Archive for Mai, 2008


Die Natur der Wunder

Ein erklecklicher Anteil der religiösen Menschen verwurzelt die „Gewissheit“ seines Glaubens in erlebten oder berichteten Wundern aller Art. Und gern erzählen solche Menschen auch von allen diesen Wundern, wenn sie jemanden anders von ihrer Religion überzeugen wollen. Diese ganzen Menschen. Suchen die Widersinnigkeit ihres religiösen Glaubens auf diese Weise für sich selbst und andere durch etwas Naturwidriges zu belegen. Damit belegen sie aber in Wirklichkeit, dass die Religion für einen Menschen keineswegs so natürlich ist, wie es diese Menschen sonst gern glauben machen wollen.

Tutorial: »Wissenschaftliches« Arbeiten

In der modernen „wisschenschaftlichen“ Arbeit geht man nicht so vor, wie das früher einmal üblich war. Schon gar nicht in den so genannten „Sozialwissenschaften“. Das sorgfälige Beobachten der erfassbaren Wirklichkeit, das langsame Erkennen von Gesetzmäßigkeiten darin, das anschließende Formulieren und Überprüfen von Hypothesen mit nachvollziehbaren und falsifizierbaren Verfahren — all das gehört einer mühsamen Vergangenheit an.

Kein „Wissenschaftler“ kann es sich leisten, so zu arbeiten. Denn bei so sorgsamer Forschung käme er ja gar nicht mehr zum Publizieren von „Ergebnissen“, und in der Folge bekäme er auch kaum Geld für seine gesellschaftlich wirkungslose Forschung. Leider wird viel zu selten in der wissenschaftlichen Ausbildung gelehrt, wie man zielorientiert und mit großem Erfolg an seine forsche Forscherarbeit heranzugehen hat.

Deshalb dieses kurze Tutorial. Bei einer modernen „wissenschaftlichen“ Arbeit gehe man gemäß der folgenden fünf Schritte vor, und der Erfolg ist gewiss. Und auf den persönlichen Erfolg kommt es ja an, und nicht etwa auf irgendeinen Fortschritt in der menschlichen Erkenntnis. Die Wissenschaft als priesterliches Instrument der Wirtschaft und Politik ist nichts für aufklärerische Schwärmereien.

  1. Formulieren einer Hypothese
    Bevor sie mit der Arbeit beginnen, machen sie sich die Arbeit, eine gute Hypothese zu formulieren. Wichtig dabei ist es, dass sie dabei den nächsten Schritt vor Augen haben und ihre Hypothese so formulieren, dass die finanzielle Förderung gesichert ist. Dabei müssen sie ein besonderes Augenmerk auf die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation und auf die Ansprüche und Vorurteile der Profiteure dieser Situation legen.
  2. Beantragen einer Förderung
    Das ist der wichtigste Punkt. Denn dafür haben sie ihre Hypothese formuliert, und dafür werden sie forschen. Ohne Moos ist auch in der „Wissenschaft“ nichts los. Wenn sie ihre Hypothese mit Bedacht ihrer Situation als „Wissenschaftler“ formuliert haben, wird ihrer Bettelei ihrem Antrag sicherlich Erfolg beschieden sein.
  3. Durchführung von Experimenten
    Damit ihre Arbeit „wissenschaftlich“ aussieht, müssen sie Experimente durchführen. Zum Glück interessiert sich kaum jemand für ihre Methodik und ihre Ergebnisse werden praktisch nicht angezweifelt. Deshalb können sie gerade in den „Sozialwissenschaften“ ihre Experimente so gestalten, dass die Bestätigung ihrer Hypothese wahrscheinlich wird. Das gefällt auch ihren Geldgebern, also tun sie sich keinen Zwang an und vergessen sie das universitäre Geschwafel von Objektivität und Sorgfalt! Wenn sie einen Fragebogen entwerfen, formulieren sie die Fragen suggestiv! Wenn sie eine Studie machen, sorgen sie für eine geeignete Auswahl von Probanden und Bedingungen, die dem erwünschten Ergebnis förderlich sind!
  4. Bearbeitung der experimentellen Daten
    Dieser Schritt ist von niemals zu unterschätzender Wichtigkeit für ihre Arbeit. Die letzten Ausreißer in den ermittelten Daten, die trotz aller Vorbereitung des Experimentes noch ihrer Hypothese widersprechen, müssen beseitigt werden. Ob sie dafür klassisch statistische Methoden verwenden, um diese Aspekte der Wirklichkeit zu marginalisieren, oder ob sie eine Möglichkeit finden, so etwas „wegzuerklären“, bleibt ihrer forschende Kreativität überlassen.
  5. Veröffentlichung
    Herzlichen Glückwunsch! Sie haben nach den ersten vier Schritten als Ergebnis eine Bestätigung ihrer Hypothese, die sie vor ihrem Förderer nicht zu verstecken brauchen. Die Veröffentlichung ist wichtig, denn die Welt hat darauf gewartet, einmal mehr von der modernen Priesterkaste der „Wissenschaft“ in die Irre geleitet zu werden. Bei hinreichender wirtschaftlicher und politischer Macht ihres Förderers brauchen sie sich um die öffentliche, politische und mediale Aufmerksamkeit keine Sorgen mehr zu machen. Sie können jetzt ihr nächstes Projekt beginnen. Gehen sie zu Punkt 1 zurück und formulieren sie in aller Ruhe die nächste nützliche Hypothese!

