Es gibt Studienergebnisse, die für den Denkenden gar nicht überraschend sind:

Das Risiko, eine Depression zu entwickeln, steige signifikant mit jeder weiteren Stunde des Fernsehkonsums an. Keine Beziehung zwischen Depression und Medienkonsum wurde bei Videokassetten, Radio und Computerspielen entdeckt.

Einmal völlig unabhängig davon, ob hier nicht vielleicht wieder einmal Ursache und Wirkung verwechselt wurde, als man die Daten erfasste; ob es nicht vielleicht vielmehr so ist, dass eine depressive Neigung zu erhöhtem Fernsehkonsum führt: Der Vorgang des „Glotzens“ ist eine Haltung, die der wenig erbäulichen, pathologischen Haltung eines Depressiven — und übrigens auch eines Süchtigen — sehr ähnlich ist. Die ferne, fremde Welt (deshalb auch das deutliche deutsche Wort „Fern-Sehen“) wird im Vorgang des „Glotzens“ mit den Augen eines Außenstehenden wahrgenommen, es gibt keinerlei Optionen für eigenes Handeln und keine Einflussnahme, bestenfalls die Möglichkeit, ständig auf der Suche nach etwas halbwegs Erträglichem zwischen den verschiedenen und dabei doch recht gleichen Angeboten hin und her zu zappen. Diese Haltung hat etwas Resignatives; dem Leben, seinen Anforderungen, Möglichkeiten und Reizen gegenüber gleichgültig Gewordenes, die für sich schon ein fahler Abganz des Suizides ist, der immer noch jede siebte klinische Depression in Deutschland beendet. Die täglichen vor dem Fernseher verlebten Stunden sind eine Form der Depression für jene, die zu wenig Charakter haben, eine richtige psychische Krankheit auszubilden; im Verrinnen der Lebenzeit, die mit einem Medium verbracht wird, das die wichtigsten bewussten Sinnesleistungen des Menschen an sich zieht und aufsaugt, offenbart sich eine Form des Selbstmordes für Feiglinge.

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