Die Tatsache, dass das menschliche Bewusstsein nicht die Realität ist, sondern dass die vom Bewusstsein erzeugten wirksamen und damit wirklichen Erfahrungen und Wahr-Nehmungen lediglich ein vom Gehirne erzeugter Spiegel der Realität sind, lässt sich mit erstaunlich einfachen Experimenten belegen. Einige dieser Experimente sind so leicht durchführbar, dass sie von jedem Menschen mit geringem Aufwand reproduziert werden können. Dennoch sind diese — und ihre ent-täuschenden Resultate — viel zu wenig bekannt.

Eine „Leistung“ — vielleicht wäre „Illusion“ ein besseres Wort dafür — unseres Bewusstseins ist zum Beispiel die Wahr-Nehmung scharf abgegrenzter Entitäten in der Umwelt und die gleichzeitige Selbst-Wahr-Nehmung als von der Umwelt abgegrenzte, frei und unabhängig agierende Wesenheit. Denkt man nur einen Moment darüber nach, so stellt man fest, dass dieses vom Gehirne erzeugte Abbild nicht der Realität entsprechen kann. Denn die Grenzen der Dinge sind keineswegs scharf, alles befindet sich in stetem Fluss und in Wechselwirkung mit seiner Umwelt, formt sich gewissermaßen erst als vorübergehendes Resultat dieses unablässig ablaufenden Prozesses. Und. Die Grenzen des eigenen Körpers in seinem Fließgleichgewicht, der beständig aus seiner Umwelt aufnimmt und an seine Umwelt abgibt, sind noch viel diffuser als etwa die einer Tastatur oder einer Kaffeetasse. Das einzige. Was in Realität existiert. Ist die Einshaftigkeit des gesamten, unverstanden als Prozess über allem ablaufenden Kosmos. Dessen tatsächliche Existenz so unbemerkt an unserem, im Spiegel des Selbstes erscheinenden Sein vorbeifließt wie die Existenz der in die Form eines Computers gegossenen Logik am Sein einer Kröte. Aus dem Gefängnis der Bedingtheit des eigenen Bewusstseins gibt es kein Entkommen, und die vom Bewusstsein vorgespiegelte eigene Freiheit oder gar Unabhängigkeit ist eine gefährliche Selbst-Täuschung.

Wie wenig sich ein Mensch auf die Wahrnehmung seiner eigenen Körpergrenzen verlassen kann, zeigt ein leicht durchführbares Experiment, das deutlich macht, wie dieses bewusste und schon vorbewusst für wahr und unzweifelhaft gehaltene Bild — vom Bewusstsein unbemerkt — erst durch das Gehirn aus Wahrnehmungen erzeugt wird. Bei der Durchführung des Experimentes wird ein lebloses Stück Kunststoff als Bestandteil des eigenen Körpers empfunden; ein Ergebnis, das den meisten Menschen wohl recht unglaubwürdig erscheint. [Die folgende Übersetzung aus dem Englischen ist von mir, ich habe mich wegen des informellen Stiles für die Du-Form bei der Wiedergabe entschieden.]

Zur Durchführung werden benötigt

  • Ein Freund
  • Eine recht realistisch nachgebildete Hand oder ein Arm aus Gummi

Durchführung

  • Lege einen deiner Arme hinter einem Sichtschutz oder hinter einem Kasten auf den Tisch! Lege den Arm so hin, dass du ihn nicht sehen kannst!
  • Positioniere den Arm [oder die Hand] aus Gummi so auf dem Tisch, dass es [von der Lage her] aussieht, als handele sich um deinen eigenen Arm [oder deine eigene Hand]! Schau dir diese Hand [aus Gummi] an.
  • Nun bitte deinen Freund, dass er gleichzeitig über deine wirkliche Hand und deine scheinbare Hand [aus Gummi] streiche.
  • Es muss in identischer Weise über die beiden Hände gestrichen werden. Auf beiden „Händen“ müssen einander entsprechende Teile zur gleichen Zeit berührt werden.
  • Du bekommst die skurrile Wahrnehmung, dass die künstliche Hand aus Gummi zu dir gehört.

Bevor ihr anfangt, bitte deinen Freund darum, dass er ungefähr eine Minute nach dem Anfang des Experimentes unvermittelt und ohne Warnung sehr fest nach der Gummihand schlägt! Wie ist deine Reaktion?

Die Beschreibung dieses Experimentes habe ich über Brights — die Natur des Zweifels gefunden. Fröhliche Grüße nach Berlin zu O.H.