Archive for Januar, 2009


Gläubige »Wissenschaft«

Wer seinen Glauben bestätigen und auf andere Menschen ausbreiten will, und dabei jedes existierende Wissen für unbeachlich erklärt, betreibt keine „Wissenschaft“, nicht einmal eine „Grenzwissenschaft“, sondern eine „Glaubenschaft“. Die Alltagssprache nennt diese „Glaubenschaft“ schlicht „Aberglaube“, wohl auch deshalb, weil diese hoffnungslos Gläubigen jeder sicheren Erkenntnis ihr „Aber“ wie einen Abwehrzauber entgegen setzen. Der wahre Gläubige und der Kaufmann der Ware Gläubigkeit fürchtet sich vorm Wissen wie der Teufel sich vorm Weihwasser fürchten soll. :mrgreen:

Wer auftritt, als ob er sich berufen fühlte, die Menschheit davon zu überzeugen, dass ein freier Markt alle gesellschaftlichen Probleme mit „unsichtbarer Hand“ zur maximalen Zufriedenheit aller beteiligten Menschen löste, der kommt nicht mit einer Wissenschaft, sondern mit einer Mission; daran vermag auch der Aufdruck eines akademischen Grades auf der Visitenkarten nichts zu ändern. Er ist leider in seinem in scheinbar wissenschaftlicher Sprache verlarvtem Aberglauben genau so blind gegen die Wirklichkeit wie jeder andere fanatische Wirrkopf, und an Stelle von öffentlichen Ehrungen und einer medial millionenfach verstärkten Stimme für seine gefährlichen Hohlheiten sollte ihm besser eine hinreichende tägliche Dosis eines zentraldämpfenden Mittels gewährt werden — denn ein gefährlicher Aberglaube ist nicht nur tödlicher als ein Schnupfen, sondern auch um einiges infektiöser. Wie ein aufmerksamer Blick in ein gutes Geschichtsbuch beweist.

Greif zu!

Wird das Ihme-Zentrum zur Bauruine? - Jetzt hier kaufen!

Werte Werber für die „Neue Presse“,

da bei Ihnen offenbar eine gewisse Unklarheit über die angeschnittene Thematik herrscht, nur zwei kleine Klarstellungen:

Erstens war das so genannte „Ihme-Zentrum„, das gerade unter großem und werbendem Getöse der hannöverschen Journaille — auch das von Ihnen beworbene Blatt hat sich da durchaus speichelleckerisch und ohne eine Spur von kritischem Geist in der Bejubelung gierkranker Ideen hervorgetan — in einen so genannten „Lindenpark“ umgebaut werden sollte, schon unmittelbar nach seiner Fertigstellung eine Ruine. Wenn Sie Probleme damit haben, diese Aussage zu glauben, fragen Sie bitte einmal Menschen, deren Heimat seit Jahrzehnten Linden ist. Diese betrachten es auch mit großer Genugtuung, dass der derzeitige Investor wohl am Säckel krank geworden ist und sehen einer möglichen Sprengung dieses architektonischen Scheusales mit Freude und Lust auf ausgelassenes Feiern entgegen.

Und zweitens habe ich — ebenso wie jeder, der auch nur noch ein bisschen bei Troste ist — nicht das geringste Interesse daran, diese recht monströse Ruine zu kaufen, weil dabei schon ganz andere ihre Begegnung mit dem Insolvenzverwalter hatten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Der Nachtwächter

Quelle des Scans ist eine Außenwerbung für die hannöversche Boulevard-Zeitung „Neue Presse„, die hier selbstverständlich in weiß auf schwarz zum Kauf des Blattes und nicht etwa zum Kauf der Betonburg aufforderte. Aber dieser realsatirische Kontext hat mich schon zu einem sehr breiten Grinsen gebracht. Gruß an alle „Löwen“ aus Linden, und bis bald! Und. Gruß auch an Karl Nagel! :mrgreen:

Übers Bloggen (14): Design

Das Design bestimmt das Bewusstsein

Graffito

Wer ein Blog betreibt, steht schon früh vor einer gleichermaßen technischen wie ästhetischen Frage, die den eigentlichen Prozess des Bloggens nur am Rande berührt. Es handelt sich um die Frage, wie das Design des Blogs, seine optische Erscheinung, gestaltet sein sollte. Schließlich gilt es, unter den vielen verfügbaren Themes ein passendes auszuwählen oder sich selbst eines zu erstellen.

Die Frage ist keineswegs unwichtig. Das Blog lebt — wie jede andere Website auch — von seinen Inhalten und von dem oder den Menschen, die diese Inhalte als Abrieb ihres Lebens hervorbringen. Kein Leser schaut sich ein Blog mehr als höchstens zwei Mal an, weil er das Design des Blogs so gelungen findet, aber das heißt nicht, dass das Design keine Rolle spielte. Das Design erfüllt für ein Blog — und für jede andere Website — die folgenden wichtigen Aufgaben:

  1. Es präsentiert die Inhalte
  2. Es ermöglicht die Navigation in einer Website
  3. Es ist ein eindeutiges visuelles Erkennungszeichen

Wenn das Design eines Blogs diese drei Aufgaben in befriedigender Weise erfüllt und sich darüber hinaus dem interessierten Menschen nicht in den Weg stellt, ist es ein gutes Design.

Das ideale Design wird vom Leser eines Blogs niemals bewusst wahrgenommen, weil es ihn niemals in seinen Absichten behindert, und es schafft dabei doch einen unverwechselbaren Eindruck, der beim zweiten Besuch zu einer sofortigen Wiedererkennung führt. Dieses Ideal zu erreichen, ist sehr schwierig — aber es ist es wert, dass man bei der Gestaltung danach strebe.

Das Design präsentiert die Inhalte

Das Design hat kein Eigenleben jenseits der Inhalte, es ist ein Hilfsmittel zum Transport der Inhalte. Als solches verschmilzt es mit den Inhalten zu einer Einheit, und die Inhalte werden in dieser Einheit für interessierte Menschen zugänglich. Wenn ein Design aufdringlich ist und einen starken visuellen Appell an die Aufmerksamkeit des Betrachters enthält, denn hat es seinen Sinn völlig verfehlt. Es mag auf dem ersten Blick gut und attraktiv aussehen, es ist dennoch ein schlechtes Design. An diesem Maßstabe gemessen, sehen auch viele kommerzielle Websites eher schlecht aus.

