Archive for Juni, 2009


Vom unerwünschten Wort

Shit, fuck, Satan, death, sex, drugs, rape
These seven words you are trying to take

Anthrax, Startin’ up a Posse

Als der Regisseur Mike Newell im Jahre 1993 in Großbritannien die Dreharbeiten am Filme Four Weddings And A Funeral leitete, musste er eine erhebliche Anzahl von Szenen doppelt drehen lassen. Denn dieser Film sollte ja auch in den USA vermarktet werden können, und deshalb musste im Text des Drehbuches von Richard Curtis jedes Auftreten des Wortes „fuck“ durch eine „harmlosere“ Variante ersetzt werden und die Szene noch einmal mit diesem Text gespielt werden. Eine entsprechende Synchronisation des Tones hätte keineswegs ausgereicht, da man die wirkliche Intonation „fuck“ sehr deutlich an den Lippen hätte ablesen können.

Die Bemühung der US-amerikanischen Moralapostel und Jugendschützer um eine klinisch reine Sprache in Medienproduktionen hatte allerdings in diesem Fall einen eher zweifelhaften Erfolg. Curtis und Newell bekannten in ihrem Drehtagebuch, dass sie — wegen der Verpflichtung, diese Regel für den US-Markt einhalten zu müssen — während der Dreharbeiten an diesem Film viel häufiger ein psychisch erleichterndes „Fuck!“ ausgesprochen hätten als in irgendeinem anderen Moment ihres Lebens.

Medien

Nachtwächer: „Worüber schreibst du denn?“

Zeitgenosse: „In erster Linie über Medien.“

Nachtwächter: „Wirklich, du beschäftigst dich mit Spiritismus? So viel Dummheit hätte ich dir gar nicht zugetraut.“

Ideologie

Die Ideologie ist ein psychisches Bastardkind der Religion und hat die gesamte Schlechtigkeit der Religion geerbt. So jung die Idee ist, dass man Gesellschaften nicht mehr unter der althergebrachten Geistesknute einer Religion, sondern stattdessen unter der moderner und aufgeklärter eingewickelten Geistesknute einer Ideologie zusammenzuhalten sucht, so dick wäre das Schwarzbuch, das man mit den Barbareien im Namen irgendwelcher Ideologien — sei es der Kommunismus, sei es die Idee des Marktes als Grundlage des menschlichen Miteinanders oder sei es die vollends irrationale Idee eines unbegrenzten Wachtums auf der Grundlage begrenzter Ressourcen — auf tausenden bluttriefender Seiten mit Dokumenten des intellektuell begründeten Unmenschentums im Namen des Fortschrittes füllen könnte. Es stünde einem Schwarzbuch der Religion wohl in keinem Punkte nach, weder in seinem Umfang, noch in der mechanisch anmutenden, wahnhaften Kälte der darin dokumentierten Lebensverachtung. Zukünftige Generationen, so es sie überhaupt geben wird, werden es zu schreiben haben.  Und.  Sie werden sich vor die Aufgabe gestellt sehen, die psychischen Mechanismen, die Religion und die als Ideologie verpackte Parareligion hervorbringen zu überwinden, endgültig zu überwinden.  An die zurzeit existierende Menschheit zu glauben, käme einer Kapitulation des Intellektes gleich.

Der, dem nicht vergeben wird

Neues Geblüt tritt in diese Erde,
Und flugs ist er unterworfen:
Durch unentwegte, schmerzvolle Schändung
Lernte der junge Knabe ihre Herrschaft.

Mit der Zeit zieht das Kind dort ein,
Dieser Prügelknabe hats verkehrt gemacht.
Aller seiner Gedanken beraubt
Kämpft und kämpft der junge Mann —
Man kennt ihn
Als das Gelübde, das er sich gab,
Dass sie von diesem Tag an niemals mehr
Seinen Willen von ihm nehmen würden.

Was ich gefühlt habe,
Was ich gewusst habe,
Es schien niemals hindurch
In dem, was ich gezeigt habe.
Niemals sein,
Niemals sehen,
Kein Verlangen zu erfahren,
Was gewesen sein könnte.
Was ich gefühlt habe,
Was ich gewusst habe,
Es schien niemals hindurch
In dem, was ich gezeigt habe.
Niemals frei,
Niemals ich —
Deshalb ernenne ich dich zu dem,
Dem nicht vergeben wird.

