Wenn man eine Website betreibt, bekommt man gelegentlich auch eine Form der Fanpost, die weniger erquicklich ist. So eine Website ist zum Beispiel die von uns gemeinsam betriebene Homepage der White Darkness. An sich sollte man glauben, dass die Selbstdarstellung eines Zusammenschlusses von Künstlern, die völlig bewusst unkommerziell sein und bleiben wollen, auf wenig Interesse bei gewissen Anbietern stößt.

Besitzer der Domain und formell inhaltlich Verantwortlicher für die Website ist Frank Eckert. In dieser Funktion hat er den folgenden Brief der Profiwin GmbH erhalten, der hier offen beantwortet werden soll, um eventuellen anderen Empfängern dieser mutmaßlichen Massenpost klar zu machen, wie wenig wählerisch dieser Anbieter in der Wahl seiner Werbeplätze ist und in wie hohem Maße man dortens bestrebt ist, aus jeder menschlichen Regung im Internet eine Litfaßsäule für Reklame zu machen. Den Absender, den Namen der Unterschrift und die Telefonnummern im Briefe habe ich dabei bewusst unkenntlich gemacht, um einen eventuellen Missbrauch dieser Daten zu vermeiden:

[Absender von mir entfernt]

Herr Frank Eckert
Stoeckener Str. 91
30419 Hannover

Schon im Briefkopf wird bei der Empfängeranschrift deutlich, dass der Absender dieses Briefes nicht darum bemüht war, auch nur einmal einen Blick in das Impressum der Website zu werfen. Denn dort. Ist die „Stoeckener Str.“ natürlich mit einem „ö“ geschrieben. Die Schreibweise dieser Anschrift mit dem „oe“ findet sich in dieser Form nur bei der DENIC eG, der Registrierungsstelle für die .de-Domains. Die DENIC schreibt in ihren Nutzungsbedingungen, die in jeder whois-Abfrage über das Webinterface sichtbar werden, unter anderem die folgende, kaum missverständliche Belehrung:

Die in der whois-Abfrage ersichtlichen Domaindaten sind rechtlich geschützt. Sie dürfen nur zum Zwecke der technischen oder administrativen Notwendigkeiten des Internetbetriebs oder zur Kontaktaufnahme mit dem Domaininhaber bei rechtlichen Problemen genutzt und ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis der DENIC eG weder elektronisch noch in anderer Art gespeichert werden. Insbesondere die Nutzung zu Werbe- oder ähnlichen Zwecken ist ausdrücklich untersagt.

Auf diesem Hintergrund drängt sich allein bei diesem einen Detail der starke Verdacht auf, dass die Absender dieses Briefes solche „Kleinigkeiten“ wie die Nutzungsbedingungen solcher Daten für unbeachtlich halten, was zumindest für uns selbst dann keine Empfehlung für eine Zusammenarbeit wäre, wenn der Inhalt dieser Zusammenarbeit im Rahmen unserer Absichten erträglich wäre.

Aber. Ich greife vorweg. Deshalb hier endlich der Brief mit meiner direkten Antwort:

Kooperationsanfrage

Sehr geehrter Herr Eckert,

beim Besuch Ihrer Internetseite ist mir aufgefallen, dass Flächen für Werbemittel vorhanden sind. Hier möchte ich ansetzen und Ihnen heute eine Zusammenarbeit im Onlinebereich anbieten.