Leider scheinen viele Menschen zu denken, dass ein Design vor allem „toll“ aussehen muss, und dementsprechend viele Blogs und sonstige Websites gibt es, die unnötig schlecht gestaltet sind.

Wer es besser machen will, sollte daran denken, dass das Farbschema, die Schriftarten und eventuelle Grafiken so gewählt sind, dass ein müheloses Lesen ermöglicht wird, während die Anordnung der einzelnen Elemente unmittelbar aufgefasst werden kann.

Das Design ermöglicht die Navigation

Wenn jemand einen Beitrag in einem Blog findet — die meisten neuen Leser kommen ja über eine Suchmaschine und werden von dieser direkt zu einem bestimmten Text im Blog geführt — der ihm interessant erscheint, denn möchte er in der Regel mehr lesen. Hier ist es die Aufgabe des Designs, andere Texte im Blog in einer angemessenen Weise zu erschließen. Dabei entstehen interne Links im Blog, die zunächst unabhängig von den betrachteten Inhalten sind und deshalb klar von ihnen abgegrenzt sein sollten, aber doch für den flüchtigen Leser in ihrer Funktion kenntlich und leicht auffindbar sein müssen.

Im „klassischen“ Blogdesign wurden diese Inhalte an die linke oder rechte Seite des Layouts gestellt, mit optischen Mitteln (Hintergrundfarbe, Schriftgröße) vom Inhalt separiert und mit kurzen Überschriften versehen. So „abgegriffen“ das inzwischen wirken mag, es ist auch ein sehr guter Entwurf, der sich nur schwer mit einem eigenen Konzept verbessern lässt — zumal sich inzwischen auch viele Menschen an diese Art der Navigation gewöhnt haben und mit Unverständnis auf „kreative“ Eigenentwicklungen reagieren. Wer dieses Konzept der Navigation durch ein eigenes ersetzen will, sollte besser sehr gründlich darüber nachdenken.

Interessanterweise gibt es immer wieder Theme-Designer, die in ihrem Streben nach einem „Alleinstellungsmerkmal“ ausgerechnet in der Navigation Experimente mit neuen Konzepten machen. Mal wird die gesamte Navigation an den unteren Rand des Blogs gedrängt, so dass der Leser erst einmal scrollen muss, um sie zu sehen; und ein anderes Mal wird die Navigation teilweise mit JavaScript versteckt, so dass der Leser erst herausfinden muss, wie er interessierende Teile „aufklappen“ kann. Letzteres ist besonders ungünstig, weil es die Navigation aufwändiger macht (was auch in der Ladezeit bemerkbar wird), weil es an ein grundlegendes Element der Site an eine technische Voraussetzung bindet (etliche Menschen schalten JavaScript ab) und ein wichtiges Hilfsmittel für den Zugang zu den Inhalten zudem für den Leser undurchschaubarer gestaltet. Dennoch sehe ich so etwas immer wieder — vermutlich, weil viele es einfach „cool“ finden, wenn ein Menü langsam aufgeklappt wird und sich deshalb nicht nach dem Wert und den möglichen Nachteilen solcher Spielereien fragen.

Das Design ist ein Erkennungszeichen

Diesen Punkt stelle ich an letzter Stelle, obwohl er für viele das Wichtigste zu sein scheint. Natürlich muss eine Website auch durch ihre Gestaltung unverwechselbar sein, sie darf nicht exakt wie hunderte andere aussehen. Aber eine Website, die durch ihre Gestaltung unverwechselbar geworden ist, hat dennoch ihr Ziel verfehlt, wenn sie dabei nur noch mit Mühe zu benutzen ist.

Die meisten Standard-Themes für Blogs sind sehr gut. Wer ein Design für sein Blog sucht, schaue sich zunächst die Standards an! Oft ist es möglich, ein eigenes und unverwechselbares Design aus einem bereits bestehenden zu machen, indem das Farbschema ein wenig angepasst wird und die Titelgrafik gegen ein individuelles, auf die eigenen Farben abgestimmtes Bild ausgetauscht wird. Das ist der müheloseste Weg zum eigenen Design, der darüber hinaus mit geringem Aufwand zu einem schnellen und guten Ergebnis führt. Den geringen Aufwand freilich, den sollte niemand scheuen.

Dennoch: Wer ein wirklich eigenes Erscheinungsbild für sein Blog möchte, kommt nicht umhin, sein Theme selbst zu erstellen (oder es von jemandem erstellen zu lassen, der das gut kann).

Allgemeine Designregeln

Ich selbst entwerfe immer wieder einmal eine Website, und ich habe dabei die folgenden Grundsätze für meine Gestaltung, die vielleicht auch für andere Menschen hilfreich sein können:

Notwendigkeit — Bei jedem Element auf der Website frage ich mich, ob es unter den Gesichtspunkten der Präsentation, Navigation oder der Erkennbarkeit wirklich erforderlich ist, und nicht erforderliche Elemente lasse ich einfach weg. Dabei entsteht ein minimales Design, aus dem im Idealfall nichts mehr entfernt werden kann.

Übersicht — Wie wirkt eine Website auf dem ersten Blick? Es ist gut, wenn sie dabei aufgeräumt und durchschaubar aussieht und dem Leser in einer klaren Struktur begegnet. Unverständliche Websites schüchtern ihre Besucher ein, geben ihnen das Gefühl, sich in einem fremden Teil der Welt aufzuhalten, den sie schnell wieder verlassen möchten. Ein möglicherweise interessierter Leser fühlt sich durch eine solche Einschüchterung schon abgestoßen, bevor er auch nur mit dem Lesen begonnen hat, dies wird immer auch auf die Rezeption der Texte rückwirken. Es sollte daher vermieden werden.

Klarheit — Sind alle Elemente in ihrer Funktion kenntlich? Ist es zum Beispiel möglich, auf dem ersten Blick einen Link zu erkennen, oder wird er erst durch Darüberstreichen mit der Maus so deutlich ausgezeichnet, dass er sich klar vom unverlinkten Text abhebt. (Das ist nur eines der vielen Probleme, die ich immer wieder sehen muss.) Wenn bestimmte Angebote über Piktogramme angeboten werden (zum Beispiel der RSS-Feed): Entsprechen diese Piktogramme dem Standard oder wenigstens der Gewohnheit und sind sie damit sofort in ihrer Funktion auffassbar?