Das dies ein erfolgversprechener Weg ist, zeigt sich jeden Tag beim Überfliegen der Wissenschaftsteile in verschiedenen Medien. Zwar entstehen dabei auch manchmal Ergebnisse, die anderen Ergebnissen eher widersprechen, aber da es in der so genannten „Sozialwissenschaft“ nicht auf Erkenntnis und Fortschritt, sondern nur auf die Verwertbarkeit der „Ergebnisse“ in Wirtschaft und Politik und die darauf basierende Ausschüttung von Fördergeldern ankommt, macht das weiter nichts. Wichtig ist nur, dass die Hypothese niemals den Vorurteilen und Wünschen derer widerspricht, die Forschung bezahlen. Deshalb ist bei der Formulierung der Hypothese mit Bedacht und strategischer Weitsicht vorzugehen. Niemals darf eine Wirklichkeit postuliert werden, die den Interessen der um Förderung angebettelten Geldmächtigen nicht gefällt, und nach Möglichkeit sollte auch das Ergebnis so aussehen, dass auch die Finanzierung des nächsten Projektes gesichert ist.

Denn die goldene Regel der Wissenschaft lautet: Wer das Gold hat, macht die Regeln. Nehmen sie das Gold und sonnen sie sich in ihrem Erfolg! Ihr Konto wird es ihnen danken. :mrgreen:

Wer etwas Satire in diesem Text findet, darf sie vermessen und eine Arbeit darüber schreiben. Ein besonderer Dank an Mira für die Anregung.

Baustelle

Wenn ich durch die Straßen gehe, ertappe ich mich immer wieder dabei, dass der Anblick einer Baustelle bei mir eine geradezu kindische Freude auslöst. Das. Ist äußerst irrational und wundert mich selbst manchmal. Es mag daran liegen, dass eine Baustelle einen tröstlichen Gegenpol zu jenen immobilen Insignien der Unbewohnbarkeit darstellt, die man unter dem Begriff „Architektur“ subsumiert. Wo sich in den Gebäuden die allgemeine Kälte versteinert und dem Vorübergehenden als unbewegliche Bedingung gegenüber tritt, da durchbläst jede Baustelle ein Geist der möglichen Veränderung, der an sich bereits anziehend und interessant ist.

In den meisten Fällen ist die Baustelle. Jedenfalls anziehender und interessanter. Als das, was stehen bleibt, wenn die Baustelle wieder verschwunden ist.

Abtauchen

Wer gewohnheitsmäßig in den industriellen Produkten der Contentindustrie — sei es Film, Musik oder Fernsehproduktion — nach Tiefgang sucht, erinnert in dieser Gewohnheit allzu deutlich an einen Taucher, der sich in eine Jauchegrube gleiten lässt.

