Es ist im Zeitalter des Internet nicht nur vollkommen sinnlos, sondern gar kontraproduktiv, gesellschaftliche Themen im Fernsehen, im Rundfunk oder vergleichbaren, in ihrer Darbietung auf den unreflektierten Affekt und das anschließende Vergessen eines anonymen Publikums zielenden Massenmedien „diskutieren“ zu wollen, wenn man um eine wirkliche Betrachtung des gesellschaftlichen Prozesses bemüht ist. Die Menschen, denen man in solchem Vesuche gegenübergestellt wird, sind sehr darin geübt, ihre meist irrationalen Standpunkte so darzulegen, dass sie im ersten Moment überzeugend wirken und sich des Applauses der anwesenden Jubelperser gewiss sein können, und der Fühlende und Denkende hat etwas Besseres mit den beschränkten Ressourcen seines Lebens zu tun, als eine gute show einzuüben, zumal er dafür auch von niemanden bezahlt wird. Die für ihre show gut bezahlten Fürsprecher der Fortsetzung des gesamtgesellschaftlichen Wahnsinnes zum Schaden vieler und zum Nutzen weniger hingegen, sie können fest darauf bauen, dass ihre wenigen konkreten Aussagen in einem Strom des massenmedialen bullshits schon nach wenigen Wochen vergessen sind und das folglich beim Zuhörer und Zuschauer ein lediglich affektiv erzeugter Eindruck der „argumentativen“ Überlegenheit in der Erinnerung zurückbleibt, während noch die offenbarsten Fehler, so sie im Laufe der kommenden Monate und Jahre unübersehbar werden, nicht ein einziges Mal vom journalistischen Apparat mit der sich entfaltenden Wirklichkeit verglichen und wirksam korrigiert werden. Den Rest der „Darlegung“ erledigen die bezahlten Fürsprecher des kollektiven Wahnsinns mit dem allzu üblichen Instrumentarium der Rhetorik, welches einzuüben und zu perfektionieren sie alle Zeit der Welt zu haben scheinen: Klaffende Lücken in der „Logik“ der „Argumentation“ werden einfach ignoriert, während unverdrossen weiter „argumentiert“ wird, als sei tatsächlich niemals eine Widerlegung durch Tatsachen erfolgt; wenn einmal eine schwierig zu behandelnde Frage zu einem großen, zentralen Punkt der „Argumentation“ gestellt wird, denn wird diese ignoriert und stattdessen werden einfach detailliertere, kleinere und für das Gefüge der „Argumentation“ an sich unwichtige Proklamationen hervorgekramt und in den Fokus der Aufmerksamkeit des großen, anonymen Publikums an den Volksempfängern gestellt, für welches eigentlich gesprochen wird, während man simuliert, dass man miteinander redet; komplexe gesellschaftliche Themen werden hingegen gezielt in einer Weise vereinfacht, dass sich daraus jeder Dummfug ableiten lässt und dieser zu allem Überdruss und Überfluss auch noch Überzeugungskraft entfaltet. Hervorragend verstehen es die sucking sockpuppets der Interessenverbände der Wirtschaft und ihre „politischen“ Marionetten, in solchem mindfucking show business zu verbergen, dass sie in einer beachtlich langen Redezeit substanziell nichts sagen, diese Exzellenz sei ihnen anerkannt. Aber wer sich mit beschränkter Kraft und Zeit durch ein richtiges Leben jenseits des massenmedialen Paralleluniversums der contentindustriell gebildeten „Meinung“ schlagen muss, hat für die Einübung derartiger Blendkunst weder die Muße noch sieht er irgendeinen lebenspraktischen oder die Einsicht fördernden Zweck darin. Dafür weiß der Vorübergehende sehr genau, auf welche Weise durch geeigneten Schnitt, Herauspicken von Zitaten für die Verwertung und durch die Kameraführung dafür Sorge getragen wird, dass beim Zuschauer auch ja der politsch gewünschte Eindruck entstehe.

Was ich hier in diesem wachsenden und stets bedrohten Tagebuch der Kälte geschrieben habe — auch mit seinen Unzulänglichkeiten und Fehlern, von denen ich wahrlich nicht frei bin — verbleibt als scheue Stimme eines marginalisierten Lebens und kann jederzeit nachgelesen und unter den weiten Maßgaben der Piratenlizenz verwendet werden, auch von Vertretern der etablierten Contentindustrie verwendet werden, so sie daran Interesse haben. Dass ich damit weder ein Interesse nach finanziellem Gewinn noch eines nach persönlichem Ruhm verbinde, zeigt sich bewusst in der gewählten Form der Veröffentlichung und sollte dem Sehenden eigentlich durch bloßes Hinschauen offenbar werden. Für die Verwurstung meines Lebens in einem simulierten Diskurs mit vorab beschlossenem Ergebnis ist mir der flüchtige Sekundenglanz meines eigenen Daseins zu wertvoll, als dass ich es für eine Handvoll Euro auf dem „Markt“ der Contentindustrie zur Verfügung stellen würde, um als bloße Dekoration solcher Darbietung ein bisschen „Demokratie“ anzudeuten — nicht einmal Judas Iskariot hat sich selbst verraten. Von weiteren derartigen Anfragen bitte ich abzusehen, ich würde sie dann auch nicht mehr anonym behandeln, wenn ich darüber schreibe.

So, und jetzt trinke ich hier noch einen Schocher, wie man das so schön auf Rotwelsch sagt, lasse diese Wärme kurz die Kehle runterrinnen und dann gehe ich wieder ausbaldowern, wo ich heute stapeln kann und wen ich ankobere, um in der dräuenden Eiseskälte der Nacht eine plattes, warmes Knackzimmer zu finden. Macht euern Schmuh ohne mich, ich bleib beim Fechten! PLONK!

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