Grafikfreiheit — Wie sieht die Site aus, wenn jemand keine Grafiken lädt? Ermöglichen die gesetzten Hintergrundfarben dann immer noch den mühelosen Zugang zu allen Inhalten? Haben alle Elemente, die durch Grafiken realisiert werden, einen verständlichen, alternativen Text? Auch wenn jeder zu glauben scheint, dass jeder Mensch DSL hat, kommt im Moment immer noch ein gutes Drittel meiner Leser über schmalbandige Zugänge auf diese Site, und die erfahreneren Schmalbandnutzer werden Ladezeit sparen, indem sie Grafiken nicht automatisch vom Browser laden lassen, sondern explizit nachladen. Es ist keine gute Idee, einem ganzen Drittel der Leser Steine in den Weg zu legen.

Skriptfreiheit — Ein völliger Verzicht auf JavaScript ist nicht immer durchführbar. Dennoch gibt es Menschen, die — vor allem aus Sicherheitsgründen, zum Schutz ihrer Privatheit vor gewissen Formen der Datensammlung oder wegen der immer wieder in den Browsern ausgenutzten Programmierfehler — JavaScript explizit ausschalten. Kann die gesamte Grundfunktion der Site auch ohne JavaScript genutzt werden? Dies sollte immer der Fall sein. Gibt es für einen Menschen, der ohne JavaScript surft, sinnlose Elemente? Dies ist — so weit es eben geht, und es geht erstaunlich weit — zu vermeiden. Ein Design, das ohne JavaScript nicht mehr richtig funktioniert, taugt nichts.

Fehlertoleranz — Was sieht jemand, der eine erfolglose Suche nach einem Begriff präsentiert bekommt? Ist die Meldung hilfreich? Was sieht jemand, der einem ungültig gewordenen Link auf die Site folgt? Wie ist die Fehlermeldung formuliert, enthält sie Hinweise auf eine mögliche Abhilfe für das Problem? Oder handelt es sich nur um die „nackte“ Meldung des Webservers, die einem Menschen doch eher kalt entgegentritt und deshalb besser vermieden werden sollte? Ein absolutes Positivbeispiel aus meiner Feder ist der Fehler 404 auf der Website der White Darkness, aber in aller Regel mache auch ich mir weniger Mühe… 😉

Pflegbarkeit — Auch, wenn diese kindischen, animierten Baustellen-Schilder aus der Mode gekommen sind (und dafür die Auszeichnung einer Site als „beta“ fast ein Markenzeichen gewisser Unternehmen geworden ist, als sei es plötzlich für die Menschen ein besonderer Vorzug, mit unreifer Software zu arbeiten), ein Projekt im Internet ist niemals fertig. Es kommt auch immer wieder dazu, dass für bestimmte Erweiterungen das Design ein wenig nachbearbeitet werden muss. Deshalb ist die Frage, wie verständlich der Code für einen selbst oder gar für andere Menschen nach einer längeren Zeit noch ist, wirklich wichtig — und auch ich durfte immer wieder die Einsicht haben, dass eigener Code nach ein paar Monaten genau so schwer wie fremder Code zu lesen ist. Sind die CSS-Klassen nachvollziehbar benannt? Sind ungewöhnliche Vorgehensweisen (oft wegen der Inkompatibiltäten zwischen den Browsern) mit einem kurzen Kommentar im Quelltext erläutert? Ist es auch nach längerer Zeit noch möglich, sich schnell in das ganze Design hereinzulesen und es wie gewünscht anzupassen, oder wird jede kleine Änderung zu einem „Staatsakt“, der fast so aufwändig wie ein Neubeginn wird? Es lohnt sich, wenn man bereits beim Entwurf daran denkt, dass irgendwann einmal Nacharbeiten fällig werden — zumal manche Nacharbeiten dringend werden, weil Cracker bestimmte Schwächen aktiv ausnutzen.

Mit diesen einfachen Punkten im Kopfe ist es recht einfach, ein gutes Design zu erstellen. Was darüber hinaus noch benötigt wird, ist ein guter Geschmack, damit das Theme auch thematisch zum Blog und seinen Inhalten passt.

Das Kreuz und das Wetter

Es ist doch immer wieder interessant, in welcher Weise Politik und Journaille im Rahmen jeder Wahl versuchen, einen direkten oder doch wenigstens semantisch mitschwingenden Zusammenhang…

Regenwetter und geringe Beteiligung an der Wahl… In Hessen ist das Wetter schlecht und die Wahlbeteiligung bisher auch nicht berauschend...

…zwischen der seit vielen Jahren beständig sinkenden Wahlbeteiligung und dem Wetter herzustellen. Bei dieser „Argumentation“ ist das eigentliche Wetter stets völlig gleichgültig — scheint die Sonne wärmevoll vom blauen Himmel herab, denn haben die Menschen eben etwas Besseres zu tun, als zur Wahl zu gehen; fällt hingegen der Regen trief aus grauen Wolken, denn wollen die Menschen gar nicht das Haus verlassen und gehen „folglich“ auch nicht zur Wahl.

Das Gelogene darin ist offensichtlich und eröffnet sich daher auch dem stumpfesten Verstand. War das Wetter denn in früheren Jahrzehnten „wahlfreundlicher“? Oder ist es etwa so, dass Menschen andere, für sie persönlich wichtige Wege nicht machten, weil das Wetter gerade einmal etwas unangenehm ist? Jahr für Jahr und Wahl für Wahl wird, so bald sich das Thema nicht mehr vermeiden lässt, dass die „Volksherrschaft“ zunehmend ohne das Volk auskommt, die gleiche faule Lüge hervorgezaubert, um auch ja jedes weitere Nachdenken über diese Entwicklung zu ersticken und die politische Kaste in der BR Deutschland immer weiter von den Menschen in Deutschland zu „emanzipieren“.

Wer sich das „Vergnügen“ gibt, heute abend die als aktuell und wichtig verkaufte Berichterstattung in der Glotze zu erleben, wird diesen ziemlich faulen Trick zum Dummenfang gewiss noch etliche Male in die Ohren gesendet bekommen.