Immer der Nase nach

Es scheint gar nicht verwunderlich, dass so viele Männer und Frauen eine Beziehung eingehen, die in Windesschnelle und oft stürmischer Heftigkeit wieder zerbricht; eben so wenig verwundert die allgemeine und leicht zu beobachtende Zunahme gewisser angeborener Krankheiten unter den Kinden, wie etwa die epidemisch gewordenen Allergien. Wenn sich die Menschen gewohnheitsmäßig jeden Tag mit allerhand Düften, ja, sogar mit untergemischten Sexuallockstoffen parfümieren, denn finden eben nicht mehr jene zusammen, die einfach einander gut riechen können. Und. Diese Überrumpelung des olfaktorischen Sinnes, so sehr er beim Menschen auch in der Rückbildung begriffen ist, führt nun einmal dazu, dass biologisch unvorteilhafte Paarungen entstehen. Mit. Den. Leicht beobachtbaren Folgen für alle Beteiligten.

Der Denkende, der auf diese Sinnumneblung verzichtet, kann immer wieder lustige Gespräche erleben. Wenn ihn zum Beispiel jemand fragt, welches Deodorant er verwende, er aber antworten muss, dass er gar keines benützt und einfach nur nach sich selbst riecht. Leider lehnen die meisten Weiblein das Angebot, davon noch viel mehr haben zu können, dankend ab. Dieser anerzogene Abscheu gegen die Riechlust ist ja das Elend… :mrgreen:

social network

social network (das) — Dieser Begriff bezeichnet nach der jüngsten sprachlichen Verbullshittung der Allvermarkter und anderen Halsabschneider nicht länger jene Gruppe von Menschen, mit denen ein lebender Mensch seine Erfahrungen und Erlebnisse teilt, um sie zu gemeinsamem und damit sozialem Erleben zu machen. Vielmehr. Wird mit dem Begriff des social network eine automatisierbare, technische Dienstleistung im Internet bezeichnet, vermittels derer sich die zunehmend atomisierten Menschen einen Ersatz für jene zwischen-menschlichen Bedürfnisse aufbauen sollen, die unter den Bedingungen der allgemeinen, rastlosen Hast des Konsumierens und Gelderwerbens in immer stärkerem Maße unbefriedigt bleiben. Insofern begegnen die diversen social networks einem Mangel, der unter den Bedingungen des gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozesses zwangsläufig entsteht, und zwar mit den Mitteln eben dieses Prozesses. Und. Unterliegen damit der grundlegenden Bestrebung dieses Prozesses, aus jeder menschlichen Begegnung einen möglichst optimierten Geschäftsvorgang zu machen, was zur neben der unfühlbaren Flüchtigkeit des Gemeinsamen zu einer zusätzlichen Entwertung der Begegnungen in diesen social networks führt. Um das „Soziale“ in seinem menschlichsten Sinn ging es den Planern und Anbietern von MySpace, StudiVZ, Facebook und anderen derartigen Diensten dabei nie; dieses Wort ist nur eine aus Falschsprech bestehende Fassade vor den exquisit kommerziellen Absichten derartiger Angebote. Die Entwertung des eigentlich „Sozialen“ im menschlichen Mit-Ein-Ander und die bewusste Umdeutung dieses Wortes zu einer mit Reklame anreicherbaren Form der Datenübertragung wird bei diesem Sprachblendzauber billigend in Kauf genommen. Angesichts der Tatsache, dass Menschen triebhaft soziale Wesen sind, spiegelt sich in dieser Bereitschaft auch das Unmenschliche derer, die aus solchen Diensten ihren Profit schlürfen wollen.

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Manchmal findet sich alles, was am gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozess schlimm und kalt ist, in einem einzigen Detail konzentriert, etwa in einem Firmenschild wie diesem. Bevor man auch nur etwas genaueres über das Geschäftsmodell dieses Unternehmens weiß, kann einem schon angesichts der Kälte in dieser Präsentation die Lust verlassen, sich auch nur ein bisschen zu informieren. (Ich ging außerhalb der Geschäftszeiten daran vorbei, sonst hätte ich doch einen quicken Blick nach innen gewagt und sehr freundlich um Informationsmaterial gebeten. Im Zweifelsfall bin ich mit der Lüge vom arbeitslosen Krankenpfleger sehr interessiert an solchen persönlichen Möglichkeiten.)

