Dem, der wenig kennt, erscheint vieles wunderbar.

Chinesisches Sprichwort

Im April des Jahres 2002 veröffentlichte die US-amerikanische National Science Foundation die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage über den gegenwärtigen Stand des wissenschaftlichen Verständnisses in den USA.

Dem gegenwärtigen „Bildungs“-System der USA — dieses dient ja auch als Vorlage für den laufenden Umbau des Beschulungs- und Hochschulsystemes in der BR Deutschland nach den Vorgaben rein wirtschaftlicher Anforderungen — gelingt es vortrefflich, viele Menschen am Ende ihrer Schullaufbahn mit einem höheren Abschluss auszustatten und damit auf dem recht geduldigen Papier einen Eindruck von Bildung zu erzeugen. So kamen auch nur 17 Prozent der befragten Menschen nicht über die normale Schulbildung hinaus, die verbleibenden 83 Prozent verfügten nach den in den USA üblichen Maßstäben über eine höhere Schulbildung, und 53 Prozent der Befragten haben im Laufe ihrer „Ausbildungskarriere“ auch eine US-amerikanische Hochschule oder Universität von innen gesehen und dort einen Abschluss erworben.

Wer nun glaubt, dass eine solche Breite schulischer und hochschulischer Ertüchtigungen für die wirtschaftliche Verwurstbarkeit der Menschen doch wenigstens eine Schulung des kritischen Geistes und damit eine gute Abwehr des Aberglaubens und der Dummheit seien, wird von den weiteren Ergebnissen der Erhebung ernüchtert werden. Ein gutes Drittel der Befragten ist der Meinung, dass wir zurzeit regelmäßig von Außerirdischen besucht würden, und offenbar stellt sich niemand von diesem Drittel der befragten Menschen die Frage, was diese ganzen „kosmischen Brüder“ hier nun tun, wo sie sich aufhalten und wieso ihre gesamte Aktivität so spurlos bleibt. Ebenfalls ist ein gutes Drittel der Befragten davon überzeugt, persönliche Glückszahlen zu haben, vierzig Prozent sind der Auffassung, dass der altbabylonische Aberglaube der Astrologie eine Wissenschaft sei und rund zwei Drittel der Befragten sind von der Existenz so genannter „PSI-Phänomene“ überzeugt; sie halten also Gedankenlesen, Hellseherei und Telekinese trotz des Fehlens jeglichen reproduzierbaren Beleges für ebenso sichere Tatsächlichkeiten wie etwa die täglich jedem Menschen erfahrbare Gravitationswirkung der Erde.

Wenn sich „Bildung“ darauf beschränkt, Menschen zu genormten und untereinander leicht vergleichbaren Batterien für die betrieblichen Produktionsprozesse zu machen, so dass sich der Denkende schon einmal fragt, warum die Leistung nicht gleich in Watt angegeben wird, denn kommen breite Dummheit und Barbarei gleich hinterher — und den fehlenden Rest zur völligen Verblödung liefert die tägliche Portion aufwühlenden, psychischen Materiales, das in der hypnotischen Situation des unentwegten Glotzens in Geist und Seele gepfropft wird.

Wer in Deutschland über die Zustände in den USA lächelt, vergisst, dass die USA uns in solchen Dingen nur ein einziges Jahrzehnt voraus sind. Auf der anderen Seite dieser eingängigen und immer wieder wiederholten Forderung nach Elite-Schulen und Elite-Universitäten nach US-Vorbild steht die Auffassung, dass wirkliche Bildung für die Mehrzahl der Menschen ein unerreichbares Gut bleiben soll.