In Wirklichkeit gehen die Menschen nicht wegen des Wetters nicht zur „Wahl“, sondern weil ihnen die gegenwärtigen politischen Angebote gar keine Wahl lassen — und wenn denn auch noch so ein faules, einer Bananenrepublik würdiges Schauspiel hinzukommt wie die Vorgänge nach der letzten Wahl zum Hessischen Landtage, denn gesellt sich hierzu der überdeutliche Eindruck, dass das Ergebnis der Abstimmung völlig irrelevant geworden ist. Wer würde da noch wählen gehen, wenn diese Tat von einem lichtscheuen politischen Gesindel und seinen Schergen in der Journaille für weit gehend unbeachtlich erklärt wird?

Quelle des Screenshots: Google News

Wie die Lemminge

Wenn Menschen völlig irrational und kollektiv ins Verderben laufen, spricht die Umgangssprache davon, dass sie sich „wie die Lemminge“ verhalten. Diese Aussage nimmt Bezug darauf, dass Lemminge zuweilen einen Massenselbstmord begehen würden, indem sie sich bei starker Überbevölkerung auf ihren Wanderungen instinktiv von den Klippen in den Tod stürzen, um ihre Population in einem Rahmen zu halten, der die Art nicht gefährdet.

Das Interessante daran ist, dass Lemminge so etwas niemals tun, und dass dennoch viele Menschen zu glauben scheinen, dass sie es doch täten. Dieser Glaube hat seinen Ursprung im Dokumentarfilm „Abenteuer in der weißen Wildnis“ (englisch: „White Wilderness“) aus dem Jahre 1958 von Walt Disney, der übrigens auch mit dem Oskar für den besten Dokumentarfilm des Jahres ausgezeichnet wurde. Dieser Film war in der Tat ein großes Projekt, er wurde über einen Zeitraum von drei Jahren in der arktischen Wildnis Kanadas aufgenommen. Offenbar hatte man sich vorgenommen, auch einen solchen „Massenselbstmord“ in „den Kasten“ zu bekommen, aber da er in Alberta gedreht wurde, wo es gar keine Lemminge gibt, erwies sich dieses Unterfangen als nicht durchführbar. Deshalb wurden einige Tiere von den Eskimos gekauft, um mit diesen Tieren und ein paar technischen Tricks und handgreiflichen Manipulationen alle Szenen zu fälschen — einschließlich der Szene, in welcher sich die Lemminge von den Klippen stürzen. Sie gingen nicht in den Tod, die gar nicht lebensmüden Tiere wurden ganz einfach in den Tod geworfen, um das gewünschte Bild zu haben; den Rest der Illusion besorgt eine beeindruckende Perspektive, eine Reihe von geschickten Schnitten und ein Sprecher, der diese Bilder mit sachlicher Stimme und bewegenden Worten kommentiert. So arbeiten eben wahre „Naturfreunde“, wenn sie eine Dokumentation machen! :mrgreen:

Und dies alles nur, um zu Unterhaltungszwecken ein spektakuläres und gut verkäufliches Bild von der „Wirklichkeit“ zu haben, auch, wenn dieses Bild mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Auf diese Weise entstand durch die mentale Massenstanze des populären Kinos ein moderner Mythos, der bis heute tradiert wird, der Sprache und Denken seinen Stempel aufdrückte und sogar seinerzeit recht beliebte Computerspiele hervorbrachte, obwohl sich kaum noch ein Mensch des Ursprunges dieses Mythos bewusst ist.

Wenn Menschen also „wie die Lemminge“ massenhaft in ihren offenbaren Untergang rennen, haben sie darin kein biologisches Vorbild. Dass ein solches, wenig lemminghaftes aber typisch menschliches Verhalten in der gegenwärtigen Zeit häufig davon begleitet wird, dass diese Menschen medial vermittelten „Informationen“ mehr Vertrauen schenken als ihrer eigenen Wahnnehmung und dem Fühlen ihrer eigenen Bedürfnisse, passt auf diesem Hintergrund ganz ausgezeichnet.

Besucherzähler 1.2

Nachdem ich jetzt schon seit Monaten Fehlerberichte erhalte, dass die Version 1.1 meines WP-Widgets Besucherzähler im Zusammenhang mit einigen Themes zu Fehlern führt, habe ich mich mal erbarmt und meinen Fehler (ja, es war einer!) hoffentlich behoben. Die neue Version sollte — so weit ich das absehen kann — keine derartigen Probleme mehr bereiten.

Download-Link: WordPress-Widget Besucherzähler (Version 1.2)

Viel Spaß damit, und wenn noch ein Fehlerchen drin ist, sagt mir bitte Bescheid. (Es kann aber manchmal etwas dauern, weil ich nicht immer einen zum Arbeiten geeigneten Computer zur Verfügung habe.)

Mein früheres WordPress-Theme „Lichternacht“ hat in der Version 1.1 ein Problem mit den neueren WordPress-Versionen gehabt. Wenn man seine Beiträge mit dem WYSIWYG-Editor verfasste und die Bilder über den neuen Bilduploader einfügte, dann wurden die dort angegebenen Bildformatierungen nicht angewendet. Es war also nicht möglich, ein umflossenes Bild auf der linken oder rechten Seite des Textes zu platzieren.

Ich habe diesen Fehler nicht bemerkt, weil ich inzwischen ein anderes Theme verwende und weil ich den Upgrade auf die aktuellen WordPress-Versionen scheue wie der Teufel das Weihwasser — ich bin darauf angewiesen, dass sich mein Blog auch über einen „schmalbrüstigen“ Computer flüssig benutzen lässt, das ist mit den neuen Versionen nicht der Fall — habe ich dieses Problem nicht bemerkt. Nachdem ich von einigen Anwendern des Themes darauf angesprochen wurde, habe ich heute den Fehler analysiert und behoben. Die neue Version steht hier zum freien Download zur Verfügung.

Schnellupgrade

Im Theme hat sich nur eine Datei verändert, die style.css. Für jene, die das Theme bereits verwenden, ist es also möglich, nur diese Datei auszutauschen; deshalb wird sie hier auch zum freien Download gestellt.

