Zeitgenosse: „Was hältst du vom ‚Dschungelcamp‘?“

Nachtwächter: „Keine Sendung im Fernsehen entsteht zufällig, einfach nur aus einer Laune heraus, ohne Planung. Mit dem Fernsehen spielt man nicht. Jedes Konzept wird schon lange vor der ersten internen Testproduktion untersucht, ob es für den Zweck des Mediums, die Vermarktung von Werbeplätzen, geeignet ist. So eine Show ist ein Industrieprodukt, gezielt und planvoll entworfen, unerfüllte psychische Bedürfnisse von Menschen zu bedienen, um die Menschen so fest zu binden, dass diese Fesselung einen nennenswerten Teil der Menschen auch über die Werbepause zieht. Was in dieser Show sichtbar wird, spiegelt nichts als die Wünsche der Menschen aus der Zielgruppe (der Werber) wider; letztlich sadistische Wünsche, dass jene fernen und besser gestellten ‚Promis‘ des medialen Blendglanzes auch einmal allerlei Ekles ertragen, letztlich sogar Scheiße fressen sollen. Genau. Wie es die Menschen aus der Zielgruppe der Werber in etwas übertragenerem Sinne jeden Tag ihres sklaventreuen Daseins tun müssen. Hier wird dem sozialen Neid der Namenlosen eine rein psychische Abhilfe geboten, die nicht allein eine geschauspielerte Illusion ist, sondern zusätzlich alle Bedingungen der Namenlosigkeit konserviert.“

Zeitgenosse: „Es kommt mir so vor, als seien die Shows im Fernsehen in den letzten Jahren immer schlimmer, reißerischer, menschenverachtender geworden. Wie wird wohl die Zukunft aussehen?“

Nachtwächter: „Vielleicht heißt die Show bald schon: ‚Ich bin ein Politiker , holt mich hier raus‘ — dann wüchse endlich zusammen, was schon lange zueinander strebt.“

Gruß an G. Aber nerv mich nicht noch einmal mit so einem Thema, sonst entsteht hier noch der Text ‚Alles spricht vom Dschungelcamp und ich schreibe über PISA’… 😉