Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gerne in langen Kleidern gehen und sich auf dem Markte grüßen lassen und sitzen gerne obenan in den religiösen Versammlungen und am Tisch beim Gastmahl; sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Mk. 12, 38

Wer immer wieder einmal auf christlich-religiöse Websites in englischer Sprache stößt, macht dabei eine interessante Feststellung. Die im englischen Sprachraum allgemein übliche Bibelübersetzung ist in einem Englisch verfasst, das den grammatikalischen Stand und Wortschatz des 17. Jahrhunderts in das Jetzt trägt. Die Sprache ist selbst von der gehobensten modernen Schriftsprache sehr weit entfernt, sie ist für die heutigen Menschen fremd und wohl auch für manchen native speaker missverständlich. In dieser Fremdheit der Sprache, die doch über Gott zu sprechen sagt, spiegelt sich die Fremdheit und Lebensferne des Gottes wider, an den das Buch die Menschen glauben machen soll; und in der Tatsache, dass so eine fremde Stimme aus der Vergangenheit dem lebendigen Prozess der Sprachentwicklung entgegen gehalten wird, wird das Lebensfeindliche der zugehörigen Religion sichtbar, die kategorische Verneinung jeder Entwicklung über eine längst erreichten Zustand hinaus.

Auf diesem Hintergrund ist es gar nicht erstaunlich, dass selbst gebildete christliche Fundamentalisten aus englischsprachigen Kulturräumen gar nicht geneigt sind, irgendeine Entwicklung auch nur für möglich zu halten — einschließlich der kaum noch zu übersehenden Tatsachen der biologischen und gesellschaftlichen Evolution.