Download-Link: Die style.css für den ganz schnellen Upgrade auf Lichternacht 1.2

Viel Spaß damit! 😉

Frank (bei einem entspannten, lockeren Austausch zur Zukunft der White Darkness und dem freien Fluss versponnener Ideen): „Wir sollten vielleicht einmal eine wirklich exklusive Parabelflug-Party machen, unter dem Motto: ‚Schwerelosigkeit erleben‘.“

Nachtwächter: „Das kann man aber auch im freien Fall.“

Richtung und Garheit (18)

Durchsicht und Einsicht — Die Medien sollten das öffentliche Leben durchsichtiger und damit einsichtiger machen. Statt dessen machen sie das Privatleben öffentlich, ohne dass dies zu besonderen Einsichten führt.

Unterhaltungsmedien — Die vorgebliche Aufgabe des Journalismus, die Vermittlung von Informationen, ist immer mehr dem Anspruch der Unterhaltung gewichen. Die beste Zusammenfassung kommt von denjenigen Fernsehsendern, die ihre Bespaßung als Aufklärung verlarven und zur Bezeichnung ihrer mit Spielszenen angereicherten, vereinfachenden und oft verfälschenden Machwerke vom „Infotainment“ oder vom „Dokutainment“ reden. Es ist gar kein Wunder, dass das „Dritte Reich“ dabei einen beliebten Themenkreis abgibt, die Auftritte von Adolf Hitler und seiner psychopathischen Selbsthilfegruppe hatten schon damals einen immensen Unterhaltungswert — und wurden ganz groß inszeniert.

Dildo im Spiegel — Der Spiegel ist keineswegs erst in jüngerer Zeit so schlecht geworden, obwohl man erst in jüngerer Zeit immer öfter im Internet das passende Wort vom „ehemaligen Nachrichtenmagazin“ liest. Der Spiegel hat — ich erinnere mich noch gut, denn ich las dieses Blatt damals noch — vor einigen Jahren einmal das Meinungsforschungsinstitut Emnid dafür bezahlt, dass es eine Umfrage unter Jugendlichen mache. Die wichtigen „Erkenntnisse“ aus dieser Umfrage wurden dann groß publiziert — zum Beispiel die Erkenntnis, dass zwei Drittel der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren zu wissen angaben, wofür ein Dildo eigentlich gut sei.

Der Schwanz des Präsidenten — Als der damalige US-Präsident Bill Clinton seine Praktikantin gevögelt hatte und das nicht geheim halten konnte, war dies in einem Land wie den USA, in dem vor starrer Prüderie nicht einmal eine Brustwarze auf einem Titelbild zu sehen sein darf, wie eine Befreiung. Noch die seriöste Zeitung und noch der pädagogischte Fernsehkanal konnte sich der peniblen Beobachtung des Genitales des Präsidenten hingeben und dabei so tun, als handele es sich bei diesem sichtbar lustvollen Tabubruch um richtigen Journalismus.

Echo der Frau — Wenn in der BR Deutschland einmal eine Frau Kanzlerin ist, dann interessiert sich die medial gelenkte, öffentliche Aufmerksamkeit nur noch für das Aussehen dieser Frau, nicht mehr für irgendeine Leistung. Seltsam, an Günter Verheugen und Hans-Dietrich Genscher hat niemand diesen Maßstab angelegt. Aber die verblendete Blindheit der Medien und ihrer Rezipienten macht es jedem Schauspieler leicht, auch noch die fragwürdigste Politik zu verkaufen, und der Raum, in dem Schauspieler für ihre Rolle zurecht gemacht werden, trägt nicht zu Unrecht den sprechenden Namen Maske.

Bilder statt Bildung — Wenn etablierte Printmedien sich im Internet breit machen, wenn sie der dort üblichen Wertschöpfung beim Publizieren durch die Vergällung der Inhalte mit aufdringlicher Reklame Tribut zollen, wenn sie wegen der Geringwertigkeit der klickrigen Reklamecents einer möglichst breiten Aufmerksamkeit bedürfen, geht das immer auf die Qualität. Noch die seriöste Zeitung nimmt im Internet einen boulevardeskes Geruch auf; versucht ihre Leser, auf lange Klickstrecken und Inhalte beachtlicher Nutzlosigkeit zu führen; wird allem ähnlich, wovon sie sich eigentlich abgrenzen sollte, um sich in die immer kleiner werdende Nische für „richtigen“ Journalismus in geeigneter Weise zu platzieren. Wenn immer häufiger die unausgesprochene Parole „Bilder statt Bildung“ für die Journaille prägend wird, sollte man sich dort auch nicht darüber wundern, wenn die Menschen sich lieber gleich an die Originale dieses Stiles wenden; an die „Bildzeitung“, an die diversen Arsch- und Tittenblätter und an das Nullmedium des Fernsehens.

Die Fahrenden

Sie werden Astronauten genannt, Seefahrer zu den Sternen. Oder sie werden Kosmonauten genannt, Seefahrer in den Weltraum. Doch alles, was sie tun, ist nichts als ein teures Fliegen in unmittelbarer Erdnähe, ein Hochflug-Verkehr. Während von einigen Lebenden in solch blendenden Bezeichnungen und in abgehobenen Computerbildern der technischen Allmachbarkeit der Traum vom „eroberten“ Raum gesponnen wird, verwandelt sich die Erde unter dem Alptraum eines allseits verlangten, stetigen Wachstums des Wachstums mit exponentieller Dynamik in eine lebensfeindliche Wüste, und die Bewohner dieser entstehenden Wüste fahren unter der Forderung der „Mobilität“ jeder mit seinem eigenen Motor und einem großen Haufen Blech Tag für Tag vom Bett zum Betrieb zum Bett. Was für eine irre „Seefahrt“, die noch vor jeder richtigen Erkundung des Gewässers damit beginnt, ihren Heimathafen zu zerstören, um sich in Zugzwang für die Seefahrt zu brigen; was für eine Seefahrt der Irren!

