Ich kann den Eindruck einfach nicht abschütteln, dass der wichtigste Grund für den großen wirtschaftlichen Erfolg und anhaltenden, zeitlos anmutenden Kultstatus der Disney-Filme in im europäischen und US-amerikanischen Kulturkreis darin liegt, dass in beinahe jedem dieser abendfüllenden Zeichentrickfilme vom Fließband für synthetische Träume entweder zum Beginn des Hauptstranges der Handlung die Mutter des infantil gehaltenen Hauptdarstellers (oft grausam und gewaltsam) stirbt, dass sie schon vor Beginn der Handlung tot ist oder dass der werdende Held auf andere Weise von seiner Mutter getrennt wird. Somit führen diese Filme die Kinder (und auch die erwachsen gewordenen Kinder) in der Tat in eine bessere, magische Welt, in der ihre Wünsche Wirklichkeit werden…

Zugegeben: Pinocchio (1940) hat gar nicht erst eine Mutter, sondern nur einen „Vater“; vielleicht ist das noch besser, vielleicht erschwert es aber auch die psychische Identifikation. Alice im Wunderland hingegen (1950) war ein Flop, von dem Disney sagte, dass er zwar den Intellekt anspräche, nicht aber das Herz.