So viel ist klar, es geht hier um ausleihbare Mitarbeiter, die den fest angestellten und damit teuren Personalbestand im geldwerten Betrieb der Siechhäuser klein halten sollen. Die geschäftstümelnde Bullshit-Sprache, die gleichsam unterkühlte wie moderne Gestaltung und das unverbindliche Denglisch auf einem Schild für solch Menschmiete in einem Bereich, dessen persönliche und menschliche Empfindlichkeit für alle Betroffenen nicht gerade gering ist, weckt fröstelndes Unbehagen und lässt einen nur hoffen, dass man niemals in die hilflose Situation kommt, in seinem Leiden auf so kalte Dienste angewiesen zu sein. Tatsächlich wundert es, wie so ein Schild an einer belebten Straße hängen kann, ohne dass Menschen davor stehen und sich entsetzen oder zu weinen beginnen. Es ist ein echtes Dokument. Der allgemeinen Kälte und Stumpfheit.

Das Foto wurde von mir auf der Hildesheimer Straße in Hannover genommen.

Richtung und Garheit (10)

Krank — Die Behandlung von Krankheiten ist ein viel zu gutes Geschäft für alle daran Beteiligten, als dass sich das Gesundheitswesen darauf beschränken könnte, nur Kranke für krank zu erklären.

Aberglaube — Aufgeklärte Menschen spotten allzu leicht über den dummen Aberglauben der Massen, wo er Unverstandenes mit wirkungsloser Magie zu beherrschen sucht. Und. Sie verlassen sich blind und ohne die Spur tieferen Verständnisses auf ihren Virenscanner und ihre so genannte „Firewall“, wenn sie mit Windows arbeiten.

Nachtigall — Es ist ja schon völlig unklar, wieso das scheußliche Gekreisch aus Vogelkehlen mit dem Wort „Gesang“ belegt wurde. Vor allem die Nachtigall steht im Ruf, besonders schön zu „singen“. Wer einmal so eine Nachtigall hört — zu sehen bekommt man diese unscheinbaren Vöglein nie, aber ihr dissonantes Quietschen ist am Abend unüberhörbar und im Vorübergeben schmerzhaft laut — der fragt sich, wie es zu dieser Verzerrung der Wahrnehmung kommen konnte und kann. Vermutlich entstand (und entsteht) diese Verklärung, weil zu häufig Menschen in den wärmeren Abendstunden ihren Geschlechtsverkehr im Freien hatten (und haben) und zu ihrem eigenen Orgasmus dieses kreischende Gezwitscher in die Ohren gesteckt bekamen (und bekommen), was zu einer Übertragung des sexuellen Lustempfindens auf diese eine, wenig erfreuliche Randbedingung führte. Die. Dann als „schön“ empfunden wurde. (Dass ich noch niemals Sex im Freien hatte, ist aus diesem Kürzsttext evident.)

Fernsehprogramm — Der MDR ist das ZDF der ARD. (Und. Wer auch nur gelgentlich eine MDR-Produktion in ihrem Bildzeitungs-Charakter irgendwo mitbekommt, der weiß, was damit gemeint ist.)

Warmer Mai — Es reichen fünf Tage mit schönem Wetter, um die Menschen zu verwandeln. Um. Aus ihnen etwas weniger stumpfe und rücksichtslose Wesen zu machen. Die dann darüber klagen, dass es ihnen viel zu warm geworden ist.