Sie haben ihr Leben dazu aufgewändet
Alles an ihm zum Laufen zu bringen;
Er versuchte ihnen allen zu gefallen,
Der verbitterte Mann, der er ist.

Sein ganzes Leben hindurch das Gleiche,
Er hat unentwegt gekämpft.
Dieses Gefecht kann er nicht gewinnen.
Sie sehen den erschöpften Mann —
Es kümmert sie nicht länger.
Der alte Mann bereitet sich dann darauf vor
Widerstrebend zu sterben.
Dieser alte Mann hier — das bin ich.

Was ich gefühlt habe,
Was ich gewusst habe,
Es schien niemals hindurch
In dem, was ich gezeigt habe.
Niemals sein,
Niemals sehen,
Kein Verlangen zu erfahren,
Was gewesen sein könnte.
Was ich gefühlt habe,
Was ich gewusst habe,
Es schien niemals hindurch
In dem, was ich gezeigt habe.
Niemals frei,
Niemals ich —
Deshalb ernenne ich dich zu dem,
Dem nicht vergeben wird.

Niemals frei,
Niemals ich —
Deshalb ernenne ich dich zu dem,
Dem nicht vergeben wird.
Ihr habt mir ein Etikett angeheftet,
Und ich werde euch ein Etikett geben —
Deshalb ernenne ich dich zu dem,
Dem nicht vergeben wird.

Metallica – The Unforgiven | YouTube-Direktlink
Die dem Stück keineswegs völlig gerecht werdende Übelsetzung und eventuelle Verhörer sind von mir.  James Hetfield ist zwar sehr gut verständlich und hatte damals noch eine klare Artikulation, aber die älteren Metallica-Texte sind in ihrem vorsätzlich verstörenden Sprachgebrauch voller beabsichtiger Stilbrüche und schwer interpretierbarer Anklänge nicht gerade eingängig…

Eine persönliche Anmerkung: Ich habe etwas länger mit mir gerungen, ob ich mit mir selbst vereinen kann, diesen Text noch zu bringen. Seit sich Metallica offen für die Wünsche der Contentindustrie nach allgemeiner Technikbeschränkung einsetzt, ist es eine Band geworden, die bei mir einfach „unten durch“ ist. Und das „schwarze Album“, auf dem „The Unforgiven“ veröffentlicht wurde, kennzeichnet den Beginn des Abstieges einer einst sehr besonderen Band, die einen recht interessanten, technisch beinahe perfekten und kunstvollen Metal spielte. Tatsächlich war „The Unforgiven“ so ziemlich das letzte Stück von Metallica, das neben genremäßig auch einmal etwas gewagterer Musik einen guten und verstörenden Text in der unnachahmlichen Drilllyrik der früheren Metallica-Stücke hatte — der Rest des „Schwarzen Albums“ war bereits sehr plump an den leicht konsumierbaren Mainstream des Metals angepasst, zusätzlich vergällt durch eine enttäuschende, gezielt massenkompatibel und leicht vermarktbar gehaltene Popmusik in „Nothing Else Matters“. Gerade auf diesem trüben Hintergrund sticht „The Unforgiven“ aber umso stärker hervor. Letztlich werden die Perlen in der älteren Geschichte Metallicas nicht dadurch entwertet, dass Metallica in jüngerer Zeit jede Glaubwürdigkeit verspielt und dabei gewiss auch einen guten Schnitt gemacht hat.

[…] die Ohnmachtsgefühle des Bürgers, die sich angesichts einer solchen Entwicklung einstellen, sind eben nicht ursprünglich von diesem Moloch bewirkt, sondern sind nichts anderes als eine automatische, völlig lebenslogische Rückantwort der eigenen Unwilligkeit gegenüber Aufklärung und Nachdenken, gegen persönliche Unabhängigkeit und gegen ein Minimum an Mut zur Freiheit und Selbständigkeit. Führt sich die Masse auf wie eine dumme Schafherde, wird sie eben auch als solche behandelt, wird in den Pferch getrieben und abgeschlachtet. Da hilft dann auch kein Muh und Mäh mehr.

