An sich ist dies ein weitgehend harmloses Blog. Ich vermeide bewusst an dieser Stelle die ganzen Minenfelder, die fast immer zu gewissen Entgleisungen der Kommunikation führen; wann immer ich aber das Betreten eines solchen Gebietes nicht völlig vermeiden kann, pflege ich einen wenig zur prollen Pöbelei einladenden Stil und ich nehme dafür auch gern in Kauf, dass es deshalb oft ein bisschen langweilig ist. Wer gute Unterhaltung und Ablenkung von der Trübsal seines Lebens sucht, wird hier nicht fündig werden. So unterhaltsam Eskalationen für einige spektakelgeile Zeitgenossen sein mögen, so wenig nützen sie. Wer nach dem modernisierten Motto „Wo zwei sich streiten, schaut der dritte eine Talkshow“ lebt, soll sich zumindest hier, bei den lumières dans la nuit, völlig fehl am Platze fühlen.

So weit zumindest die Absicht. Diese kann sich — wie jede andere Absicht auch — als unrealistisch entpuppen, auf ganzer Linie scheitern. Das würde ich als ein Scheitern des ganzen Projektes betrachten, und es wäre nicht das erste meiner Projekte, das gescheitert wäre. Fehlschläge gehören nun einmal dazu, wenn man etwas tut. Nur, wer niemals handelt, wird garantiert um die Erfahrung herum kommen, dass das Tun manchmal vergebens ist — und manchmal eben auch nicht.

Diese harmlose Absicht kann einem aber auch auf andere Weise ganz ordentlich vergällt werden.

Zum Beispiel kann einem eine solche Absicht durch Zeitgenossen vergällt werden, die es nicht gut finden, wenn jemand seine offensichtlich persönlich eingefärbte Schau auf die Dinge auf einer wenig beachteten Site in das Internet stellt, um sie dort der Kritik der Leserschaft auszusetzen — so wie ich das hier seit zweieinhalb Jahren tue. Diese Zeitgenossen können einfach nicht damit umgehen, dass es wegen der wunderbaren technischen Möglichkeiten des Internet inzwischen nicht nur die breit wirksame Einwegkommunikation einer an der Nabelschnur der Werbewirtschaft hängenden und damit auch alles andere als unabhängigen Journaille gibt, sondern auch die Einfalt und Vielfalt der persönlichen, aus dem einfachen Leben sprechenden Standpunkte in Blogs, Webforen und auf persönlichen Homepages. Warum diese Zeitgenossen nicht einfach ihre Standpunkte auf die gleiche Weise kund tun, bleibt mir allerdings etwas rätselhaft — vielleicht liegt ihnen das offene Kommunizieren nicht so und sie suchen deshalb andere Wege.

Obwohl ich als Heimatloser mit unstetem, ständig wechselndem Dach über mir keine Postanschrift habe, ermögliche ich es jedem, mir über das Kontaktformular im Impressum eine Nachricht zukommen zu lassen. Im Allgemeinen lasse ich mich über derartige Mitteilungen, die ja bewusst und gesucht die Öffentlichkeit des Kommentarbereiches vermeiden, nicht weiter aus, behalte ihnen die vom Schreiber gewünschte Privatheit. Nur so viel sei dazu gesagt: Neben einigen auf diesem Wege eingehenden Richtigstellungen und ernsthaften Kontakten (zum Glück gibt es trotz des sehr einfachen Schutzmechanismus noch keine Spam über diese Schnittstelle) könnte ich mit diesen Mitteilungen ein ganzes Kompendium der Vorurteile gegen gesellschaftliche Minderheiten, des unreflektierten Hasses gegenüber Menschen anderer Meinung oder Glaubensausrichtung und der ungebildeten Barbarei zusammenstellen — also alljener Erscheinungen, die mir schon im Alltag immer wieder begegnen und die hier auch ihren trüben Spiegel gefunden haben.

Und. Gelegentlich wird auch versucht, einzelne Inhalte dieses größtenteils harmlosen Blogs mit juristischen Mitteln aus dem Internet zu entfernen, indem mir mit Klagen oder Abmahnungen gedroht wird.

Da dieses Blog auf dem Server eines schwer kranken und zudem verarmten Freundes läuft, bin ich solchen Aufforderungen bislang stumm nachgekommen, um nicht von meiner Seite etwas zu seiner Last hinzuzufügen. Dies habe ich auch in jenen Fällen getan, in denen ich mich persönlich ganz anders entschieden hätte, und ich habe es oft mit großem Widerstreben getan. Jedes Mal habe ich dabei gehofft, dass sich die hier verwendete Piratenlizenz auch als ein Mittel erweist, die an diesem Ort mundtot gemachte Stimme an anderer Stelle weiter klingen zu lassen.

In letzter Zeit nimmt mir solches Fordern aber ein wenig überhand, und ich stehe inzwischen viel zu regelmäßig vor diesem Problem. Das ist es, was mir die Lust am Bloggen nachhaltig verdirbt. (Und wer sich hier des Archives bedient, um einmal einen tieferen und nüchternen Blick in die Vergangenheit dieses Blogs zu werfen, wird wohl kaum verstehen können, was jemand daran auszusetzen haben könnte, sind es doch vor allem beiläufige Gedanken, Begegnungen, Gespräche und Eindrücke.)

Als ich eben meine Mail überflogen hatte und neben anderen, ebenfalls betrüblichen Mitteilungen wieder einen derartigen Schrieb darin fand, ist mir wirklich schlagartig jede Lust vergangen, weiterhin etwas an dieser Stelle zu veröffentlichen. Es ist gut möglich (aber noch nicht sicher), dass ich dieses Blog zum Ablauf der Frist, die mir in diesem recht patzig formulierten Stück deutschsprachiger „Kommunikationskultur“ gesetzt wurde, lösche. Einfach nur, weil ich so etwas nicht einen Tag länger ertragen will.

Was ich als die recht irrelevante Flaschenpost eines Menschen begonnen habe, der mit seinem Leben Schiffbruch erlitten hat, was ich als Tagebuch der alltäglichen Kälte geführt habe, es ist in dieser Kälte langsam, langsam, ganz langsam erfroren.

Und, ganz ehrlich gesagt: Mir wird auch immer kälter.

Bevor hier derartige Fragen in den Kommentaren kommen: Nein, ich werde hier auf keinen Fall die Identität der Person preisgeben, die es für nötig befindet, mir gegenüber zur Einschüchterung mit der großen Rechtskeule zu winken. Ich werde auch auf keinen Fall den Inhalt dieses Schreibens veröffentlichen. Auch gegenüber Menschen, die mir das volle Maß ihrer Verachtung zeigen, respektiere ich zunächst einmal den gesuchten Wunsch einer nichtöffentlichen Kommunikation. Ich bin mir übrigens wegen des besonderen Stiles, der gewählt wurde, sehr sicher, dass beim Absender ein völliges Desinteresse an diesem Blog besteht.

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