Sie müssen nicht die Wahrheit sagen…

Er sagte bei Zigarette und Bier: „Lotto zum Beispiel, das spiele ich eigentlich nie. Aber ich habe jeden Morgen mein Radio laufen. Wenn es einen hohen Jackpot im Lotto gibt, denn höre ich das im Radio. Nicht nur in der Werbung, sondern auch mitten in den Sendungen und sogar noch in den Nachrichten. Alle paar Minuten wird denn ein ganz fetter Betrag angesagt, viele Millionen Euro, die man gewinnen kann. Immer wieder. Und dann komme sogar ich auf die Idee, ich könnte ja mal Lotto spielen. Jemand muss dieses Geld ja gewinnen, warum sollte nicht ich das sein. Jeder, der im Bad das Radio an hat, hört das. Alle paar Minuten. Jeder, der mit dem Auto zur Arbeit fährt und das Radio an hat, hört das. Alle paar Minuten. Warum müssen die im Radio nicht die Wahrheit sagen? Zum Beispiel so: ‚Es haben wieder viele Idioten versucht, den Jackpot zu knacken, und sie haben es nicht geschafft. Willst du auch dazugehören? Denn spiel einfach nächsten Samstag mit!‘ Bei der Ansage hätte ich bestimmt niemals mitgespielt.“

Mit Gruß an F.

Lasst mich mit dem Krieg in Ruhe!

Lass mich mit diesem verdammten Krieg in Ruhe! Er hat mit meinem Leben nichts zu tun, und wenn du ehrlich zu dir selbst bist, hat er auch mit deinem Leben nichts zu tun. Was weißst du darüber? Weißt du mehr als ich? Wir wissen nur, was wir gewusst werden sollen; gewusst werden sollen von jenen, die diesen Krieg zu ihrem Krieg machen. Überall. Wo sich dieses Mordsgeschäft lohnt. Und auch hier, in der BR Deutschland.

Was habe ich mit Israel zu schaffen? Was hast du mit Israel zu schaffen? Was habe ich mit Palästina zu schaffen? Und. Was hast du mit Palästina zu schaffen? Ich kenne dort niemanden, sonst hätte ich mehr Interesse, ganz gewiss. Vielleicht würde ich meine Seele sogar auf eine Seite drängen lassen, wenn ich dort nur jemanden gut und wie einen Freund kennte; auf eine von diesen zwei Seiten, in denen die Propaganda alles Menschliche aus den Seelen der Menschen herausgeätzt hat, um allein den tierhaften und bewusstlosen Rudeltrieb, ein nacktes, barbarisches Hordenmorden zurückzulassen. Ich kenne dort niemanden, und ich bin — ganz ehrlich gesagt — sehr froh darüber. Ich müsste mich sonst ständig mit diesem verdammten Morden beschäftigen, ich wäre sonst doch dabei, auch wenn ich gar nicht vor Ort wäre.

Ein Thema ist für mich nicht schon deshalb wichtig, weil mir von allen Medien in alle meine Sinne hinein erzählt werden soll, dass es ein für mich wichtiges Thema ist. Auch dann nicht, wenn alle Blogs und viele Foren dieses Geschwätz der Medien wiedergeben, als wenn die dort schreibenden Menschen kein eigenes Leben hätten. Es ist nicht mein Krieg. Und ich werde nicht von dahergelaufenen Mörderbanden an diesem Krieg beteiligt gemacht. Schlimm und beschämend genug ist es, dass sich der Staat, in dessen Grenzen ich vegetiere, allzugern daran beteiligt. Aber dieser Staat hat nichts mit mir zu tun, und ich nichts mit ihm — bis auf das tägliche „bisschen“ Gewalt, das jedem Menschen in jedem Staat in jedem Moment seines Lebens angetan wird. Ein Staat ist nur monopolisierte Gewalt, im Zweifelsfall auch mal in ihrer rohesten Form. Mehr nicht.

Aber sicher, ich habe die Bilder gesehen. Ich lebe schon zu einem guten Drittel im Internet, und ich lese Blogs. Im Moment lese ich sogar Blogs aus einem „Nahen“ Osten, der gar nicht so nahe ist. Und. Ich merke wieder einmal, dass ich die falschen Sprachen gelernt habe, denn ich kann weder Arabisch noch Iwrith. Was ich in englischer Sprache lese, ist schon für die Außenwirkung geschrieben, ist schon Propaganda. Mehr nicht. Und es klingt auch genau so kalt. (Und niemand komme mir mit automatischen Übersetzungen durch Google! Das klappt nicht mal zwischen verwandten Sprachen in brauchbarer Qualität.)

Und ja, ich habe die Bilder gesehen. Tote Kinder mit Schusswunden, von Trümmern erschlagen, mit abgetrennten Körperteilen, als aus dem Schutt herausragendes Gesichtchen; im Foto zu stehendem Schrecken erstarrtes Entsetzen der Menschen umher. Wenn ich ein Fotograf wäre, der für propagandistisch gut verwendbare Fotos bezahlt würde, denn würde ich auch genau solche Bilder zu machen suchen — ich müsste ja davon leben. Ich bin zum Glück kein Fotograf, der für solche Bilder bezahlt wird. Es ist das, was ich sehen gemacht werden soll — und auf einer anderen, für den Rest der Welt niemals sichtbaren Seite steht das, was ich nicht sehen gemacht werden soll. Der Krieg sieht aus, wie der Krieg aussieht. Er ist barbarisches, mechanisch ausgeführtes und inzwischen technisch perfektioniertes Morden. Massen-Morden. Der Krieg produziert genau das, was jeder Krieg produziert: Gewaltsam abgeschnittenes Leben, zerstörte Möglichkeiten, eine kalte Verachtung des wunderbaren Geschenkes des Daseins und Bewusstseins. Er ist das genaue Gegenteil der Moral, auf die sich die Menschen, die solche Kriege veranlassen und aktiv unterstützen, in ihren verlogenen Sonntagsreden berufen.

Kinder sind gut für die Propaganda. Sie sehen niedlicher aus als Erwachsene, selbst dann noch, wenn sie leiden, hungern oder tot sind. Das weiß jede vorgeblich wohltätige Organisation, die zum Jahresende Kinder in die Kameras hungern lässt, um Spendengelder zu locken. Immer mit einer dekorativen Fliege unterm Auge. Nichts ist so normal wie Kindesmissbrauch. Nicht nur im Krieg. Sondern. Immer, wenn es darum geht, die Seelen von Menschen mit eindringlichen Bildern zu vergewaltigen.

