Der folgende Scan ist ein Ausschnitt aus dem offiziellen Prospekt für die zehnte lange Nacht der Museen am 28. Juni in Hannover. Der handgeschriebene Kommentar „Das ist ja bürgerfreundlich“ wurde von C. angebracht, die mich heute auf diese Ankündigung hingewiesen und mir dieses kleine Dokument der Zeitgeschichte zugesteckt hat.

Ankündigung der Sonderausstellung Kunst in der Polizei auf Seite 18 des Prospektes für die 10. Nacht der Museen in Hannover

Was hier angekündigt wird, ist die Sonderausstellung „Kunst in der Polizei“. In diesem Text wird eifrig der Kunstbegriff mit Aspekten der polizeilichen Arbeit und den diversen dabei entstehenden Nutzwerken verknüpft, was an sich schon fragwürdig ist. Dieser fragwürdige Kunstbegriff geht dann im letzten Absatz in eine Realsatire über, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleiben kann, wenn es dort heißt:

Neben Führungen durch die Ausstellung können sich die Besucher erneut „erkennungsdienstlich behandeln“ lassen und das Fahndungsfoto sowie den Fingerabdruck kostenlos mit nach Hause nehmen.

Das ist doch tröstlich und ausgesprochen „bürgerfreundlich“, dass man die Ergebnisse einer solchen „Behandlung“ nach Hause nehmen darf und dass sie nicht über Jahre hinweg in einer der vielen Datensammlungen auf ihre nächste Chance warten, gegen einen verwendet werden zu können oder bei einer der immer häufigeren Datenpannen einer Behörde an die Öffentlichkeit zu kommen. Ganz anders. Als die vielen derartigen „Behandlungen“, die auf bloßen Verdacht und — zuweilen scheint es einem Außenstehenden wie mir zumindest so — aus fetischhafter Lust am Sammeln biometrischer Daten erhoben werden; demnächst auch einfach nur bei der Erstellung eines neuen Personalausweises. Davon kann man nichts unverwertet durch die Behörden nach Hause nehmen. Alles das wird von technischen Stümpern mit lässiger Einstellung zu Bürgerrechten aller Art verwaltet. Zudem können sich im Rahmen einer solchen „kulturellen“ Veranstaltung diese ganzen kulturbeflissenen Besucher schon einmal an die neue Normalität in der Bundesrepublik Deutschland gewöhnen, in der sich jeder Mensch nun einmal so behandeln lassen muss, wie es vor wenigen Jahren nur mit Kriminellen oder mit Menschen unter ziemlich begründetem Verdacht geschah. Eine zukunftsweisende Idee! Und. Ein echter Kandidat für den Schäuble-Award dieses Jahres. Mehr von solchen Veranstaltungen, und ein erklecklicher Teil der Menschen in Deutschland wird gar nichts Ungewöhnliches mehr daran finden, wie Verbrecher behandelt zu werden — schließlich kennt man es ja schon aus dem Museum. :mrgreen:

Fröhliche Grüße an C. Ich freue mich schon auf Freitag.