Archive for Dezember, 2008


Der Stollen

Die Weihnachtsmeldung des Jahres ist sicherlich der Diebstahl eines (hoffentlich wohl schmeckenden) Stollens durch Kurierfahrer, der beim Versuch seiner Vertuschung zum größten Datenskandal des Jahres geriet. Wohl nur selten dürfte ein relativ kleiner Diebstahl zu dermaßen breit angelegten Ermittlungen und zu einer so großen medialen Rezeption geführt haben.

Und trotz dieser „Aufklärung“ bleibt bei der ganzen Geschichte ein gar nicht stollenhafter Nachgeschmack zurück, dass den Menschen hier vielleicht eher ein Märchen vom Weihnachtsmann erzählt wird.

Zierpflanze

Zierpflanze…

Sachlichkeit

Jeder Herrschende und Besitzende, der die Worte und Forderungen der Beherrschten und Verarmten unterdrücken will, begründet dieses Ansinnen mit der Forderung nach Pragmatismus und Sachlichkeit.

Das aufgeklebte Weltnetz

Die Werber der Deutschen Post lassen auf jedes DHL-Fahrzeug so einen Aufkleber anbringen…

Deutsche Post World Net – Mail Express Logistics Finance

…der reklamebesoffen von einem weltweiten Netzwerk dieses Unternehmens faselt. Für jene, die nicht gerade in Zentrumsnähe einer großen Stadt leben, ist das sogar richtig fühlbar, müssen sie doch eine kleine Weltreise machen, nur um zum nächsten Briefkasten oder gar zur nächsten Post-Filiale zu kommen.

Das Unheile

Die Tatsache, dass man die Formulierung von der „heilen Welt“ beinahe ausschließlich im ironischen oder sarkastischen Sinne verwendet, spiegelt das Beschädigte, das Unheile der wirklich erlebten Welt und damit des Lebens wider.

Winterbeleuchtung

„Mehr Licht!“

Johann Wolfgang von Goethe

Welche Form von Dummheit entsteht, wenn man unter Verzicht auf jegliche Geisthaltigkeit alle Dinge eher abergläubisch mit einer wirtschaftlichen Betrachtung angeht, lässt sich am Beispiele Hannovers gerade im ehemaligen Nachrichtenmagazin „Spiegel“ nachlesen. Die zehntausende von innerstädtisch angebrachten Glühlampen, mit denen jahrein, jahraus der großen Olympiade des Konsums namens Weihnachtsfest ein Licht gegeben werden soll, dass dem Ereignis nicht von selbst innewohnt, sie müssen wegen der EU-Verordnungen zum „Klimaschutz“ demnächst durch andere Leuchtmittel ersetzt werden. Das verursacht natürlich Kosten, und der so genannte „City-Manager“ Achim Balkhoff hat eine ganz wunderbare Idee entwickelt, wie man diese Kosten etwas schöner rechnen kann:

„Meine Idee geht von der Weihnachtsbeleuchtung hin zu einem Winterlicht“, erläutert Balkhoff und meint damit eine Ausweitung der Beleuchtungszeit auch in die „dunklen“ Monate Januar und Februar. Dies trage auch dazu bei, dass sich die dann angeschafften teureren Energiesparleuchten schneller bezahlt machten.

Als Träger von Augen, die demnächst von dieser tollen Idee geflutet werden werden, schlage ich dem gewiss hoch kompetenten Herrn Balkhoff vor, dass er die Lichter doch einfach ganzjährig in die Nacht leuchten lassen soll, damit sie sich noch schneller amortisieren. Und zur weiteren Beschleunigung der Amortisation kann man sie auch einfach am Tage leuchten lassen. Eine Umbenennung der niedersächsischen Landeshauptstadt in Schilda scheint mir hierfür allerdings nicht erforderlich zu sein. 😆

[via Fefe]

Auf Wahlplakaten

Wenn doch die Wirklichkeit der Politik so wäre wie die Reklame für die Politik! Zum Beispiel haben die Politiker auf den Wahlplakaten drei Vorzüge, die den echten Politikern völlig abgehen: Sie sind tragbar, geräuschlos und relativ leicht zu entfernen.

Die Armbanduhr

Die Armbanduhr ist eine sehr feste und robuste Handschelle, die alljene fesselt, die ihre Lebenszeit an die abstrakte Zeit mechanischer, industriemäßiger Abläufe binden. Unter allen wirksamen Fesselungen ist sie wohl die einzige, die sich Menschen selbst anlegen — um sich so gefesselt ihre Freiheit einzureden.