Werter Absender dieses werblichen Briefes,

beim Lesen Ihres Briefes ist Frank, Mira und mir aufgefallen, dass Sie ganz offensichtlich unsere Website nicht einmal überflogen haben können. Im besten Falle haben sie einen oberflächlichen Blick darauf geworfen, um zu schauen, ob diese Site noch ein paar offene Plätze für Reklame hat. Vielleicht haben Sie dabei festgestellt, dass diese Website vollkommen werbefrei ist. Interessanterweise haben sie sich dann aber nicht die Frage gestellt, ob das mit den auf der gleichen Website offen dargelegten Intentionen dieser Site im Zusammenhange stehen könnte, denn sonst hätten Sie eine solche „Kooperationsanfrage“ gewiss sehr viel vorsichtiger und einfühlsamer formuliert, wenn sie nicht gar in einem Anflug von Einsicht von Ihrem Unterfangen Abstand genommen hätten. In der von Ihnen gewählten Form zeigt eine solche Anfrage jedenfalls ein Maß von Respektlosigkeit und Kälte gegenüber unserem gesamten Werk und Schaffen, das wir in seiner Summe keineswegs als eine Empfehlung für irgendein Miteinander, sondern eher als etwas an der Grenze zur Beleidigung stehendes empfinden.

Dass sich unter diesen Bedingungen jegliche Zusammenarbeit für uns verbietet, sollte Ihnen klar sein. Ich möchte Ihnen aber zudem zu bedenken geben, ob es für Ihre Geschäftstätigkeit nicht besser wäre, wenn Sie Ihre „Partner“ nicht wie Groschenprostituierte in einem Reklamebordell ansprächen, sondern als Menschen achten würden.

Die Profiwin GmbH ist seit vielen Jahren am Markt etabliert und zahlt hohe Vergütungen für Werbeplätze. Branchenweit bekommen wir Bestätigung für unsere absolute Zuverlässigkeit und Transparenz.

Im Gegensatz zu Ihnen habe ich mir durchaus die Mühe gemacht, mich mit Ihrer Webpräsenz zu befassen, um einen Einblick in Ihre Geschäftstätigkeiten zu erhalten. Diese erscheinen mir nicht nur persönlich ein wenig „windig“, das Bewerben eines solchen kostenpflichtigen Angebotes der automatischen Eintragung in verschiedene, kostenlose Gewinnspiele auf unserer Website würde auch unsere gesamte Internetarbeit und unsere Glaubwürdigkeit als freie Künstlergruppe entwerten.

Darüber hinaus finde ich es sehr erstaunlich, dass sie „hohe Vergütungen“ für eine derartige Werbung auf einer Website von lokalem Charakter zu zahlen beabsichtigen, die in der Regel — also außerhalb gewisser Veranstaltungen mit einem übrigens immer exquisit nichtkommerziellen Gepräge — weniger als dreißig Besucher am Tag hat. Das will einfach nicht zu einem Unternehmen passen, das schon seit Jahren gut am Markte etabliert sein will, es wirkt eher wie das hilflose Ringen um jeden nur möglichen Werbeplatz. Auch das empfinde ich keineswegs als eine Empfehlung, aber dafür fügt es sich für mich zwanglos in den Kontext ihrer im Briefe deutlich werdenden Bestrebungen und in der von Ihnen gewählten Form des geschäftlichen Auftretens. Dass sie darüber hinaus durch die Schreibweise von Franks Anschrift in diesem Brief den Eindruck erwecken, in ihrem Ringen um Werbeflächen im Internet auch die Daten der DENIC eG entgegen der dort geltenden Nutzungsbedingungen zu verwenden bzw. solcherart Daten von einem zwielichtigen Adresshändler zu erwerben, vervollständigt meinen Eindruck, der schon ohne dieses Detail nicht vorteilhaft für sie war.

Zögern Sie bitte nicht, sich mit mir für eine gewinnbringende Kooperation in Verbindung zu setzen. Ich freue mich bereits jetzt sehr darauf, mit Ihnen persönlich in den nächsten Tagen über unser Angebot zu sprechen.

Für einen schnellen und direkten Kontakt erreichen Sie mich unter Tel. 03375-xxx xx-xx

Mit freundlichen Grüßen

[Name von mir entfernt]

Sie werden sicherlich verstehen können, dass ich unter diesen Umständen nicht zögere, Ihren Brief dem Papierkorb zu überantworten.

Hochachtungsvoll

Elias Schwerdtfeger
(Nach Diktat verreist)

Advertisements