Bei Kunstwerken, die für hohe Preise am Markte gehandelt werden, wird die eine Frage sehr wichtig genommen, ob es sich dabei in der Tat um ein Werk desjenigen Künstlers handelt, dem dieses Werk zugeschrieben wird. Und wenn diese Zuordnung von Werk und Künstler einmal fraglich wird, denn wird ein hoher Aufwand an Expertisen und physikalischen Untersuchungen betrieben, um die Urheberschaft zu klären. Wenn es sich auch noch um ein Werk mit einer gewissen Bekanntheit handelt, können es solche Untersuchungen sogar in eine Presse bringen, die sich sonst um kulturelle Angelegenheiten nur wenig bekümmert.

Aber. Mit etwas Abstand betrachtet, könnte doch keine Frage unerheblicher sein.

Durch die sichere oder fragliche Zuordnung eines Werkes zu einem gewissen Urheber verändert sich am Werke nichts. Kein Pinselstrich verschiebt seine Lage oder seine Textur, kein Farbton beginnt im Farbkreise zu rotieren, keine Einzelheit wird intensiver oder unauffälliger; auch bleibt die Komposition als Ganzes genau so, wie sie dem Betrachter schon immer entgegentrat.

Die Klärung einer Frage nach der Urheberschaft hat also nichts mit dem Werk an sich und mit seiner inneren Qualität zu tun, sie geht somit am Werke völlig vorbei. Nicht vorbei geht sie jedoch am Markt und am darin entstehenden Marktwert des Werkes, worin recht deutlich wird, dass sich auch im Bereiche der vermarkteten Kunst der Marktwert eines Werkes von jeder inhaltlichen, ästhetischen und qualitativen Betrachtung emanzipiert hat, was das Barbarische des Marktes, das Aushandeln von Preisen im steten Bemühen des Kaufmannes, einen eigenen Vorteil durch Übertölpeln des Anderen zu erschleichen, auch in eine Sphäre trägt, die in ihrem Selbstanspruch gern so tut, als sei sie eine Bastion zivilisierten und kultivierten Strebens nach Feinsinn. Der Name des Künstlers verkommt im Prozesse der Vermarktung seiner Werke — nachdem erst einmal die Zuordnung eines Werkes zu seinem Urheber gesichert ist — zu einem bloßen brand, einer Marke, die einen Markenfetisch des scheinbar kultivierten Banausentums bedienen soll, der in seinem Gepräge vollständig dem Fetisch synthetischer, reklametechnisch erzeugter Marken für industrielle Massenprodukte entspricht. Das Schaffen des Menschen in der Kunst ist unter dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozess in der gleichen Weise beschädigt wie jedes andere Mensch-Sein auch. Die Idee des Marktes und die im Zuge dieser Idee erblühten, parareligiös anmutenden Mechanismen dringen noch in jede Nische, in der sich Menschen einen psychischen Lebensraum abseits der völligen Vermarktung allen menschlichen Schaffens sichern wollen. Im materialistischen Religionsersatz des totalitären Marktes gibt es keinen anderen Wert als den Marktwert, alles Menschliche steht zum Ausverkauf offen.

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