Noch nicht richtig wach — er hatte den Kaffee noch nicht getrunken und ließ ihn immer ein kleines bisschen abkühlen — schaute Stefan durch das Fenster nach draußen. Es war noch recht dunkel, so wie es früh morgens im kühlen März nun einmal ist. Wäre dort ein Horizont sichtbar gewesen, denn hätte er jetzt den Schimmer des kommenden Tages darin gesehen; ein rosafarbener Streifen im Osten, der über den Verlauf der Himmelskuppel hinweg zu Türkis, Blau und dem samtenen Schwarz der westlichen Seite wird, dem letzten Fetzen Nacht, der vor dem gleißen Angesicht der Sonne floh. Die Menschen nennen dieses Farbspiel „Morgengrauen“. Für Stefan wurde kein Horizont sichtbar. Stefan wohnte in der zweiten Etage, und ein hohes Haus stand auf der anderen Seite, Balkon an Balkon in Reih und Glied die Ein-Zimmer-Appartements für jene, die sich nichts anderes als „ihr Zimmer“ leisten konnten. Es waren Zimmer, wie Stefan eines bewohnte; Räume, die alle gleich geschnitten waren, die in ihrer Gestaltung an eine Ladestation für Akkus erinnerten, die so viel Gemütlichkeit wie eine Wartehalle ausströmten und in denen die Menschen auf eine bessere Zeit in ihrem Leben warteten. In ihnen hausten Arme, Ausländer und viele Studenten, und die meisten wollten, wenn sie ehrlich zu sich selbst waren, nur von dort weg. So gingen sie auch mit der Gegend um, in der sie hausten. Stefan fand das Wort „Wohnhaft“ auf Formularen und amtlichen Dokumenten immer wieder sehr passend, seit er hier lebte. Niemand erwarte ein Heimatgefühl gegenüber einem Gefängnis!

Ich gehe im Moment schwanger mit der Absicht, einen Roman zu schreiben, und dieser kleine Absatz ist eine erste Stilprobe für die gnadenlose Tristesse, die ich darin zu fassen gedenke…