WeihnachtenKonsumolympiade, Tannentrauma, Kaufrauschengel, Seelenschnee, Kitschgrund, Knatschgrund, Osramkerzenfest.

Von Christen umgewidmetes Fest zur Wintersonnenwende, das vorgibt, die Geburt von Jesus aus Nazaret zu feiern, aber in seiner gesamten Symbolik eher einer Reklamefigur von Coca-Cola gewidmet zu sein scheint, dem so genannten Weihnachtsmann. Von der christlichen Überdeutung des Festes ist in der konsumistischen Überdeutung nur der endlose Bimmelterror an den Festtagen verblieben.

Anlässlich dieses Festes bricht zum Jahresende unter der Herrschaft des Blendwerkes der kollektive Wahnsinn aus. Der einzige Grund, weshalb sich dieses Fest im real existierenden Konsumismus halten konnte, ist, dass es zum alten Brauchtum gehört, einander am Festtage zu beschenken. Damit lässt sich ein ganz hübsches Geschäft machen, und deshalb propagieren es auch alljene Lichtverneiner, die sich weder um die Sonne noch um diesen Jesus, sondern nur um ihr Geschäft kümmern, dass dieses Fest in größtmöglicher Breite gefeiert werde. Leider ist der Erfolg des hierzu angesetzten Gehirnpfluges verheerend. Schon Monate vor dem Fest liegt allerorten der bimmeldöselige Tinnef aus, damit sich der Geist der Menschen schon im Sommer mit dem beschäftige, was erst in 150 Tagen auf ihn zukommt und daran irre wird. So eingepeitscht, stellt kaum jemand die ganze Schenkerei und den jede tiefere Einsicht betäubenden, kitschseligen Rahmen um diese Profitmaschine in Frage.

Dabei ist der Vorgang des an sich Glück bringenden Schenkens schwer beschädigt. Wenn einem Menschen etwas fehlt, ist es ja gar keine Frage, was man ihm schenken kann; man versucht einfach, ihm das zu geben, dessen er bedarf. Doch den von ihren Bedürfnissen vollständig entfremdeten Menschen fehlt es kaum an dem Tand, der eigens für den Wegwurf des Schenkens produziert und mit psychologischer Perfidie angepriesen wird. Deshalb gerät die Suche nach den Geschenken zu einer stressvollen Angelegenheit, und die Innenstädte bekommen in den letzten Tagen vor dem großen „Fest“ den Charakter eines nur notdürftig zivilisierten Schlachtfeldes. Wer noch etwas fühlt und deshalb verletzlich ist, der meidet diesen unheiligen Konsumkrieg so gut er nur kann, indem er die innerstädtischen Ballungen von rot-grün-gülden im Blinke- und Glitzerlicht geschmückten Kaufgruften umgeht.

In den Tagen vor dem Fest stellen sich die gleichen Menschen, die jeder lebenden Natur eher feind sind, abgehackte grüne Bäume in die Wohnquader, behängen diese mit glänzenden Kugeln, Schokokram, Aluminiumstreifen und elektrischen Kerzenimitaten und belegen auf diese Weise, wie sehr sie wirklich die Natur und das Leben verachten. Um die mit diesem Hilfsmittel errichtete Kulissen versammeln sie sich familienweis, um sich gegenseitig mit ihren Geschenken zu enttäuschen und dafür gegenseitig Dankbarkeit zu heucheln. Die dünne Schicht der aufgesetzten Gemütlichkeit fällt schnell von den Menschen ab, und häufig endet der kalte Unfug mit einem intensiv geführten Familienkrach im flimmerblauen Flackerschein des miesesten Fernsehprogrammes im Jahreslauf. Am Ende sind sehr viele Menschen froh darüber, dass sie ihre Familie nur einmal im Jahr um sich haben.

Schon während des Festes wirft der tote Baum seine Nadeln ab und zeigt damit auch, wie tot das Fest ist. Einige Tage nach dem Fest stehen überall Haufen von toten Bäumen, die zu Müll geworden sind.

Die dunkle Weihnachtszeit ist wie keine andere Zeit dafür geeignet, den Willen zum Selbstmord zur Tat reifen zu lassen.