Es scheint mir, als gäbe es eine positive Korellation zwischen dem Maß der Todesverdrängung in einer Gesellschaft und dem Maß der sexuellen Repression in dieser Gesellschaft. Und dort. Wo die beängstigende Wirklichkeit des Todes, die alles — und damit auch alle Lust — zur vorübergehenden Erscheinung stempelt, am stärksten abgewehrt wird, indem die gesellschaftsprägende Religion dem infantilen Narzissmus das Futter eines ewigen Lebens in gotthafter Vollkommeheit nach dem so zur Seite gedrängten Tod verspricht, trägt diese Repression Züge einer offenen Feindschaft, die ihren Anspruch bis in die hinterste Nische der Privatheit durchzusetzen trachtet, auch mit dem Schwert des Gesetzes durchzusetzen trachtet. Je weniger die Menschen ein Bewusstsein über die sekundenglanzhafte Einmaligkeit ihres Lebens erreichen, desto eher sind sie dazu geneigt, für perverse narzisstische Todeskulte jede Lustmöglichkeit ihres Daseins zu verwerfen — oder, so sie darin zaghaft sind, unter der knallenden Angstpeitsche einer angedrohten Ewigkeit des Leidens diese doch wenigstens einzuschränken. Ja. Es scheint mir so, als würde der Weg zu einer sexuellen Befreiung, die diesen Namen auch verdient und nicht nur ein weniger versteckter Handel mit pornografischen Materialen und eine offenere Instrumentaliserung des Geschlechtstriebes in der Werbung ist, nur zu beschreiten sein, wenn gleichzeitig gegen die Todesverdrängung vorgegangen wird.

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