Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffte, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu!

Mt. 27, 24

Frau Kriegskanzlerin Merkel,

sie sind also allen Ernstes der Meinung, die gestern so christlich-demokratisch passend zum Karfreitag für fremde Interessen und im Auftrag der von ihren geführten Regierung in Afghanistan verreckten Menschen seien Opfer eines „verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriffes auf unsere Soldaten“.

Bitte gestatten sie mir und jedem anderen Denkenden die nahe liegende Frage, für wie verblödet sie die Menschen in Deutschland eigentlich halten, dass sie sich getrauen, einen derartigen bullshit zum Besten zu geben. Was stellen sie sich unter einem Krieg vor? Erwarten sie denn wirklich, dass ein technisch unterlegener Gegner im Kriege beim Bundesverteidungsministerium ihres Komplizen von Guttenberg einen Antrag auf Genehmigung von Kampfhandlungen gegen Soldaten der Bundeswehr einreicht und darauf wartet, dass diesem Antrage positiv beschieden wird, statt einfach auf die Möglichkeiten überraschender kleiner Angriffe zu setzen? Oder wie sehen ihre Vorstellungen von einem Krieg aus?

Sehen sie, es bedarf nicht einmal einer besonderen Einsichtsfähigkeit, um ihre Worte als das zu entlarven, was sie sind: Als eine zynische Propagandarede, in deren Sprache sich ihre und ihrer Schergen gesamte Menschenverachtung komprimiert. Deshalb auch das unverblümte Schwarz-Weiß in diesen Worten, diese Unterscheidung zwischen „den feigen Angreifern“ auf der einen Seite und „den guten BRD-Soldaten“ auf der anderen Seite, wie man es aus jeder Kriegspropaganda aus jeder Zeit kennt — so kann das viel zu folgsame Volk auch leichter verblendet werden und vergessen, was gemäß dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland die vorgesehene Aufgabe der Bundeswehr ist, deren Soldaten da in der Ferne verrecken. Für den Fall, dass sie das auch vergessen haben sollten, erinnere ich sie gern an die recht deutlichen Worte in Artikel 87a, Absätze 1 und 2 des Grundgesetzes:

(1) Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. Ihre zahlenmäßige Stärke und die Grundzüge ihrer Organisation müssen sich aus dem Haushaltsplan ergeben.

(2) Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zuläßt.

Aber das wissen sie gewiss selbst, wenn sie sich da wie die strahlende Führerin der hinterhältig angegriffenen Soldaten hinstellen und ihre Hände so plakativ in Unschuld waschen, als hätten sie sich sehr persönlich bei den Bibellesungen zum Karfreitag mit Pontius Pilatus identifiziert. Aus ihrer Stellungnahme wird klar, was sie für einen Charakter haben und zu welchem lichtscheuen Gesindel sie gehören — und ihre in die Medien und die Reportermikrofone gespielte Überraschung, die so tut, als ginge es im Kriege vor allem darum, sich gegenseitig mit weichen Kissen zu beschmeißen, ist brechreizerregend. Und ihre Verachtung der Menschen in Deutschland, denen sie auf diese Weise zu verstehen geben, dass sie sie für dumm halten, ist ein deutliches Zeichen, dass sie für ihr gegenwärtiges politisches Amt nicht geeignet sind, Frau Kriegskanzlerin.

Es ginge mir besser, wüsste ich, dass Schreibtischmörder wie sie und ihr „Regierung“ genanntes Pack sich vor einem Gericht erklären müssten und für ihre Taten so zur Rechenschaft gezogen würden, wie jeder andere Schuft — einschließlich der Strafverschärfung für die nicht einmal in Spuren vorhandene Reue und den offenen Zynismus in Begleitung ihrer Taten, die keine positive soziale Prognose zulassen.

Aber ich weiß eben genau, dass es dazu nicht kommen wird.

Deshalb drücke ich hier nur so deutlich, wie es bei aller gebührenden Höflichkeit noch möglich ist, meine Verachtung aus. Nicht für ihre Politik, sondern für ihre Person, die sich in ihrer Politik spiegelt. Gestern wie heute.

Der Nachtwächter