Grüne und andere Alternativen

Zwei Geisteskranke, die in einer dieser geschlossenen Anstalten eingesperrt sind, hinter deren Mauern die Menschenrechte enden, sie wollen ausbrechen. Sie planen es gut und mit zwangsneurotischer Sorgfalt; sie betrachten das Gebäude, das Gelände und alle ihre Möglichkeiten genau; sie suchen sich schließlich eine bestimmte Nacht für ihr Vorhaben aus; sie sehen zu, dass sie vorher die zentraldämpfenden Mittel nicht herunterschlucken und so schaffen sie es tatsächlich, das Gebäude durch ein Fenster zu verlassen und über die Mauer des Geländes nach draußen zu klettern. Und. Wo sie so draußen stehen, sagt der eine zum anderen: „Jetzt aber schnell zurück, unsere Generalprobe hat ja ganz prima geklappt.“ — und sie gehen wieder in ihre Anstalt zurück.

Daran erinnert es, wenn Menschen aus persönlicher Einsicht heraus das bestehende gesellschaftliche System überwinden wollen, aber dabei Bestandteil jenes medialen und politischen Etablissments werden wollen, welches im bestehenden gesellschaftlichen System vorgesehen ist.

Auswärtiges Denken (41)

Kurz und gut — wir müssen es (auch) selber richten, wenn wir etwas gegen den Zerfall der Welt tun wollen, allein auf „den Staat“ zu warten bringt wohl leider nichts.

Konsumpf schreibt über die gegenwärtige Krise, die nicht etwa eine Krise des Systemes ist; vielmehr ist das System selbst die Krise. Und dieses Schreiben, es ist lang, voller Querbezüge und Zitate und dennoch lesenswert: Teil 1, Teil 2.

Spiel DAX

Wenn man in Hannover vom Waterlooplatze kommend an der BBS 4 vorbei in Richtung Linden geht, über die Brücke zum Schwarzen Bären, denn geht man an vielen Mahnmalen vorbei. Ein besonders unübersehbares Mahnmal ist das Ihme-Zentrum, eine zurzeit im Umbau befindliche Betonburg aus den siebziger Jahren, die eine gnadenlose Tristesse verbreitet.

Bei diesem grauen Anblick kann man leicht das Mahnmal auf der anderen Seite der Straße übersehen. Es handelt sich um eine Spielhalle. Diese sieht von außen zunächst nicht anders aus als jede andere Spielhalle auch; die großen, einem Gewerbehause an belebter Straße angemessenen Fenster, hinter denen für den langfristigen Spielverlust der daran Spielenden gebaute und werksseitig dementsprechend programmierte Computer so genannte „Glücksspiele“ anbieten, sie sind mit bunten Folien undurchsichtig verklebt. Die Besonderheit dieser Spielhalle und damit auch ihre Eignung zum Mahnmal, das mal mahnt, sie liegt nicht in der Erscheinung, sondern im Namen dieses Etablissments, der auf den undurchsichtigen Fenstern und über der Eingangstüre in fetten Buchstaben aufgeklebt und deshalb gut zu lesen ist. Diese Spielhalle heißt in fröhlich moderner Kleinschreibung spiel dax

spiel dax – Eine Spielhalle in Hannover-Linden

…ein ganz offensichtlicher Verweis auf den Deutschen Aktienindex. Kaum etwas könnte besser und genauer als diese auffällig unauffällige Namensgebung widerspiegeln, in welchem Ansehen das Treiben an den Börsen zurzeit wirklich steht.

Nachtrag: Jetzt auch mit Foto des „Mahnmales“, dafür habe ich fröhlich noch einmal vorbeigeschaut…

Die unnütz flektierend Sprache

Es ist immer wieder erstaunlich, dass die deutsch Sprache ihrer viel Flexionsendung gar nicht bedürfen. Wenn man einfach von alle Substantiv, Adjektiv und Verb die Grundform verwenden, aber die ganz Partikel, Präposition, Hilfsverb und Artikel richtig setzen, denn entstehen ein Text, der immer noch sehr verständlich sein. Dies werfen — neben alle ander grammtikalisch Ballast — ein deutlich Licht auf eine Sprachkultur, die sich im Streben einer elitär Kaste von Gelehrten in Jahrhundert gegen alle Vereinfachung der Sprache gebilden hat. So lieblich der barock Zierrat der Formenvielfalt auch sein, er sein auch überflüssig und Denkmal einer undemokratisch Haltung derer, die der gedruckt Sprache über Jahrhundert ihren Stempel aufgedrücken, die Sprache zur Mauer gemachen und nicht zur Brücke.

Doch die Mensch wehren sich. Einige sprechen jetzt schon so, wie ich hier schreiben — und damit vielleicht auch schon so, wie künftig Generation von Sprecher der deutsch Sprache schreiben werden. 😉

Ein fröhlich Gruß an D.