Quelle: schamane GLR Blog via Womblog

In der Grammatik gibt es übrigens ein klares, deutsches Wort für das Verbgeschlecht Passiv, und dieses lautet „Leidensform“.

Auswärtiges Denken (48)

Wenn der Kaffee umkippt hole ich lieber einen Lappen und schreibe nicht darüber.

Das Designtagebuch über Twitter

Dank an Bio!

Strangtheorie

String theorists don’t make predictions, they make excuses.

Richard Feynman

Es ist doch bemerkenswert, dass in der derzeitigen physikalischen Forschung die Stringtheorie dermaßen viele Ressourcen bindet und zu so vielen Veröffentlichungen führt, obwohl sie in einem Vierteljahrhundert intensiver geistiger Anstrengung nicht eine einzige Voraussage über die Beschaffenheit der Welt hervorgebracht hat, die durch ein Experiment bestätigt werden könnte. Die in den gegenwärtigen Theorien postulierten Entitäten sind — Experten des Gebietes mögen mir bitte die Ungenauigkeiten in den folgenden Worten verzeihen, aber dieses Blog ist weder ein Lehrbuch der modernen Physik noch eines der Topologie, und ich wäre auch nicht imstande, ein solches Lehrbuch zu schreiben — eindimensionale (also mit einer Länge, aber ohne räumliche Ausdehnung versehene) oder mehrdimensionale „Strings“ oder (im mehrdimensionalen Fall) „Branen“ in einem vieldimensonalen Raum (zum Teil werden in derartigen Beschreibungen bis zu 32 Dimensionen angenommen), die in hochenergetischen Zuständen schwingen und dergestalt auf die uns unmittelbarer vertraute, vierdimensionale Raumzeit abgebildet („kompaktifiziert“) werden, dass sich dabei gerade die beobachtbaren Teilchen und Wechselwirkungen zwischen ihnen ergeben.

Anders als jede andere wissenschaftliche Theorie, die diesen Namen verdient, baut die Stringtheorie nicht auf experimentellen Beobachtungen auf und beinhaltet eine Reihe von Annahmen, deren Unbeobachtbarkeit mit zusätzlich angenommenen Mechanismen postuliert wird. Dort, wo sie mehr als die beobachtbare — das heißt hier: messbare — Wirklichkeit beschreibt, führt sie also zusätzliche Annahmen ein, die erklären, warum dieses „Mehr“ nicht beobachtbar ist.

Die Motivation für diese etwas seltsame Vorgehensweise erwächst aus dem Verlangen, eine vollständige Beschreibung der physikalischen Wirklichkeit in einer einheitlichen Theorie zu erarbeiten. Dieses Ansinnen, und mehr noch der in der Stringtheorie zur Verfolgung dieses Ansinnens eingeschlagene Weg, spiegelt die Tatsache wider, dass die innere Motivation, welche Menschen zur recht anstrengenden Tätigkeit der scheinbar so materialistischen Wissenschaft antreibt, aus genau dem gleichen psychischen Material gestrickt ist wie die evolutionär ältere Motivation zur umfassenden Welterklärung und Machterzielung über die Welt in der menschlichen Tätigkeit der Religion; dass sie eine Reaktion eines nachdenklichen Narzissten ist, der angesichts seiner individuellen Ohnmacht unter dem alles zur vorübergehenden Erscheinung machenden Tanz des Kosmos seinen dumpfen Allmachtsanspruch an übergeordnete, aber letztlich unsichtbare Persönlichkeiten oder Prinzipien abtritt, um ihn auf diese Weise zu erhalten und sich selbst daran zu ergötzen. (Ein Beispiel für eine Religion, die nur mit Prinzipien umgeht und auf personale Götter verzichtet, ist der „Kleine Wagen“ des Buddhismus.) Einiges von der Bitterkeit, mit der zurzeit ein Kampf zwischen Religion und Wissenschaft den Gesellschaften seinen Stempel aufdrückt, mag in dieser gemeinsamen psychischen Motivation beider Strebungen liegen — an der Aufgabe, den unangemessenen und letztlich infantilen Narzissmus zu überwinden, gehen beide Tätigkeiten vorbei, indem sie den Narzissmus zementieren.