Über Bäume

Ein BaumWenn man als Mensch einen Baum betrachtet, denkt man zu leicht, dass der Baum sich nicht bewege. Das ist ein Irrtum, der darin wurzelt, dass der Ablauf dieser Bewegungen durch seine Langsamkeit für Menschen unsichtbar ist, da des Menschen Zeitskala für Wahrnehmungen an schnellere Abläufe angepasst ist. Zudem findet die Hälfte der Bewegung des Baumes unter der Erde statt, wo sie von Menschen nicht unmittelbar wahrgenommen werden kann. Hätten wir einen Sinn dafür, so sähen wir, dass Bäume (und andere Pflanzen) Wesen sind, die sich sogar in zwei Richtungen gleichzeitig bewegen. Während sie ihre Blätter strebsam zur Sonne recken, ankern wühlende Wurzeln fest im Boden. Bäume, denen das nicht gelingt, werden nicht so alt, dass sie sich fortpflanzen können; sie werden vom ersten stärkeren Wind umgerissen. Daran sollte auch jeder Mensch denken, der hoch hinaus will.

Doch es ist noch ein Zweites, weshalb der Bäume Bewegung unserer unmittelbaren Wahrnehmung verborgen bleibt. Und das. Ist die scheinbare Friedlichkeit dieser Bewegung, die fern von den Schemata des „Fressens oder Gefressen-Werdens“ zu liegen scheint. Auch das ist natürlich eine Illusion, denn auch unter den Pflanzen ist der Kampf ums Dasein unerbittlich und grausam. Ein Baum. Strebt nur deshalb so hoch hinaus, weil er sich möglichst viel von der Energie der Sonne sichern will; so viel, dass in seinem Schatten anderen Pflanzen das Licht fehlt. Unter den entfalteten Kronen der Bäume herrscht die Hungersnot für andere Pflanzen, jeder offenäugige Fußweg durch den Wald macht es deutlich. Freilich. Nach außen kann der Baum dabei recht friedlich wirken, aber in ihm herrscht ein anderes Prinzip, das auch den Menschen wohlbekannt sein dürfte.

Vor Milliarden von Jahren — wann es war, es ist für uns kaum ahnbar — haben einige einzellige Lebensformen das Kunststück vollbracht, in die Zelle aufgenommene Algen nicht zu zerlegen, um daraus eigene Strukturen zu bilden. Vielmehr. Haben sie diese aufgenommenen Zellen unverdaut gelassen, haben sie weiter stoffwechseln lassen, damit diese aus Licht und Kohlendioxid ATP synthetisieren. An der Arbeit dieser aufgenommenen Zellen freilich, daran haben sich diese Einzeller gelabt; konnten sie doch mit der so gewonnenen Energie prassen, ohne dass sie nach anderer Nahrung in ihrer Umwelt suchen mussten. In der folgenden Entwicklung wurde aus dieser symbiotischen Kooperation eine recht einseitige Abhängigkeit; die einst aufgenommenen Algen verloren ihre Fähigkeit zum eigenständigen Leben und wurden zu gewöhnlichen Organellen der Vorläufer aller Zellen, aus denen sich die heutigen Pflanzen bilden. Was uns makrologisch als „Freidlichkeit“ des Pflanzenreiches erscheint, es ist das Prinzip der Sklaverei im mikrobiologischem Maßstabe.

Wenn sich ein Mensch an einen Baum lehnt, so zeigt der Baum keine große Gegenwehr. Sein Stamm ist hart und fest und scheint einen zuverlässigen Halt zu geben. Und. Er ist damit ein Spiegel aller Härte, Festigkeit und Zuverlässigkeit, die dort entsteht, wo man hoch hinaus will und dieses Streben auf Sklaverei und künstlich geschaffene Abhängigkeit stützt.

Auswärtiges Denken (33)

Schall und Rauch über Vergewaltiger:

Einige Vergewaltiger zahlen nie für ihre Verbrechen, egal wie oft sie dabei erwischt und blossgestellt werden. Diese Serientäter haben einen Namen, sie heissen REGIERUNGEN.

Das soziale Sieb der Schule

Er ist Vater vierer Kinder, die allesamt zur Schule gehen (müssen). Und. Er erzählte mir, in eher beiläufiger Weise: „Seit ich mein Studium abgeschlossen habe und Diplom-Mathematiker bin, haben sich die Zensuren meiner Kinder in allen Fächern um eine bis zwei Notenstufen nach oben verschoben. Nicht die Leistungen und Fähigkeiten meiner Kinder haben sich verändert, aber die Bewertung dieser Leistungen und Fähigkeiten durch die Lehrer.“

Dies geschah, wie ich etwas später auf Nachfrage erfuhr, unabhängig voneinander an zwei verschiedenen Schulen. Eine dieser Schulen würde von den meisten Menschen als „alternativ“ beurteilt. An dieser, sich in jedem Zeugnis zementierenden sozialen Voreingenommenheit des Leerkörpers Lehrkörpers entscheiden sich also der Menschen Perspektiven und Möglichkeiten im Leben.

