens die Todesanzeigen lesen! Deine Mutter könnte gestorben sein, und du wüsstest es gar nicht.

Nachtwächter: Meine Erzeugerin ist schon längst gestorben. Sie starb, als ich unter schwierig abzuschüttelnden Selbstmitleid einsehen musste, dass ich als Gespenst geboren bin, dass mein Leben etwas spukhaftes hat, und auch ebenso unerwünscht wie ein Spuk ist. Sie war schon tot, als sie an mir trug und mich gebar, um mich mit diesem Herzfrost, zu dem nur Weiber die Kälte haben dazu zu benutzen, einen Mann an sich zu binden, mit den Handschellen einer Hochzeit zu binden. Sie dokumentierte ihren Tod vor mir und vor den Augen der Welt, als sie mich wegwarf, nachdem dieser Plan in der Scheidung scheiterte; als sie mich, so gut sie konnte, postnatal abtrieb. Was hätte der biologische Tod dieses gefräßigen Fleisches den Tatsachen hinzuzufügen, was machte es für einen Unterschied, wenn endlich auch ein Leib so kalt und verrottet wäre, wie es die Seele immerschon war? Diese Tränen sind schon geweint. Der Abschied liegt hinter mir. Und. Der Kosmos ist meine Mutter geworden, und jeder, der fühlt und denkt, ist mit mir verwandt. Ich brauche keine Todesanzeigen, ich lasse die Toten ihre Toten begraben.