Archive for März, 2010


Tschlannd!

Wer sich über diese seltsame, prominent platzierte Grafik in der Sidebar dieses Blogs wundert: Das ist ein Link auf die wohl einzige Aktion zur kommenden FIFA-Fußball-WM, die mein Gefallen findet.

Es ist so, dass mein Verhältnis zum Fußball ein recht gleichgültiges ist, und dass ich mich lieber mit anderen, erfreulicheren Dingen beschäftige. Leider erzwingen es gewisse Barbaren, dass ich mich unter ihrer Gewaltlust doch mit diesem unwichtigen Ballgetrete befassen muss.

Während der auf uns alle zukommenden, von den meisten fühlenden und denkenden Menschen noch gut verdrängten Geldmeisterschaft wird es kein Entrinnen geben. Der Medienapparat wird seine ganze Definitionshoheit aufspielen, um aus diesem eher nebenläufigen Ereignis in der ihm eigenen Künstlichkeit eine Angelegenheit von nationaler Bedeutung zu machen. Die mit der Contentindustrie so verzwirnte Werbewirtschaft wird diesen Ball annehmen, und überall wird es diese „Fußballprodukte“ geben, die ungefähr so viel mit Fußball zu tun haben wie ein betonierter Parkplatz mit dem Leben; vom Bier bis hin zum Brotaufstrich bis hin zum geschmacklosen Tinnef wird alles beballert beworben werden. Und die Barbaren, die in dieser künstlich geschaffenen Medienwelt leben, werden diese Spiele zu gern annehmen und darüber auch allzuleicht übersehen, dass sie immer weniger Brot dabei haben. Um die Menschen in Deutschland besser über die Realität ihres trüben Daseins hinwegzutrösten, werden — wie schon zur FIFA-WM 2006 und zur EURO 2008 — noch an den unmöglichsten Orten so genannte public viewing areas errichtet werden, an denen sich tatsächlich Menschen versammeln, um eine Leinwand anzubrüllen. Und das Fernsehen — welch Glück, das wenigstens das nicht in mein Leben hineinragt! — es wird nicht nur irgendwelchen Balltretern direkt nach dem Spiel vor einer Tafel voller Reklame ein Mikrofon ins Gesicht halten, als ob diese Leute nicht nach dem Duschen ein bisschen zusammenhängender sprechen könnten, es wird sogar von diesen public viewing areas berichten und das Torgejohle von dort darbieten, als ob das auch nur die Spur eines Wertes hätte. Und die Menschen, die dieser Ätzung ihrer Sinne ausgesetzt sind, sie werden alle diesen Unsinn mit ihrem Mund wiedergeben, als ob sie kein eigenes Leben hätten.

Nein, auf den Wert und auf den Verstand wird es nicht ankommen. Dafür wird alles schwarz-rot-gold. Überall sieht man Winkelemente in allen möglichen Größen, und etliche schmieren sich diese Farben sogar in das Gesicht, so dass man irgendwann anfangen wird, die Blinden zu beneiden. Mit Patriotismus hat das nicht einmal etwas zu tun, es ist nur Reaktion auf eine mediale Inszenierung, die sich beliebig von Deutschland ablösen lässt, und deshalb verwundert auch nicht die fahnenschwenkende Begeisterung, während Deutschland an den Meistbietenden verhökert wird und es immer mehr Menschen in Deutschland immer mieser geht. Deutschland ist diesem Menschen einfach nur scheißegal, und genau diese Haltung wird von den Schreibtischtätern der Jorunaille und den betont süddeutsch sprechenden Hackfressen der Glotze als „Patriotismus“ bezeichnet werden, damit sich auch ja keiner darauf besinnt, worauf es wirklich ankommt. Deshalb klingt das Gebrüll aus der Ferne auch eher wie „Tschlannd“…

Gut, genug geätzt für heute. Wenn man nichts dagegen tun kann und nicht das Glück hat, taubblind zu sein, denn muss man so oder so mitmachen. Und sich über die Illusion in schwarz, rot und gold aufzuregen, ist die unerfreulichste Form des Mitmachens. Deshalb diese tolle Aktion, die sich darauf besinnt, welche Plätze denn noch gar nicht in diesen Farben dekoriert sind und dieses Versäumnis der Fans ausbügelt.

Ich wünsche mir, dass das breiten Zuspruch und viele mitmachende Menschen findet.

Sollten sich Trolle in den Kommentaren einfinden: Bitte gut füttern, denn das gibt ihnen Kraft, den unfassbaren Blödsinn solcher Veranstaltungen mit krankhaften Stolz aufzuführen und damit noch etwas fühlbarer zu machen…

Zusammensetzung des Erfolges

Die „erfolgreichen“ Menschen in der gegenwärtigen Gesellschaft bestehen (und sei es von ihrer privilegierten Herkunft her) aus etwas Sein, deutlich mehr Schein und einer riesen Portion Schwein.