Also lass mich mit diesem Krieg in Ruhe, wenn du nichts weiter als ein paar Bilder hast. Was habe ich mit Israel zu schaffen? Sicher, dieser Bestseller namens Bibel spielt in dieser Landschaft, und ein gewisser Jesus aus Nazaret ist dort angeblich ermordet worden, weil er einfach nur die religiöse Idee hatte und auch noch energisch in der Öffentlichkeit vertrat, dass man zur Abwechslung mal ein bisschen nett miteinander umgehen sollte, statt zwangsneurotisch einen kalten und für eine Minderheit geschäftlich lukrativen Kult zu pflegen. Aber das ist nicht der Krieg von Mose, das ist nicht der Krieg von Jesus, das nicht nicht der Krieg von Mohammed. Sie können alle drei nichts dafür, dass sich die Verbrecher aller Zeiten gern der Religion bedient haben, um Menschen zum Morden anzustacheln. Sie sind alle drei gescheitert, auf ganzer Linie gescheitert. Es ist der Krieg von sicher im Bunker sitzenden Politikern, ausgeführt von Menschen, die nach einer lebenslangen Gehirnwäsche in ihren Staaten ihre eigenen menschlichen Bedürfnisse nicht mehr kennen und sie deshalb mit den Bedürfnissen von Politikern verwechseln. Das macht gefügig. Den Rest besorgt im Zweifelsfall die Religion, die billige und willige Hure der Politik. Wenn man irgendwann wieder miteinander redet, kriegen die Mordredner vielleicht auch wieder einmal einen Friedensnobelpreis verliehen. Im feierlichsten Rahmen, aus der Hand des Königs, zu wunderschöner Musik, umgeben von anderen Politikern und vergleichbarem Abschaum. It fills me with an urge to defecate.

Selbst hier im kriegsfernen Deutschland macht die Religion als Nutte der Politik ihre Beine breit — heute erst hat mir beim Betteln ein christlicher Fundamentalist eine Kante ans Bein geredet, wie wichtig dieser Krieg doch „in Wirklichkeit“ sein soll. Sein Tonfall wurde zunehmend fanatisch, als ich ihm klar machen wollte, wie meschugge seine irrationalen Aussagen sind, und ich glaube, er hätte am liebsten vor lauter göttlicher Liebe für Israel an der Front mitgekämpft. Auf seinem etwas zu dick geratenen Auto, in das er schließlich einstieg, um einen wie mich wohl endgültig hinter sich zu lassen, prangte ein Aufkleber mit israelischer Flagge und hirnlosem Schlachtruf: „Israel ist der Zeiger an der Uhr Gottes“. Bei solcher „Zeitmessung“ ist es gar kein Wunder, dass jemand nicht mehr richtig tickt. Und nein, der Typ war nicht in irgendeiner obskuren Sekte, sondern ein ganz normaler Baptist. Was der in seiner Kirche hört, will ich gar nicht mehr wissen.

Dieser Krieg ist Politik, mehr nicht. Und. Es wird nach diesem Krieg keinen Sieger geben — höchstens vielleicht einen Wahlsieger im Staate Israel. Es ist eben Politik, und ich habe mit Politik nichts zu schaffen. Ich halte nichts von Gewalt, nichts von der Einschüchterung der Menschen durch subtile oder offenbare Todesdrohung. Das ist nicht mein Leben. Und. Ich mache es nicht zu meinem Leben. Und. Ich werde mich aufs bitterste zur Wehr setzen, wenn andere es mit Gewalt zu meinem Leben machen wollen.

Und erzähl mir jetzt bloß nicht, dass dieses Israel für mich wichtig sein soll, nur weil ich in Deutschland lebe und weil ein paar Generationen vor mir die Zeitgenossen meiner Großeltern diesem Irren aus Östereich zugejubelt haben, nachdem er ihnen harte Arbeit für jeden, Krieg, die Vertreibung und Ermordung der Juden und ein Leben in Sibirien versprach! Ich bin nur für das verantwortlich, was ich selbst tue und lasse — und ich habe aus allem, was mir von Menschen aus dieser üblen Zeit erzählt wurde, eines gelernt: Es gibt keine Toleranz gegenüber der Barbarei, die einem gegenübertritt. Egal, woher sie kommt. Egal, wohin sie zu führen vorgibt. Und. Es gibt keine Alternative zum Bewusstsein und zur eigenen Verantwortung, wenn der Barbarei kein Raum gegeben werden soll. In allem. Was man tut. Und in allem. Was man lässt.

Dazu gehört auch, dass man die Mechanismen erkennt, mit denen Menschen manipuliert werden. Denn die Barbarei des staatlichen Mordens setzt die gezielte Manipulation von Menschen voraus.

Wenn du Nachrichten schaust, denn kennst du doch auch diese Landkarten, die eingeblendet werden, wenn eine Meldung über eine bestimmte Region dieser Welt verlesen wird, oder? Da ist jede Region gleich groß. Dieses winzige Israel, das mal gerade den Flächeninhalt von Niedersachsen hat, es ist auf der Karte genau so groß wie die USA oder wie der ganze afrikanische Kontinent. Das stanzt Bilder ins Gehirn, denn die gleiche Größe suggeriert gleiche Wichtigkeit. Auch Wichtigkeit dort, wo sie gar nicht da ist.

Da sind aber Reporter, sie sind scharweis in Israel. Jede Agentur, jeder Fernsehsender, jede große Zeitung hat da ihre Reporter, weil es da immer etwas zu berichten gibt. Die Reporter sind für die Politik das, was die Schmeißfliegen für einen Kadaver sind. Sobald der Kadaver den typischen Geruch eines Kadavers entwickelt, wird er von nuckelnden Schmeißfliegen umsummt. Und sobald die Politik deutlich als das erkennbar wird, was sie in Wirklichkeit immer ist, nämlich mörderische Gewalt, wird sie von Reportern umsummt. Es bedarf der geilen Bilder und Meldungen als Content, um die Werbeplätze gut verkaufen zu können. In Israel gibt es diese Bilder fast täglich: Die kleine Schießerei; die Demonstration, aus der heraus die Steine fliegen und die mit Waffengewalt aufgelöst wird; den Idioten mit Sprengstoffgürtel im vollen Bus; Fundamentalisten, die mit symbolischen Gesten Gewalt provozieren wollen — jeder Tag hält ein gut verwertbares Stück Barbarei bereit. Und jeder einzelne Tote kann eine Meldung werden, die mehr Zeit in Anspruch nimmt als ein kleineres innenpolitisches Thema, das die Menschen viel direkter in ihrem Leben betrifft. Gut, die Barbarei ist zwar nichts Neues mehr, aber sie ist doch wenigstens immer wieder aktuell. Und nach und zwischen den ganzen schlechten Nachrichten das eigentliche Programm, die Inhalte, für die man wirklich Journalismus betreibt: Reklame, die das Blaue vom Himmel verspricht, das Evangelium des Konsumismus.

