Wer die Welt erkannt hat, der hat einen Leichnam gefunden, und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Thomas-Evangelium, Logion 56

Bei etwas bedächtiger, zurückgelehnter Betrachtung des Prozesses, der über die Gesellschaften abläuft, kommt trotz allen Ernstes die Heiterkeit von allein.

Diese ganzen Menschen, die den Rückschritt der Erkenntnis dadurch hervorrufen wollen, dass sie sich „wissenschaftlich“ klingende „Argumentationen“ für ihre Religion ausdenken, um einigermaßen solide begründete Erkenntnis besser verwerfen und ihre wünschenswerte Weitergabe an einen möglichst großen Teil der lebenden Menschen besser sabotieren zu können — ob sie sich hierfür nun das image eines „ismus“ anziehen, indem sie solches Trachten „Kreationismus“ nennen, oder ob sie etwas gelungener vom „intelligent design“ alles Seienden sprechen, in welchem sich die Intelligenz des göttlichen Schöpfers offenbaren soll — alle diese menschlichen Strebungen zur scheinbar wissenschaftlichen Begründung von Glaubensinhalten sind ja nicht vorbildlos. Sie haben sogar ein Vorbild in relativ junger Zeit, das ihnen allerdings nicht schmeicheln kann.

Es war der einfallsreiche und fröhlich zu lesende schweizer Autor Erich von Däniken, der vor einigen Jahrzehnten damit begann, die biblischen Berichte und andere alte Mythen an die moderneren Bedürfnisse anzupassen, scheinbar naturwissenschaftlich zu verpacken und ihnen so eine neue Glaubwürdigkeit vor allem beim halbgebildeten Publikum zu geben, indem er recht phantasievoll massenhaft historische Anomalien erfand und die „alten Götter“ zu neuen Astronauten machte. Was. Sich übrigens auch als ein recht gutes Geschäft erwies. Selbst die schreibende Methodik von Dänikens ist recht ähnlich, konnte dieser doch auch niemals starke Belege für seine recht ungewöhnlichen Thesen liefern und appellierte deshalb lieber mit gut zusammengetragenen, aus ihrem historischen Kontext gerissenen Fundstückchen an den irrationalen Glaubenswillen entwurzelter Menschen in einer Welt, die fremd geworden ist und keinen Halt mehr zu geben vermag. Die von Däniken gewünschte Interpretation dieser bunten Sammlungen wurde auch immer gleich mitgeliefert (dies auch immer wieder gern unter Ausblendung störender Fakten wie etwa der Übersetzung von Hieroglyphentexten zu den zahlreichen Abbildungen) und gab der Wahrnehmung des Lesers so auch gleich die „richtige“ Straße, so dass sich Sach- und Lachbuch für Sach- und Lachbuch eine moderne Parareligion mit fernen UFO-Göttern formen konnte. Diese hat bis heute eine erstaunlich große Zahl von Anhängern, und diese können ohne Probleme mit intellektuellen Rissen in ihrer „Argumentation“ zunächst eine halbverstandene Bibel und gleich darauf eine noch weniger verstandene Quantentheorie „zitieren“. Was die Kreationisten anders machen, sind eigentlich nur zwei Dinge: Sie verzichten auf eine moderne Umdeutung der antiken Textkörper, sondern nehmen sie wörtlich. Und. Sie verzichten auf die Haltung der Toleranz gegenüber Andersgläubigen.

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