Im Jahre 1741 schrieb der deutsche Arzt und Wissenschaftler Georg Wilhelm Steller seine Beobachtungen nieder, die er machte, als das Schiff seiner Expedition am fünften November des besagten Jahres auf einer bis dahin unbekannten Insel strandete, die heute „Beringinsel“ genannt wird. Neben den vielen Improvisationen, die das Ringen um das nackte Überleben in dieser arktischen Winterkälte erzwang, fand Steller auch immer noch etwas Zeit, die dortigen Naturerscheinungen zu beobachten und sehr genau in seinen Notizen zu beschreiben. Da es der Gruppe der Überlebenen gelang, ein Boot zu bauen und mit diesem im Sommer des Jahres 1742 einen russischen Hafen zu erreichen, wurden die naturkundlichen Beobachtungen aus diesem bislang fremden Teil der Welt innerhalb der damaligen europäischen Zivilisation bekannt.

Unter den Arten, die Steller beschrieb, war Hydrodamalis gigas wohl die spektakulärste, sie ist heute auch unter dem Namen „Stellersche Seekuh“ bekannt. Es handelte sich um riesige Seekühe, und von dieser Art lebten damals noch einige tausend Tiere auf der Behringinsel und der benachbarten Kupferinsel. Diese Tiere wurden bis zu acht Metern lang und vermutlich vier Tonnen schwer. Es waren zwar große, aber auch völlig friedliche Tiere, die sich von Algen ernährten, welche sie mit ihren rückgebildeten Zähnen zermahlten.

Steller war der erste und der letzte Wissenschaftler, der eine lebende Riesenseekuh zu Gesicht bekommen sollte, denn es kam sogleich der andere Teil der Zivilisation hinterher. Das letzte Tier dieser Art wurde sechsundzwanzig Jahre nach der Rückkehr Stellers, im Jahre 1768, von Pelztierjägern erschlagen. Was uns heute davon geblieben ist, sind zwei Handvoll Skelette, zwei Stücke aus der dicken Haut des Tieres und die Beschreibungen eines Menschen, der in der Natur nicht nur eine geschäftliche Möglichkeit gesehen hatte.

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