Niemand unterschätze die Leistungsfähigkeit der Parareligion des Konsumismus, wenn es darum geht, den Wahnsinn hervorzubringen und ein Geschäft damit zu machen! Wenn dereinst — angesichts der weiter zunehmenden Verelendung von immer mehr Menschen unter dem Selbstzweck-Diktat des wirtschaftlichen Wachstums kann es auch recht schnell gehen — die Idee einer Revolution wieder zu romantischen Schwärmereien einlädt, die von der Angst in den Kriechgang gezwungen werden, dann werden die Marktforscher mit gezielten Ausbefragungen diesen trend flugs in Zahlen zu verwandeln wissen, und die professionellen Hirnficker der Reklameindustrie werden wissen, wie sie die psychische Energie in jene Kanäle umleiten können, die einer Vermarktung von Produkten zuträglich ist. Aus dem schon jetzt zur kindisch verehrten Ikone gewordenen Freiheitskämpfer Che Guevara wird eine herbe, vielleicht auch nach einem Hauch von Schmauch und Brandbeschleuniger duftende Parfümmarke werden, und eine allgegenwärtige Werbung wird dafür sorgen, dass diese mit Che-Ikonen bestempelte Marke so vor den Augen einer Zielgruppe „körperbewusste Männer mit sozialem Verantwortungsgefühl“ hingestellt wird, dass ihr keiner entkommen kann. Ich sehe jetzt schon mit den Augen der Zukunft die Werbung zum Weihnachtsgeschäft vor mir, die zeigt, wie in nebelhaft verklärendem Lichte die Bescherung unterm geputzten Baume mit all seinem Tinnefgold und leuchtendem Unrat aufgeführt wird: ein professionell aufgeführtes Schauspiel aus dem synthetischen „Paradies“ der Reklame. Und sie wird ihm das bunte, goldverschnürte Päckchen geben, und er wird es auspacken und eine Parfümflasche „Che“ in der markanten Form einer Handgranate in der Hand halten und sich darüber freuen und sie mit einem Blick betrachten, der deutlich macht, wie gern er sie jetzt wegen dieses Geschenkes ficken würde. Im Hintergrund läuft im weichgespülten Klimperklang „Süßer die Kassen nie klingen“ und durch das riesige Fenster zeigt sich eine Schneelandschaft, über der sich ein Santa Claus in den Farben von Coca-Cola von Rentieren durch die Lüfte ziehen lässt. Es riecht nach Glück, Plätzchen und Revolution. Und. Es ist kälter denn je zuvor.

Dank an Woschod!

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