Arbeit war sein ganzes Leben

Bei schönem Wetter mag ich es sehr, müßige Zeit auf dörflichen Friedhöfen zu verbringen, haben dort die Gräber doch noch kein uniformiertes Aussehen und sind die Inschriften der Grabsteine dort noch nicht völlig im Sumpf der Phrasen versackt, sondern haben einen Anker beim Treiben der Lebenden. Und heute war ein Tag mit schönem Wetter, und meine Zeit war müßig. Das Fahrrad trug mich auf den asfaltenen Narben der Erde aus der städtischen Hölle heraus, langsam, mit Zeit und ohne Ziel. Wie einfach sich doch die Despotie der Langeweile durch simples Handeln abschütteln lässt! Schon bald fand sich ein passender Ort; wenig Häuser, etwas Handwerk, viel Landwirtschaft, eine kleine Kirche, ein Angstacker der Lebenden mit Blumen getarnt, auch mit einem Baum und seinem Schatten auf der Bank; genau hier wollte ich verweilen. Zu rauchen, zu schweifen und den Atem zu schöpfen, der einem in der Hast von Hannover wegbleiben kann.

Sehr langsamen Schrittes ging eine Frau, der das lebenslange Bücken zur Körperhaltung geworden ist, zu einem der Gräber dort, mit Murmelsprech und Blümchen die Ewigkeit des Vergessens zu füttern. Wäre ich heute nicht dort gewesen, hätte sie gewiss die Bank genommen, doch so überwog ihre Angst. Vor. Dem. Fremden. Die allerorten so vieles zur allgemeinen Barbarei in Deutschland tut. Und. Sie ging bücksam zurück zu einem Ort, den sie mit viel größerem Recht als ihr Zuhause fühlen kann, als sich das ein moderner Stadtnomade mit seinen häufigen Umzügen jemals vorstellen könnte.

Sie. Erwiderte im Vorübergehen. Meinen Gruß nicht. Und. Scheute den auffälligen Blick zu mir, dem Wesen aus einer anderen Welt. (Aber ich konnte den verstohlenen Blick ertappen, als er aus der Ferne geworfen wurde. Die kleinen, verkrampften Gesten, die Angst aus Menschen hervorlockt, haben für die heitere Seele oft etwas komisches. Doch das offenbare Leid, das sich mit ihnen verbindet, macht das Lachen darüber schwer.)

Allein. Zeit. Für meinen Gang durch die Gräber. Die es mir ermöglichen würden, die halbe Geschichte des kleinen Ortes bei den Kühen, den Feldern und dem Hühner-KZ zu rekonstruieren, würde ich darauf eine Mühe verwenden. Aber heute ist ein Tag der Entspannung, die sich niemals darin findet, dass man sein Nervensystem mit starken Reizen abtäubt, da werde ich keinen Gedanken denken. Sondern. Nur wirken lassen. Was in den Spiegel meines Bewusstseins dringt.

Nach fünfzehn Minuten stand ich vor dem Grab der Handwerkerfamilie, an deren kleinen Betrieb ich eben noch müßig vorbeifuhr. Keine tröstliche Inschrift und kein religiöses Sprüchlein zierte dieses Mahnmal von Generationen des Nutzlebens. Nur. Ein kurzes Wort, das die gesamte Tristesse unter dem lebenslangen Fluch der abstrakten Arbeit im Angesicht des Todes trefflich zusammenfasst. Es. War. Nur. Das Wort: „Feierabend“.

Bei manchen Toten fragt man sich, ob sie wohl gelebt haben.

Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht finden, sie werden begehren zu sterben, und der Tod wird vor ihnen fliehen. (Offb. 9,6)