Hatte ich eben schon gesagt, dass die Israelkarte in den Nachrichten genau so groß wie der ganze afrikanische Kontinent ist? Ja, das hatte ich. Nicht nur in den Karten ist die Sicht verzerrt, in den Meldungen ist sie es auch. Während sich die Menschen im Nahen Osten gegenseitig tot und zu Krüppeln schießen, verhungert nämlich Afrika. Und die da verrecken, das sind nicht „nur ein paar Kinder“, das ist jeden Tag eine ungezählte, aber gesichert fünfstellige Anzahl Menschen. Nach einem Leben in Schwäche und Verzweiflung und Aussichtslosigkeit und Siechtum. Nicht wegen der Kriege oder wegen der Naturkatastrophen oder wegen der Missernten (die kommen auch noch manchmal dazu), sondern wegen der Bedingung permanenter Unterernährung. In der Europäischen Gemeinschaft vernichtet man unterdessen systematisch Lebensmittel, um die „Marktpreise“ (was für ein Hohn ist dieses Wort in diesem Zusammenhang!) stabil zu halten. Den Menschen erzählt man dann bei nächster Gelegenheit wieder etwas von den „Kräften des Marktes“, um sie ob einer weiteren Zumutung zu Gunsten einer kleinen Minderheit von Besitzenden bei der Stange zu halten.

Hatte ich eigentlich schon gesagt, das Politik nur mörderische Gewalt ist? Ja, hatte ich. Und das wir nur sehen, was wir sehen gemacht werden? Ja, hatte ich auch. Die Erde hat doch gar keine Südhalbkugel, oder? Jedenfalls werden wir sie nicht sehen gemacht — außer, es ist mal wieder ein Krieg und die Schmeißfliegen Reporter schwirren emsig summend dorthin und halten ihre blutgeilen Kameras in das Gemetzel. In Lateinamerika ist der politische Einfluss der röm.-kath. Kirche so groß, dass viele Menschen keinen Zugang zum einzigen einigermaßen sicheren Mittel gegen AIDS haben. Es wird überall, wo es dieser Mörderkirche möglich ist, verhindert, dass Kondome einfach zu kaufen sind, und zudem wird den Menschen eine Höllenangst vor den Dingern und vor fast jeder sexuellen Betätigung gemacht.

Dass die Religion eine billige und willige Hure der Politik ist, habe ich doch auch erwähnt, nicht? Denn es ist politisch von Vorteil, wenn die Menschen nicht einfach angstfrei miteinander Sex haben können. Unter allen menschlichen Bedürfnissen ist das sexuelle nämlich das einzige, das sich für den Staat unkontrollierbar und sehr einfach befriedigen lässt — man braucht defür eigentlich nichts weiter als seine körperliche Existenz. Dass es für die miese, mörderische und feige Politik derer, die im Bunker sitzen und andere für sich verrecken lassen, so unendlich wichtig ist, dass die Menschen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr kennen und mit den Bedürfnissen der Politiker verwechseln, habe ich ja auch schon erwähnt. Was meinst du wohl, warum im Zusammenhang eines Krieges oder einer Staatskrise die Religion so hochgefahren wird? Dieser Hirnpflug ist erforderlich, damit die Menschen sogar für die Interessen ihrer politischen Großmörder zu sterben bereit sind. Wer ein gesundes Empfinden seiner eigenen Bedüfnisse hat, ist zu so einem Unfug niemals bereit. Die Religion ist austauschbar, jede spricht vom Frieden, von der Liebe und von der Hingabe. Und vom Opfer, wenn es darauf ankommt. Vom heiligen Opfer im heiligen Krieg.

Lass mich mit dem Krieg in Ruhe! Er ist nur ein Symptom des Prozesses, und viel mehr Menschen verrecken jede Minute namenlos auf den Straßen als mal zwischendurch im feldgrauen Hemd auf dem „Feld der Ehre“. Der Krieg da, in einer Region, die gar nicht so „nahe“ ist, hat mit meinem Leben nichts zu tun. Und. Er hat mit deinem Leben nichts zu tun. Und. Er ist ein wunderbarer, medial sehr attraktiver Happen für die Wahrnehmung, damit sie nicht wahrnehme, welche Dinge etwas mit unserem Leben zu tun haben. Aber dieser ganze Prozess, von dem ich nur einen ganz kleinen Ausschnitt flüchtig andeuten konnte, der hat etwas mit meinem Leben und mit deinem Leben zu tun. Er ist. Mein Leben. Und. Dein Leben. Oder besser: Das, was unser Leben erstickt und ersetzt hat.

Also lass mich mit diesem verdammten, mörderischen Krieg in Ruhe, der nicht meiner und nicht deiner ist! Und beginn damit, Bewusstsein zu entwickeln, statt dir nur das anzuschauen, was du sehen gemacht werden sollst und es mit der Wirklichkeit zu verwechseln! Und dann beginn damit, das, was du immer mehr erkennst, in dir zu überwinden. Und ja, es ist in dir, so weit ist es gekommen. Das ist der Kampf, dem wir alle nicht entkommen können, wenn das Leben mehr als ein dumpfes, sumpfiges Vegetieren sein soll. (Und komm dabei nicht auf die Idee, Verschwörungen in allem zu sehen, und komm auch nicht auf die Idee, dass es gar keine Verschwörungen gäbe!) Der Krieg ist bald schon im Aktuelleren vergessen, wie jeder dieser Kriege zuvor auch. Er wird Menschen zu Waisen, Witwen und Würmerfraß gemacht haben, er wird eine Wahl beeinflusst haben und er wird sonst nicht viel in diesem Teil der Welt verändert haben. Was bleibt, das ist der gesellschaftliche Prozess, der für eine kleine Minderheit der Menschen ein Mordsgeschäft ist und überwunden werden muss. Weil es sich lohnt, der Barbarei etwas entgegenzusetzen.

Selbst, wenn man darin auf ganzer Linie scheitert.

Für T. — der Rest der Leser möge den etwas schnodderigen und gereizten Ton und die „unmöglichen“ Passivkonstruktionen entschuldigen…