Erstes Geschoss
Hier leben die Blinden, die glauben was sie sehen,
Und die Tauben, die glauben was sie hören.
Festgebunden auf einem Küchenhocker sitzt ein Irrer,
Der glaubt alles was er anfassen kann:
…seine Hände liegen im Schoß.

Zweites Geschoss
Rolle für Rolle, Rauhfaser tapeziert.
In den Gängen stehen Mieter herum,
Betrachten die Wände aufmerksam
Suchen darauf Bahn um Bahn
Nach Druck- und Rechtschreibfehlern:
…können nicht mal ihren Namen entziffern.

Auf ins nächste Geschoss
Welches — oh Wunder — nie fertiggestellt
Nur über die Treppe erreicht werden kann.

Hier lagern Irrtümer, die gehören der Firma,
Damit kacheln sie die Böden, an die darf keiner ran.

Viertes Geschoss
Hier wohnt der Architekt, er geht auf in seinem Plan
Dieses Gebäude steckt voller Ideen:
Von Funda- bis Firmament und vom Fundament bis zur Firma.

Im Erdgeschoss
Befinden sich vier Türen die führen direkt ins Freie,
Oder besser gesagt: In den Grundstein
Da kann warten wer will, um zwölf kommt Beton.
Grundsteinlegung! Grundsteinlegung! Lüge! Lüge! Lüge!
Gedankengänge sind gestrichen,
In Kopfhöhe braun, infam, katholisch violett
Zur besseren Orientierung.

Dachgeschoss
Es hat einen Schaden.
Im Dachstuhl sitzt ein alter Mann
Auf dem Boden tote Engel verstreut;
Deren Gesichter sehen ihm ähnlich.
Zwischen den Knien hält er ein Gewehr
Er zielt auf seinen Mund.
Und in den Schädel,
Durch den Schädel,
Und aus dem Schädel heraus
In den Dachfirst
Dringt das Geschoss.

Gott hat sich erschossen.
Ein Dachgeschoss wird ausgebaut.

Einstürzende Neubauten: Haus der Lüge | YouTube-Direktlink