Die Menschen bevorzugen Markenprodukte. Nur. Wegen der Werbung für die entsprechende Marke. Die Marke an sich. Ist ein ebenso leeres Stück Sprache wie das Kunstwort „Gnirrtsch“; ein vorsätzlich erstelltes Sprachbild, das nur über das manipulative Mittel der massenhaften Reklame mit einem beliebigen Inhalt gefüllt werden kann.

Es gibt. Keine andere Eigenschaft der Marke an sich. Jede Eigenschaft, die Menschen von einer Marke zugesprochen wird, ist nur ein psychisches Ergebnis der Werbung, ein Abgeben der eigenen Urteilsfähigkeit an die künstlich erzeugten und affektmächtigen Bilder eines monströs gewordenen Marketings. Der oft von manipulierten Zeitgenossen angeführten eigenen Erfahrung mit den Produkten einer bestimmten Marke geht die künstliche Errichtung einer Marke in ihrer Psyche immer voraus; die Marke an sich hat keine andere Existenz als ihre gezielte, psychische Errichtung durch die einseitige Kommunikation der Reklame. Dabei. Ist es gleich, ob die Marke Macintosh, Sony, Puma, Microsoft, Nike, Bosch, Marlboro, Deutsche Bank, Lifetec, Onko, Iglu, Grundig, IBM, Bahlsen, Pepsi oder irgendwie anders heißt, dies alles sind nur leere, klangliche Gefäße, denen allein durch Reklame eine scheinbare Bedeutung für das Affektleben ihrer Benutzer gegeben wird.

In dieser Eigenschaft. Hat die Marke. Durchaus eine Nähe zu religiösen oder esoterischen Konzepten. Der mit hohem missionarischen Aufwand gestreute Glaube an die Verheißungen der Marke, der sich selbst noch im ebenso unsinnigen Unglauben in eine Marke spiegelt, ist eine nur scheinbar materialistische Form der Religion. Und. Führt zu ähnlichen Irrationalitäten wie diese.

Jeder Mensch bedarf gewisser Dinge, die Marke ist eine mit hohem Aufwand erstellte, künstliche Hinzufügung, um das Streben nach diesen Dingen mit einer ebenso künstlichen Ergebenheit gegenüber der Marke anzureichern. Selbst die alte religiöse Idee des Opfers findet noch ihren modernen Zerrspiegel in den höheren Kosten, die für ein „Markenprodukt“ fällig werden. Und von den Gläubigen. Willig bezahlt werden.

Die Marke hat die Funktion eines. Abwehrzaubers. Sie. Soll vor schlechten Käufen und damit verbundenen schlechten Erfahrungen schützen. Sie ist — so sie erst einmal errichtet ist — das von Mana und Aberglauben gestützte Sakrament, das noch auf billigsten und nutzlosesten Tinnef gestempelt werden kann, um daraus teure Produkte zu machen. Die dann auch. Gekauft. Werden.

Wie jedes andere abstrakte Sakrament (Taufe, Abendmahl, Segensformel) lässt sich die Marke, wenn der Glaube an ihre Kraft erst wie ein erstickendes Unkraut in den Seelen erblüht ist, billig erstellen. Das recht deutliche englische Wort „brand“ heißt auch heute noch Brandzeichen und spiegelt in genau dieser Benennung den leicht mechanisierbaren Stempelchrakter aller Marken wider. Wie billig solch Stempeln durchzuführen ist, zeigt die so genannte „Produktpiraterie“. Es. Gibt einen ganzen Markt mit nachgemachten Markenartikeln, der in schelmischer und geschäftstüchtiger Häresie auf dem psychischen Mechanismus hinter der Marke aufsetzt und damit deutlich aufzeigt, wie wenig außerpsychische Substanz wirklich in einer Marke steckt. Klar, dass die Priesterkaste der Markenrechte nicht müde wird, für diese vergleichsweise harmlose und gesellschaftlich unschädliche Form der Kriminalität unangemessen hohe Bestrafungen von den Staaten einzufordern — auch dies ist ein Spiegel. Der ans Religiöse gemahnenden. Irrationalität im Glauben an die Marke.

Die „Profetie“ einer Marke erfüllt sich selbst. In der Psyche des glaubenden Menschen. Die zunächst aufwändige mediale Implantation des Markenbegriffes in die Sprache fügt dem Denken über die Dinge einen neuen — nur psychisch existenten, aber doch wirkmächtigen — Begriff hinzu, den der Marke. Dort. Im Denken. Sorgt er für eine Filterung der Erfahrung und Wahrnehmung. Das ist alles. Mehr ist die Marke nicht. Als ein moderner Fetisch.

Wer dem Glauben an eine Marke verfallen ist, ist also ein Fetischist. (Nicht. Im sexuellen Sinne dieses Wortes.)

Er ist dazu geworden, weil er seiner eigenen Urteilsfähigkeit misstraut. Und deshalb sein ganzes Vertrauen in die Parareligion des Markenunfugs setzt. Damit dokumentiert der hoffnungslos Gläubige auch schon, dass er von schwachem und damit leicht manipulierbarem Charakter ist; im Grunde seiner Psyche zerfressen von Selbstzweifel und unnützer Angst vor eigenen Entscheidungen. Daran zu denken. Hilft immens. Wenn man mit „markenbewussten“ Menschen zu tun hat, denn es bereitet auf die anderen Irrationalitäten dieser Menschen vor. Noch bevor. Man sich allzu nahe kennengelernt hat.

Der Fetisch der Marken hat im gegenwärtigen Prozess nach fast allem als Markt Betrachteten gegriffen, auch noch nach dem fernliegendsten. Die bloße programmatische und praktische Ähnlichkeit der politischen Parteien in der BR Deutschland entlarvt etwa die Unterschiede zwischen ihnen als durch Reklame errichteten Stempel der Marke. Frei. Von jedem Inhalt und damit beliebig füllbar. Das Irrationale in den Heilsversprechen der Politik fand hier sein geeigenetes Mittel, und gern wurde es von einem nennenswerten Anteil der Menschen angenommen.

Das einzige. Was angesichts des gegenwärtig ablaufenden Prozesses dem Denkenden beim Blick in die Zukunft noch vom Verfall in die Depression abhält. Ist. Die Tatsache, dass zumindest bei den politischen Marken inzwischen viele Menschen den psychisch so wirksamen Schwindel durchschauen. Und. Ihre Mitwirkung beim Aufrechterhalt dieses Schwindels verweigern. Dieser passive Widerstand. Wird jedoch folgenlos bleiben, wenn er sich nicht in aktiven und konstruktiven Widerstand wandelt.

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