In dieser Zeit, die so vielen verarmten Menschen eine Haltung des Verzichts aufzwingt, welche sie dann zum Hohn auch noch „Sparen“ nennen sollen, gibt es viele Methoden des Selbstbetruges. Jemand kann sich zum Beispiel sagen, dass er bei dem schönen Wetter nicht mit dem Nahverkehr fährt, sondern zu Fuß geht, und er kann sich auch einreden, dass er auf diese Weise die gut 2,50 Euro Fahrpreis gespart hätte, die er gar nicht wirklich übrig hatte. Wer noch geübter in der allgemein geforderten Selbstverblendung ist, der sagt sich, dass er jetzt zu Fuß geht und kein Taxi nimmt, woraus sich schnell eine „Ersparnis“ in der Größenordnung von 15 bis 20 Euro herbeirechneln lässt, ohne dass dadurch auch nur ein einziger Eurocent im Lochfraß des Geldbeutels entstünde.

Sparen — im  richtigen, durch das allgemeine Geschwätz zur Verhinderung des Bewusstseins aber weit gehend verloren gegangenen Sinne des Wortes — lässt sich niemals aus einer Situation des Mangels, sondern nur aus einer Situation des Überflusses, von dem etwas für margerere Zeiten bei Seite gelegt wird. Wer dem Armen eine Möglichkeit zum Sparen verspricht, die er nicht hat — jeder Werber im Auftrage eines Discounters tut dies mit bewusstloser Regelmäßigkeit — ist ein übler Lügner.

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