Wenn ein Mensch krank wird, sollte er besser zum Tierarzt — am besten zum Tierarzt für Klein- und Haustiere — gehen, nicht zum „Menschenarzt“, denn beim Tierarzt würde er um vieles menschlicher behandelt. Er erhielte vor und während aller oft unangenehmen Behandlungen, denen er doch eher machtlos und ohne jedes wirkliche Verständnis ausgeliefert ist, einen zwar professionell stereotypen, aber dabei doch warm gemeinten Zuspruch, was für ein tapferes, braves und hübsches Wesen er sei, und diese Worte würden durch begleitend verabreichtes Streicheln fühlbar zweiarmig gemacht werden. Bei aller eingeschliffener Routine wirkt dieses Verhalten von Tierärzten doch niemals zynisch. Kein „Menschenarzt“ betrachtet seine Patienten in seiner Praxis neben der Sicht als Ansammlung kranker Organe und abweichender Laborwerte so sehr als psychisches Wesen, wie es ein solcher Tierarzt mit den doch vieles unbewussteren und dumpferen kleinen Haustieren tut. Und noch eines hat der Tierarzt dem „Menschenarzte“ voraus: Er nimmt es hin, dass seine „Kunst“ an ein Ende gerät, dass eine Lage so hoffnungslos ist, dass der Tod für das kranke Tier nur noch Erlösung bedeutet und führt in aller professioneller Liebe eine Einschläferung durch, um auch darin das sterbende Tier mit Streicheln und Zuspruch zu begleiten. Der „Menschenarzt“ hingegen, er versucht, das qualvolle Krepieren so weit es geht in die Länge zu ziehen, vielleicht auch, weil langwieriges Kranksein ein gutes Geschäft für ihn ist.

Mit Gruß an F. und M. und auch an G.