Es ist doch erstaunlich, dass Menschen junge Tiere so unwiderstehlich niedlich finden. Das Kindchenschema wirkt auch noch bei artfremden Wesen, so fern sie noch wenigstens Wirbeltiere sind. Jungtiere anderer Gattungen lösen hingegen keine derartigen Emotionen beim Menschen aus; niemand fühlt so ein „Das ist ja niedlich!“ beim Anblick einer jungen Qualle oder der Larve einer Stechmücke.

Diese einfach zu machende Beobachtung zeigt auf, dass das emotionale Leben eines Menschen — das ja die meisten Menschen mit gutem Recht für einen Kern ihres Menschseins erachten — einem phylogenetischem Erbe entspringt, das in seinen Grundzügen von der gesamten Gattung der Wirbeltiere geteilt wird. Es gehört einer älteren Schicht des psychischen Erlebens an, liegt unterhalb des späteren, bewussten Überbaues, der einem Menschen alles Erlebte erst reflektierbar macht und es kann deshalb mit Hilfe einfach strukturierter Schlüsselreize auf mechanische Weise abgerufen werden. Genau das ist auch der Grund, weshalb dieses Muster in der Werbung für an sich sinnfreie Produkte so inflationär verwendet wird — kein Werber hat Interesse daran, die rein emotionalen Motivationen einer Kaufentscheidung für derartigen Tinnef in ein reflektierbares Bewusstsein dringen zu lassen.