Und die ganzen sympathischen Borstenviecher da draußen mögen mir das kleine Spiel mit der Alliteration verzeihen…

Relatives Menschsein

Misantrophe: Relatives Menschsein | YouTube-Direktlink
Eine Transkription des Textes erübrigt sich

Der religiöse Ratgeber

Ich habe mich in einem riesigen Wald verirrt und habe nur ein kleines Licht, um mich zurechtzufinden. Da kommt ein Unbekannter hinzu und sagt mir: „Lieber Freund, blas deine Kerze aus, um deinen Weg besser zu finden.“ Dieser Unbekannte ist ein Theologe.

Denis Diderot

Es ist schon seltsam, dass jene Zeitgenossen, die einem so gern erzählen, wie viele Vorzüge doch auf Papier gedruckte Informationen gegenüber dem so flüchtigen und vergänglichen Medium Internet haben, niemals ihr Regal präsentieren können, in welchem sie über Jahrzehnte hinweg ihre Tageszeitungen archiviert haben und aus welchem sie immer wieder einen „alten Schatz“ für die genüssliche Lektüre entnehmen. Die Vergänglichkeit der Inhalte im Internet ist kein Argument, wenn man damit ausgerechnet die Vorzüge der Presse hervorheben will, denn die Presse war schon immer ein Wegwerfprodukt. Wenn so ein — meist konservativer — Zeitgenosse aber kein besseres Argument findet, denn belegt er damit, dass der gegenwärtige, unter dem Milliardärsprivleg der „Pressefreihet“ zum Gelderwerb betriebene Journalismus überhaupt keine Vorzüge mehr hat.

Vom leeren Traum

Es ist doch erstaunlich, dass ausgerechnet die Weltraumfahrt zur Leinwand für die ganzen warmen Träume der Populärkultur geworden ist und in vielen populären Produktionen der science fiction von meist bescheidener Qualität zum extern getriggerten Träumen angeboten werden kann. In Wirklichkeit. Ist der Weltraum beinahe überall in seiner unvorstellbaren Größe nur leer und kalt. Im Wahnbild der mit menschlichen Großrauschträumen gefüllten Weltraumfahrt spiegelt sich die Verantwortungslosigkeit, mit der die Menschen dazu bereit sind, die Erde als ihre eigene Heimat zu verbrauchen und wegzuwerfen; und die wirkliche Beschaffenheit des Weltraumes ist ein treffliches Spiegelbild der Leere und Kälte dieser Haltung.

Vom Schimpfwort

Derjenige, der zum erstenmal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation.

Sigmund Freud

Hirtenbrief

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für seine Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht; und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht.

Jesus dem Nazarener zugeschrieben, Joh. 10, 11-13

Gewisse Jesusverkäufer schreiben hingegen Hirtenbriefe und schweigen zu den reißenden Tieren, die Schafe und sonstige Nutzviecher der Kirche (auf-)reißen.

Freiheit durch Konsum

Die Freiheit und Selbstverwirklichung, die in der allgegenwärtigen Werbung unentwegt versprochen wird, wenn man sich den darin angebotenen Tinnef kauft, sie ist die Karikatur einer Revolution. Sie lässt sich grob in der Aufforderung zusammenfassen: Sei du selbst, gehe mit den anderen konform.

Die Substanz der Moral

Der Chrakter der religiösen Moral erklärt sich aus der Substanz, aus der sie entstanden ist. In Jahrzehnten der Unterdrückung sexuellen Fühlens ist nun alten Männern das Sperma in das Gehirn gestiegen und hat sich ihr Adrenalin in Missgunst verwandelt, und so ist ein Denken entstanden. Die behandelten moralischen Fragen haben eine leicht wahrnehmbare Fixierung auf die Genitalien, während andere Bereiche des menschlichen Miteinanders mit großer Lässigkeit betrachtet werden. Von der Unterdrückung der Sexualität bis zur Perversion ist es eine wohlgebahnte, breite Straße, und viele Pfaffen sind es, die auf ihr wandeln.

Vom Denkverbot

Unkraut ist alles, was nach dem Jäten wieder wächst.

