Wenn man die träge Masse seines Körpers auf das Fahrrad schwingt und auf dem Weg in die Stadt nicht mehr friert; wenn auf dem Weg für eine gute halbe Minute eine Frau auf inline skates neben einem fährt, die ihr Händi* am Ohr hat und mit lauter Stimme, beinahe so, als müsse sie mit nur dieser Stimme die Entfernung überbrücken, ihrer Freundin von ihrer aktuellen Illusion in Liebessachen berichtet; wenn man am Fluss langfährt, wo im noch kalten Gras gackernde Backfische mit ihren beneidenswert großen Klapprechnern sitzen und YouTube glotzen; wenn die Vöglein einander ihre Wünsche nach Nachwuchs und Revier kreischend zuzwitschern; ja, wenn sich auch noch beim Grießgrämigsten eine allgemeine Heiterkeit und ein Hang zum Leichtsinn breit machen, ein Leichtsinn, der sich auch darin zeigt, dass die noch schwachen Sonnenstrahlen in einem t-shirt begrüßt werden — dann ist klar, dass der Frühling endlich angekommen ist; der Frühling, der sogar den Lärm und das überwältigende Grau der Stadt erträglicher macht.

Und wenn man in der Stadt das Pech hat, dass einem jemand etwas Gutes tun möchte und einem eine Zeitung zusteckt, und wenn man so blöd ist, diese von jeder Lebenswirklichkeit abgehobene Zeitung auch zu überfliegen, denn gibt es darin zum Frühling nur zwei Meldungen. Nämlich. Dass wir sofort wieder Angst haben sollen vor den ganz besonders vielen Zecken und dass wir uns besser impfen lassen sollten. Und. Dass es schwere Zeiten für Pollenallergiker werden — bezeichnenderweise auf der gleichen Seite wie das Evangelium der Werbung für das Mittelchen dagegen.

*Ich betrachte das recht künstliche Werbewort „handy“ als ein deutsches Wort und passe es deshalb ebenso an die deutsche Phonetik an wie dies im Falle von „Büro“ (bureau), „Keks“ (cakes) oder „Streik“ (strike) schon lange üblich ist. Wer sich daran stört, sollte eher froh darüber sein, dass ich nicht „Quasselfunke“ schreibe.