Der von den Forschern in diesen theories of everything (das ist nicht mein Name dafür!) angewandte Kunstgriff zur Selbsttäuschung, einen Anschein von Objektivität durch eine mathematische Formulierung ihrer gedanklichen Arbeit zu erlangen, wirkt nur auf jene überzeugend, die sich nicht darüber klar sind, dass die Mathematik keineswegs aus sich selbst heraus objektiv ist, sondern den Möglichkeiten und Einschränkungen der menschlichen Fähigkeit zur Wahrnehmung enthüpft ist und somit die Strukturen des menschlichen Wahrnehmens in stark formalisierter (und oft sehr ansprechender) Weise widerspiegelt.

Die größten Fortschritte in der Erkenntnis, auch in der anwendbaren Erkenntnis, hat die Wissenschaft stets dort gemacht, wo sie dem allzu durchsichtigen Narzissmus des Menschen mit seinen Deutungen der Erscheinungen entgegen trat und den Erscheinungen gestattete, das zu sein, was sie sind — um diese zu beobachten, Theorien daran zu bilden und sie auf diese Weise zu verstehen. Die postulierten Strings mögen auf viele physikalische Forscher attraktiv wirken, aber sie machen auch den Eindruck, dass sie der Strang sind, an dem sich die Physik selbst erhängt.

Abschließende Anmerkung: Ich habe im gesamten Text „die Stringtheorie“ geschrieben, was eine Vereinfachung ist. Es gibt mehrere derartige Theorien, die eine gemeinsame Struktur sowohl in ihrer Beschreibung als auch in ihrem Unvermögen, zu wirklicher Erkenntnis zu führen aufweisen. Diese Theorien lassen sich vermutlich auch in einem übergeordneten, mathematischen Formalismus begreifen, was zurzeit ein wichtiges Betätigungsfeld der theoretischen Physik ist. Ob im Zuge dieser Anstrengung auch die Wirklichkeit begriffen wird, oder ob „nur“ die Theorien vereinheitlicht werden, gehört zu den Dingen, die sich noch zeigen müssen — ich bin allerdings recht skeptisch.

Der religiöse Liebesdienst

Man könnte mit heiterem Geiste anfangen zu denken, dass der größte Dienst, den das Christentum in seinen nunmehr zweitausend Jahren der Liebe erwiesen hat, darin besteht, dass es die Liebe zur Sünde erklärt hat.

Der Rechtschreibfeler

Ein Rechtschreibfeler im Internet ist ein Hinweis darauf, dass man sich im Internet befindet. Diese ganzen Feler sind die Patina, die sich im Netz über die geschriebene Sprache legt.

Es gibt Menschen, die das völlig anders sehen. Diese sind vor allem Deutschleerer, Pädanten und Hochschätzer der etablirrten Medien. Sie halten die Feler für Fehler, die korrigiert werden müssen. In einigen Nischen des Internet bildet sich zuweilen eine richtige Rechtschreibpolizei, deren Beamte aus eigener Vollmacht und Neurose heraus nichts anderes zu tun scheinen, als jeglichen Text nach solchen Felern abzusuchen, um sie als Fehler zu brandmarken. Doch das alles tut dem Rechtschreibfeler keinen Abbruch, es wertet ihn sogar auf, da er doch benötigt wird, um dieser Menschen Selbstgefühl zu stärken. Gäbe es nicht mehr genug Feler, diese Menschen produzierten gewiss selbst welche.