Mark Twain

Einer der billigen und doch wirksamen rhetorischen Kniffe, mit denen die gegenwärtigen Faschisten medial agieren, ist in besonderer Weise widerwärtig. Er besteht darin, dass zum Kalten, Ungeheuren und Unmenschlichen gesagt wird, dass es doch keine Denkverbote geben dürfe, ganz so, als sei die Unmenschlichkeit nur ein kleines Gedankenspiel, so etwas wie eine ferne Phantasie, an der sich so ein Blutredner kurz aufgeilt, sonst ohne weitere Bedeutung. In Wirklichkeit ist es jedoch viel schlimmer, unter dem in dieser Rhetorik geschaffenen Vorwand eines „freien Denkens“ werden noch die übelsten gesellschaftlichen Ideen geäußert, bis hin zum Verhungernlassen der Kinder armer Menschen. Auf dem Hintergrund dieser grellen, laut geäußerten und vom befreundeten Medienapparat dieses Geschmeißes wiedergegebener „Gedanken“ erscheint dann der von der gleichen Clique vorangetriebene, wirkliche Abbau zivilisatorischer Errungenschaften wie ein Segen. Auch hat der so unter dem Banner eines „freien Denkens“ geäußerte Unfug den Vorteil, dass sich die Kräfte des gesellschaftlichen Widerstandes daran abarbeiten und nicht mehr für den wirklichen und wirksamen Widerstand gegen die Relativierung des Lebensrechtes als menschliches Grundrecht zur Verfügung stehen. Wenn sich ein zeitgenössischer Faschist wie der Soziologe und Wirtschaftswisschenschaftler Prof. Gunnar Heinsohn die Brust aufreißt, um seine wohlkalkulierte Kälte in die Welt zu entlassen

Die Kinder von Hartz IV-Empfängern sind minderwertig, sie sind dümmer und fauler als die Kinder von anderen deutschen Müttern und ihre Ausbildungsfähigkeit steht in Frage. Sie werden in Zukunft den hohen Qualifikationsanforderungen der Gesellschaft nicht mehr genügen. Diese Kinder entstammen einer Unterschicht, die sich durch Sozialhilfe immer mehr vergrößert und hemmungslos vermehrt und den Leistungsträgern auf der Tasche liegt. Das ist eine Gefahr für Deutschland. Während sich die Unterschicht so vermehrt, bekommen die deutschen Frauen der Leistungsträger zuwenig Kinder. Der Staat muss also das weitere Kinderkriegen der Unterschicht verhindern, indem man deren Angehörigen die Lebensgrundlage entzieht. Deutschland braucht diese minderwertigen Kinder nicht, sondern es braucht die sozial wertvollen Kinder der Karrierefrauen.

…und zu fordern, dass man die Sozialhilfe doch fortan auf fünf Jahre begrenzen solle, also zu fordern, dass man die Kinder und ihre Mütter mit ihrem in solcher Idee wegen seiner geringen Ausbeutbarkeit als „lebensunwürdig“ gedachten Leben einfach verhungern lasse, denn ist dies keineswegs nur ein kleines Gedankenspiel, sondern ausgesprochen nützlich, um die nächste Stufe des Existenzrechtsabbaus voranzutreiben, der im Vergleich zu solchen „Gedanken“ geradezu lieblich wirken wird.

Welche Denkverbote unter der Forderung, dass es doch „keine Denkverbote“ geben dürfe, dennoch in der BRD bestehen, kann jeder selbst ausprobieren. Einfach öffentlich und nicht anonym anregen, dass man solche Volksverhetzer und Verbrecher gegen die Menschlichkeit wie diese Fäkalmade names Prof. Gunnar Heinsohn (und die vielen anderen, die in vergleichbarer Weise auftreten und von Springers Stürmer Bildzeitung und den seriös verkleideten Kampfblättern für die totalitäre Verwirtschaftung des Lebens eine millionenfache Verstärkung erhalten) doch töten oder auf ähnlich grobe Weise „unschädlich machen“ könnte, um weiteren gesellschaftlichen Schaden durch derartige Ideologien abzuwenden, und schon wird sich an der Handschelle, im Gerichtssaal und an der durch Gitter geatmeten Luft zeigen, an welcher Stelle weiterhin Denkverbote durch den gesamten Apparat des staatlichen Gewaltmonopoles aufrecht erhalten werden, und allein in dieser Tatsache spiegelt sich vortrefflich der Faschismus dieses staatlichen Apparates wider. Zum Töten darf hier nur aufrufen, wer „die Richtigen“ töten lassen will — wer jene Menschen totmachen will, die nicht mehr verwirtschaftbar sind und die deshalb nicht mehr gebraucht werden.

Unter gesellschaftlichen Zuständen, die zur Folge haben, dass skrupellose Verbrecher zu Ansehen, Amt und Ehre kommen, kann es durchaus eine Auszeichnung sein, wenn der Weg eines Menschen in das Gefängnis führt.

Gottes schlechter Griff

Und der Nachtwächter sagte: Wie unangenehm für diesen Gott, dass er bei seinen Theologen immer an Neurotiker, bei seinen Mystikern immer an Psychotiker und beim Ritualpersonal an so viele Perverse gerät.