Wenn man sich als Fühlender und Denkender in einem Haushalt mit Fernsehempfänger aufhält und vor lauter Erschöpfung einmal auf die Idee kommt, mitten in der Nacht die darüber verfügbare „Vielfalt“ des Programmangebotes durchzuschalten; wenn man im Vorüberschalten die ganzen Betrugssendungen zum teuren Anrufen bei billigen Fragen sieht; wenn man diese allgegenwärtigen Hinweise auf „seriöse“ Horoskope und Kartenleger, die nur ein paar Euro kosten, sieht; wenn man die endlosen Präsentationen irgendwelcher gefühllos grinsender Prozac-Opfer sieht, die ein fernes Heer hirnloser Hausfrauen zum Kauf von Mikrofasern, Dampfbesen, Schmuck und hässlich bedruckter Kleidung aufrufen; und wenn man schließlich die zum Amok einladende Reklame für Klingeltöne und Handyspiele auf den ehemaligen Musiksendern sieht; denn fragt man sich, wohin wir eigentlich gekommen sind, ja, man findet es plötzlich sehr schade, dass es nirgends mehr ein Testbild zu sehen gibt. Und. Schaltet ganz schnell diese Hölle wieder aus.

Es ist noch gar nicht Karfreitag, und ich heiße nicht Jehoschua, aber nach nur 10 Minuten in diesem Hirngrill fühle ich mich schon wie gekreuzigt und wieder auferstanden.

Übrigens hat meine gnadenlos dumme Rechtschreibprüfung eben wieder eine Spur „künstlicher Weisheit“ bewiesen. Sie kannte das Wort „Handyspiele“ nicht und schlug mir stattdessen Handspiegel vor. Das passt gut, denn was auf dem telefonartigen Gerät geschieht, das ein meist jüngerer Mensch in der Hand hält, das ist ein trefflicher Spiegel seines kulturellen und intellektuellen Standes. Wie jeder gute Spiegel, so ist auch dieser nicht schmeichelhaft. Über meinen Neologismus „Hirngrill“ hat sich das Depperchen hingegen nicht beklagt… :mrgreen:

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