Der Rechtschreibfeler ist scharf abzugrenzen vom Vertippwer. Beim gewöhnlichen Vertippwer liegt kein Feler in der Auffassung von der richtigen Schreibweise vor, sondern nur eine meist temporäre Unzulänglichkeit der manuellen Befähigung in der Bedienung einer Tastatur. Dabnei werden manchmal zwei Tasten gleichzeitig getroffen, so dass ein überschüssiger Buchstabe entsteht; manchmal werden die Tatsen in der falschen Reihenfolge getroffen, so dass es zu einem Buchtsabendreher kommt; manchal wird eine Taste nicht richtig getroffen, so dass ein Bucstabe fehlt; und manchmal wird anstelle der gewünschten Tastw die benachbartw Tastw getroffen, so dass ein völlig falscher Bucnstabe erscheint. Auf solche Weise entsteht auch manchmal der so genannte „technische Dativ“, der seine Ursache darin hat, dass die Tastem „N“ und „M“ benachbart sind. Dumme Mitglieder der Rechtschreibpolizei sehen darin übrigens regelmäßig eine Grammatikschwäche. Intelligente Schreiber können dem aber entgegenhalten, dass ein solcher Vertippwer allein deshalb beim flüchtigem Korrekturlesen nicht auffällt, weil die Flexionsendungen in der deutschem Sprache gar keine Bedeutung transportieren, sondern nur eine sprachliche Etikette sind.

Im Gegensatz zu diesen Vertippwern, die allesamt einer mangelnden Fertigkeit der Hand geschuldet sind, ist der Rechtschreibfeler eine Schreibweise, die genau so erscheint, wie sie vom Schreiber gewünscht ist. Die Ursache dieses Felers ist eine felerhafte Repräsentation des geschriebenen Wortes im Gehirne des Autoren. Deshalb ist das Aufdecken solcher Feler auch immer dann sehr beliebt, wenn jemandem andere Argumente gegen das Geschriebene ausgehen, deutet doch der Feler im Text darauf hin, dass Feler im Kopfe seines Schreibers sind. Folglich könnte man doch auch den gesamten Gedaknen als fehlerhaft betrachten.

Dort, wo sich die Menschen um die Feler anderer Menschen nicht so sehr kümmern, versteht man sich recht gut, indem man einfach bei der Sache bleibt. Wenn die Rechtschreibung für den Inhalt des Geschriebenen wesentlich wäre, denn könnten sich die User vieler deutscher Webforen gar nicht mehr verstehen, von den Chattern ganz zu schweigen. Die leicht zu machende Beobachtung, dass sie sich bei allen Felern und übrigens auch Vertippwern gut genug verstehen, um sich oft prächtig streiten zu können, zeigt die weitgehende Unwichtigkeit einer felerfreien Schreiweise, es sei denn, es kommt durch einen Feler oder Vertippwer zur Veränderung des Sinngehaltes.

Jeder dieser richtigen Feler deutet auf Defekte der Orthographie hin. Die vihlfachen Auszeichnungen der Kürrze ohder Länge eines Vokahles sind im Deutschen eine unerschöpfliche Quelle für solche Feler, unmittelbar gefolgt von jenen Lauten, die durch ferschiedene Zeichen schriphtlich representirt verden können. Eine dritte Ursache führ Feler nehben der uneinheitlichen Wokaldehnung und der Eksistenz homohfohner Zaichen ist der Standart stimmhafter Konsonanten der gesprochenen deutschen Sprache, im Ausklank zu stimmlosen Varianten verhärtet zu werden. Wenn man jeden Tag sieht, welche Feler von diesen orthographischen Defekten gefördert werden, wundert man sich nur noch darüber, dass einige Menschen fast felerfrai schreyben können. Dahinter muss ein langes und hartes Training stecken…

Das Streben nach einer felerfreien Schreibweise freilich, es stammt aus einer anderen Zeit, die noch kein lichtschnelles Medium wie das Internet kannte. Es stammt aus einer Zeit, in der ruhig und hastlos und ohne den druckvollen Selbstzweck der Aktualität geschrieben werden konnte. In dieser nun vergangenen Zeit hatten auch nur wenige Menschen durch den Besitz von Produktionsmitteln das Privileg, textuelle Information in Form der Presse und der gedruckten Literatur an eine breitere Öffentlichkeit zu bringen, und diese Verleger suchten sich ihre Schreiber aus einer Vielzahl der Bewerber sowohl nach qualitativen und weltanschaulichen, aber eben auch nach strikt formalen Kriterien aus. Wer nicht jahrelang den Duden inhaliert hatte, der hatte keine Chance, in diesen — zum Glück vergangenen — Zeiten in der Journaille unterzukommen, um mit seinem Schreiben allgemein rezipiert zu werden. Und das formal korrekte und politisch gewünschte Schreiben dieser Menschen wurde noch einmal Korrektur gelesen. Natürlich kam es dennoch zu gelegentlichen Felern, aber diese wurden durchgängig als Fehler betrachtet.

