Es ist doch interessant, dass die Haltung, die ein Mensch haben muss, um zum Opfer eines Betruges zu werden, so viel Ähnlichkeit zu der Haltung aufweist, die ein Mensch haben muss, um einer Religion anzuhängen. In beiden Fällen muss der Mensch bereit sein zum Vertrauen, wenn auch die vorgelegten Dokumente, auf denen dieses Vertrauen basieren soll, noch so fragwürdig sind. Sie haben voller blindem Vertrauen niemals hinterfragt zu werden. Stattdessen soll einer Form der inneren Behaglichkeit gefolgt werden, soll an Stelle des starken, den Verstand überzeugenden Beleges gewissen Symbolen, Gesten und Formulierungen psychische Macht eingeräumt werden. Wenn dies einmal geschehen ist, werden die Symbole, Gesten und Formulierungen wieder und wieder wiederholt. Und ob es sich um die Religion oder um den Betrug handelt, in beiden Fällen wird Großes versprochen, wird das Gegenüber dazu aufgefordert, nicht mehr im Rahmen der gebieterischen Tatsächlichkeiten zu denken und darauf die höheren Kräfte des Geistes zu verwenden, sondern in Möglichkeiten soll das Opfer oder der Glaubende denken — und sich an diesen Möglichkeiten ergötzen. Wenn man diese Ähnlichkeit zwischen Betrug und Religion erst einmal sieht, denn schrumpft der Unterschied zwischen einem Menschen, der an eine große Gewinnmöglichkeit durch Geldanlage in irgendeinem hanebüchenen Nonsens glaubt, und einem Menschen, der an die Verwandlung einer trockenen Oblate in den gegenwärtigen Gott glaubt, zu einem Nichts zusammen. Und. Die Religion zeigt sich als die Mutter allen Betruges.

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