Es ist eine interessante Vorstellung, welche Rückschlüsse wohl Archäologen kommender Zeitalter (ob es Menschen sein werden, sei hier vorsichtshalber nicht gesagt) auf unsere Zivilisation ziehen werden, begründet einzig in ein paar Fundstücken aus unserer Zeit. Der größte Teil der Massengüter, welche die zurzeit bestehende „Kultur“ prägen, wird ja bewusst für die Vergänglichkeit und den schnellen Zerfall produziert, weil Beständigkeit im Haschen nach dem immer wieder Neuen und scheinbar Besseren ein schlechtes Geschäft ist; kaum vorstellbar scheint es, dass der ganze, fabrikneue Müll auch nach nur hundert Jahren noch in Form und Funktion kenntlich ist. Die Zukunft der digitalen Kulturgüter sieht gar noch bescheidener aus, eine völlige Auslöschung jeglicher digital gespeicherter Information über einen Zeitraum, den man in Jahrzehnten und nicht in Jahrhunderten bemisst, ist vollkommen sicher. Dies findet ja auch seinen trüben Spiegel im Wort von der „Informationsgesellschaft“, die weder als eine informierte noch als eine wissende Gesellschaft zu betrachten ist.

Einiges wird jedoch trotz des nagenden Zahnes der Zeit erhalten bleiben. Und. Es sind fast ausnahmslos solche Hervorbringungen unserer „Kultur“, denen kaum Beachtung geschenkt wird, die dann als Artefakte der Vergangenheit Aufschluss über Leben und Denken derer geben müssen, die einst lebten. Kaum etwas anderes ist so beständig wie die billigen Dinge, die aus Kunststoff hergestellt werden. Neben nutzlos gewordenen Isolationen um die längst zu staubigem Mineral zerfallenen Kupferkabel, neben den Gehäusen der technischen Geräte und neben einer Unzahl der Mehrfachsteckdosen ohne erhaltenes Innenleben werden sich vor allem immer wieder aus Plastik nachgebildete Blumen finden. Die Archälogen der Zukunft werden wohl manche bleischwere Dissertation darüber schreiben, wie die heutigen Menschen im industriellen Maßstabe schwarzen Schlamm aus der Erde pumpten, den sie in ebenso monströsem Aufwande zu Kunststoffen umarbeiteten, aus denen sie solche völlig rätselhaften Abbilder von natürlichen Strukturen machten, die in ihrem biologischen Vorbilde nicht gerade eine Mangelware gewesen sein können. Die Tatsache wird wohl noch leicht zu erfassen sein, aber das „Warum“ dieser Tatsache verbleibt als ein riesiges Rätsel, das wohl manche wüste Spekulation hervorbringen wird. Wie bei so vielem Irrationalen wird man vielleicht sogar zu einer religiösen Interpretation greifen, um das Unfassbare des menschlichen Tuns zu fassen; und wenn ein Mensch der Jetztzeit die betrügerischen Heilslehren des Konsumismus mit offenem und ehrlichen Sinn betrachtet, muss er wohl einsehen, dass eine solche Interpretation der künstlichen Blüten aus schwarzem Schlamm gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist.

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