Mit dem allgemein verfügbaren Internet ist die Möglichkeit zur Veröffentlichung von Texten kein Privileg einer Minderheit mehr. Und deshalb kann auch nicht mehr eine Minderheit die Defekte der deutschen Orthographie pflegen, indem sie versucht, lediglich felerfreie Texte zu veröffentlichen. vielmehr beginnen die menschen in deutschland jetzt damit, sich ihre geschriebene sprache zurückzuholen und von den fesseln antiquirter konwentionen zu befreien. hierzu gehört auch der hank zur allgemeinen kleinschreibung im chat, in webforen, in persönlich gefärpten mails und auch in fielen blogs.

Ein Feler, der immer wieder gemacht wird, hat gute Chancen, zur Regel zu werden. Viele Menschen schreiben heute im Internet die deutsche Sprache schon so, wie sie in einigen Generationen gedruckt werden wird. Die ganzen Vertippwer, die beim schnellen Schreiben entstehen, werden natürlich auch in Zukunft als unrichtig gelten, aber diese ganzen Feler, die heute schon von vielen Menschen gemacht werden, sie sind die Regeln der Zukunft. Und wer in dieser Zukunft jemandem anders seine Fehler vorhält, muss sich dann wohl diesen Rechtschreibfeler korrigieren lassen.

Die Zweiten

„Mit dem Zweiten sieht man besser“ ist der Werbespruch des ZDF, des Zweiten Deutschen Fiaskos . Es ist ein ganz toller Werbespruch, der irgendwie so klingt, als sagte ein Gebissträger: „Mit den Dritten kaut man besser“… :mrgreen:

Traum

Es ist wahr, dass in der BR Deutschland jeder „seinen Traum“ leben kann — oder, genau gesagt: leben muss.

Unwahr ist hingegen, dass jeder Traum etwas Angenehmes wäre.

Verständlich ist es, dass angesichts der bedrückenden, kollektiven Wachalbträume so viele Menschen in der BR Deutschland jede nur erdenkliche Form der Narkose verwenden, in der verzweifelten Hoffnung, auf diese Weise wenigstens in ihre individuellen Albträume flüchten zu können. So entsteht ein schwunghafter Markt für alkoholische Getränke, dämpfende Psychopharmaka und weniger legale Drogen und für geistlösende mediale Produkte zur so genannten „Unterhaltung“.

Ein Problem der Geschichtsbücher besteht darin, dass sie die Geschichte lehren. Denn diese. Ist die schriftlich überlieferte Vergangenheit. (Sonst handelte es sich um Archäologie.) Doch während des größten Teiles der Vergangenheit unseres gegenwärtig wirksamen Kulturprozesses hinterließen nur die herrschende Klasse und ihre beflissenen Speichellecker aus dem Klerus und ihre sonstigen Schergen schriftliche Zeugnisse, während die Mehrzahl der Menschen nicht des Lesens und Schreibens kundig war. Was in der Sicht der Geschichtsbücher als die beschriebene Lebenswirklichkeit der Menschen aufscheint und von dort in das allzu unkritische Hirn des Lesenden und Beschulten gestempelt wird, ist lediglich die recht einseitige Sichtweise der Schreibenden und damit der Herrschenden. Wie hingegen die Herrschaft bei ihren Opfern, den oft willkürlich und gewaltsam Beherrschten, gefühlt wurde und das Leben prägte, ist im besten Falle in stark geschönter Form schriftlich aufgezeichnet und damit überliefert, um dem herrschaftlichen Narzissmus allzu derbe kognitive Dissonanzen bei seiner von „Gottes Gnaden“ eingesetzten Selbstinszenierung zu ersparen. Tatsächlich ist es bis auf den heutigen Tag gar nicht so sehr anders geworden, denn was sich in Form der Presse und des Verlagswesens an schriftlicher Mitteilung mit der Rotationsmaschine, der Druckerpresse und industrieller Methodik massenhaft vermehren und in dieser Form vor das Auge der Massen stellen lässt, ist ebenfalls die Sichtweise einer von „Geldes Gnaden“ eingesetzten, besitzenden und herrschenden Klasse und damit einer gesellschaftlichen Minderheit, deren Bild von der Wirklichkeit der Mehrzahl der Menschen arg verzerrt ist. In der jüngeren Zeit hat erst das Internet einen Raum geschaffen, der zu einer gewissen Demokratisierung der öffentlich zugänglichen Mitteilung führte — und damit sehr schnell Begehrlichkeiten nach einer Unterdrückung des Mitgeteilten bei den Besitzenden und Herrschenden erweckte. Eingang in spätere Geschichtsbücher werden diese Mitteilungen wohl nur in wenigen Ausnahmefällen finden, wenn überhaupt.

Aber was die Vergangenheit betrifft, ist die Situation nicht gänzlich verloren, gibt es doch Spuren der Lebenswirklichkeit breiterer Massen, die aber ebenfalls nur selten den Weg in Geschichtsbücher finden. Ganz genau so, wie die heutigen Versuche einer gesetzlichen Zensur des Internet die vor unser aller Augen erwachsene Bedeutung des Internet in die Zukunft widerspiegeln werden, sind vor allem willkürlich erscheinende, gesetzliche Verbote aus der Vergangenheit ein Spiegelbild der Lebenswirklichkeit der Mehrheit der Menschen in jener Zeit. Zum Beispiel wurde in der Stadt Bern im Jahre 1367 das Kartenspielen vollständig verboten; dieses nicht, ohne dass dabei in zeittypisch frömmelnder Form ein Stock Spielkarten als „Gebetbuch des Teufels“ gebrandmarkt wurde. Und das legt ein deutliches Zeugnis davon ab, wie bedeutsam die allgemeine Entspannung im Kartenspiele für viele Menschen im 14. Jahrhundert war. Kein Zufall ist es, dass die Bilder des Kartenspieles ein Abbild des Hofstaates waren und bis heute geblieben sind. Das Spielen mit diesen sonst so unantastbaren Symbolen der Herrschaft und damit der als tägliche Unterdrückung fühlbaren Gewalt — sicherlich auch in den damaligen Wirtshäusern unter Verwendung einer oft sehr derben Sprache — verschaffte den in Wirklichkeit wohl eher mit Zwang geknuteten „Untertanen“ ein gewisses Maß subjektiv wirksamer Erleichterung, die als psychische Aushöhlung der Herrschaft einer Minderheit über die Mehrzahl der Menschen nicht geduldet werden sollte und deshalb kriminalisiert und verteufelt wurde.

Ein solcher Hauch des anarchistisch Unanständigen, die Herrschaft Verspottenden und Ablehnenden in der Dynamik eines Kartenspieles lässt sich bis heute erleben, wenn man nur einer Runde Doppelkopf lauscht. Da meldet der eine seine „Schweinehochzeit“ an, während ein anderer Spieler beim Ausspielen seines zweiten Karo Königs breit grinsend „genschert“ und sich — obwohl die „Hochzeit“ mit den beiden „Alten“ (Kreuz Damen) schlicht den „ersten Fremden“ genommen hat — einfach seinen Spielpartner für diese Partie aussucht. 😉

Im Zeitalter des industrialisierten Mordens hat die herrschaftliche Gewalt freilich ein anderes Gepräge bekommen, und die BR Deutschland ist ein weltweit bedeutsamer Exporteur von Kriegswaffen. Und. Die mit Geld vollgesogene und reichlichem Einfluss ausgestattete Industrie, die diese Mordgeräte herstellt, wird von den Darstellern der staatlichen Macht umhätschelt und begünstigt. Ist es da ein Wunder, wenn die realitätsnahe, spielerische Aufbereitung bewaffneter Kampfhandlungen am Computer als „Killerspiele“ verteufelt wird und mit Verboten kriminalisiert werden soll, während das Mordsgeschäft weiterläuft und die Bundeswehrmacht schon an den Schulen um „Menschenmaterial“ werben soll?